Der Dötlinger Volker Grundmann braut sein Bier seit drei Jahren selbst und gibt sein Wissen in Workshops weiter

„Das ist ein göttliches Getränk“

Stetiges Rühren ist beim Maischen wichtig, weiß der Dötlinger Hobbybrauer Volker Grundmann.

Dötlingen - Von Tanja Schneider· „Der Kochlöffel ist mir abgebrochen“, sagt Volker Grundmann und grinst. Mit einer dunkelbraunen Lederschürze um die Hüften steht er in der schmalen Küche seines Hauses in Dötlingen und rührt nun mit einem Stock in dem großen Maischebottich. „Bier braue ich seit drei Jahren“, berichtet er. „Normalerweise in der Garage. Aber dort ist es mir jetzt zu kalt.“

Dunkle, stark eingebraute Biere sind die Favoriten des Dötlingers, der als Hobbybrauer-Dozent auch Workshops für Gruppen anbietet. Dann können Interessierte nicht nur selbst Bier brauen und den Gerstensaft probieren, Grundmann serviert auch Geschichten rund um das beliebteste Getränk der Deutschen und seine Entstehung. „Schon die Seefahrer unter James Cook haben gemaischt – mit Sauerkraut. Das sollte gegen Skorbut helfen“, gibt Grundmann zum Besten, legt seinen Stock beiseite und setzt den Deckel aufs Gefäß. Die Maische dampft vor sich hin.

„Vor dem Maischen habe ich bereits Malz geschrotet“, erläutert der Bierbrauer den Vorgang. „Dieser kommt dann in warmes Wasser und wird je nach Rezept auf die entsprechende Temperatur erhitzt.“ Bei dem Vorgang löst sich aus dem Malz die Stärke, die durch das Enzym Amylase in Malzzucker umgewandelt wird. Damit die wertvollen Enzyme nicht zerstört werden, sollte die Maische nicht über 78 Grad Celsius erhitzt werden. Und immer schön rühren. Volker Grundmann nimmt deshalb wieder seinen Stock zur Hand. „Ist der Maischvorgang abgeschlossen, kann ich filtern“, erzählt er. „Die so gewonnene Bierwürze koche ich zusammen mit Hopfen.“ Erst nachdem das Gemisch heruntergekühlt ist, kommt die Hefe dazu. „Sie sorgt für den Gärprozess“, sagt der Dötlinger, der über einen Freund ans Bierbrauen gekommen ist. „Er verkauft das entsprechende Equipment wie Gärfässer. Und da habe ich gedacht, ich versuche es mal.“ An sein erstes selbst gebrautes Bier kann sich Grundmann noch gut erinnern. „Das war das Beste, das ich je hergestellt habe – damals noch in einem Pott auf dem Herd. Das war eine Sauerei, aber das Ergebnis hat überzeugt“, berichtet der Hobbybrauer, der nur 200 Liter im Jahr zum Eigenbedarf herstellen darf.

Von einem alten Bierbrauer aus Bad Bederkesa ließ er sich die Kunst des Brauens zeigen. „Und er hat mir auch seine ganzen Rezepte verraten“, sagt der Dötlinger, der mittlerweile aber auch selbst experimentiert. „Ich bin kein Verfechter des Reinheitsgebots. Das ist langweilig“, sagt er. „Das Schöne am Selbstbrauen ist ja, dass ich das Bier herstellen kann, das ich am liebsten mag – und das ist nunmal dunkles, stark eingebrautes Bier“, schwärmt er. Aber auch Schwarzbier, helles Bier, Himbeerbier, Kellerbier und sogar Glühbier haben schon die Küche beziehungsweise die Garage verlassen. „Ich arbeite auch gerne mit Honig. Das werden göttliche Getränke“, meint der angehende Imker. „Bisher ist auch jedes Bier gelungen. Schief gelaufen ist noch nie etwas.“

„Doch“, tönt es aus dem Nebenzimmer. Seine Frau Anka gesellt sich dazu und erinnert an das „Raketenbier“. „Ja, das hatte ich zu früh abgefüllt. Durch die viele Kohlensäure sind dann die Flaschen geplatzt“, gesteht Grundmann und seine Frau fügt hinzu: „Die ganzen Wände waren eingesaut.“

Ohnehin sei das Bierbrauen eine ganz schöne Kleherei. „Der komplette Boden klebt hinterher. Deshalb gehe ich normalerweise auch in die Garage“, berichtet Grundmann, der betont: „Als Bierbrauer braucht man eine tolerante Frau.“ Anka Grundmann ist gleichzeitig seine beste Kritikerin. „Wahrscheinlich, weil ich keine Biertrinkerin bin.“ Manche Produkte ihres Mannes verköstigt sie aber gerne. „Zum Beispiel das Honigbier – das mag jeder“, sagt die gebürtige Australierin, die sich an das Hobby ihres Mannes gewöhnt hat. „Normalerweise steht bei uns immer ein Gärfass im Wohnzimmer, in dem es manchmal so laut blubbert, dass ich den Fernseher lauter stellen muss“, erzählt sie. „Wenn es nicht blubbert, fehlt etwas.“ Ihr Mann grinst und ergreift noch einmal den Stock. Das Maischen ist fast beendet, der gesamte Vorrang noch lange nicht. „Ich benötige schon sechs bis sieben Stunden“, so Grundmann. „Inklusive Boden wischen.“

Wer sich für das Bierbrauen interessiert, kann mit dem Dötlinger unter der Telefonnummer 04433/969007 oder per E-Mail: v.grundmann@yahoo.de Kontakt aufnehmen.

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