„Das beste Jahr meines Lebens“

Jette Schachtschneider ist aus England zurück und schildert ihre Erfahrungen

War ein Jahr lang in der englischen Küstenstadt Brixham: Jette Schachtschneider (links) aus Aschenstedt. Malvina war ihre Gastschwester.
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War ein Jahr lang in der englischen Küstenstadt Brixham: Jette Schachtschneider (links) aus Aschenstedt. Malvina war ihre Gastschwester.

So schnell vergeht ein Jahr: Im Sommer 2020 hat Jette Schachtschneider aus Aschenstedt ein Auslandsjahr in England begonnen. Seit einem Monat ist die 17-Jährige wieder zurück in der Gemeinde Dötlingen und berichtet für unsere Zeitung, wie sie die Zeit erlebt hat und was sie am meisten vermisst.

Aschenstedt/Brixham – „Vor circa fünf Monaten habe ich bereits einen Artikel über mein Jahr geschrieben, dies war allerdings im Lockdown, und seitdem ist ein bisschen was passiert. Brixham, der Ort, in dem ich gelebt habe, ist eine kleine Stadt im Südwesten von England. Brixham, Paignton, Torquay und Newton Abbot bilden zusammen die Torbay-Region, in der ich die meiste Zeit verbracht habe. Da alle Orte am Meer liegen und sowohl Stadt, Strand als auch Ausflugsziele bieten, sind sie in England beliebt bei Touristen.

Da meine Gastschwester und ich die einzigen Austauschschüler in Brixham waren, aber in Paignton zur Schule gingen, und das auch der Ort war, wo der Großteil meiner Freunde lebte, hätte ich anfangs lieber dort oder in Torquay gelebt. Später stelle sich Brixham aber als der perfekte Ort heraus. Im Lockdown gab es glücklicherweise viel mehr Ausflugsziele, und ansonsten waren für den Notfall auch genügend Shops in der Innenstadt vorhanden, in denen man alles Nötige besorgen konnte.

Der Lockdown ist jetzt zum Glück schon ein paar Monate her. Doch auch danach gab es weitere Ereignisse in diesem Bereich. Zum Beispiel ist in England ein paar Monate früher als in Deutschland die Delta-Variante ausgebrochen. Aber jeder war mit den Neueröffnungen und Lockerungen beschäftigt. In meiner Schule wurde in den vergangenen Wochen sogar die Maskenpflicht abgeschafft. Und obwohl ich vorerst dachte, dass ich mich auf diesen Tag freuen würde, fühlte es sich überraschend komisch an, in den Gängen ohne Maske herumzulaufen. Deswegen hatten ein paar meiner Freunde und ich sie meistens trotzdem auf.

Das Essen war gewöhnungsbedürftig

Eine andere Sache, an die ich mich nicht so ganz gewöhnen konnte, war das Essen. In Brixham isst man abends warm, und so gut wie jeden Sonntag gibt es ,Roast Dinner‘, ein traditionelles Essen, mit geröstetem Fleisch, Kartoffeln und Gemüse. Für Vegetarier gab es natürlich etwas anderes. Zum Mittagessen wurden eher ein Sandwich, Chips und ein Getränk gereicht. Das ist sogar so üblich, dass es bei Tesco sowie bei vielen anderen großen Supermarktketten einen sogenannten ,Meal Deal‘ gibt. Für meistens drei Pfund kann man sich eine Hauptspeise (meistens ein Sandwich oder Wrap, in den größeren Shops gibt es aber auch die Optionen Sushi und Salat), eine Beilage (meistens Chips, in anderen Shops jedoch auch ein Schokoriegel oder Obst) sowie ein Getränk aussuchen. Lustigerweise haben die Engländer übrigens auch eine sogenannte ,Sugar Tax‘, was mich erst mal überrascht hatte. So ist zum Beispiel eine Cola-Zero zehn Pence günstiger als eine normale Cola. Das soll dazu führen, dass die Bevölkerung weniger Zucker zu sich nimmt.

Ein anderer ,Fun Fact‘: In England verabschiedet und grüßt man den Busfahrer. Dabei habe ich schon etwa fünfmal eine Person vor mir ,Dankeschön" sagen hören. Anfangs dachte ich, ich hätte mich verhört. Später stellte sich heraus, dass ein paar Engländer manchmal deutsche Wörter benutzen und anstatt ,Bless you‘ ,Gesundheit‘ sagen. Genauso wie wir manchmal deutsche durch englische Wörter ersetzen.

In der Stadt Bath war Jette Schachtschneider (links) zusammen mit Helena.

Ein paar Personen, mit denen ich leider nicht ganz so gut klarkam, waren meine Gasteltern. Es ist nicht so, dass ich sie nicht mochte. Wir teilten aber keine Interessen und waren generell komplett verschiedenen Menschen. Meine Gastschwester (irreführenderweise ist sie nicht die Tochter der Gastfamilie, sondern ebenfalls eine Austauschschülerin aus Italien) hat sich hervorragend mit ihnen verstanden. Ich habe die Zeit bei ihnen genossen, sehe sie aber weder als richtige Gasteltern noch als Freunde an, sondern eher als nette Bekannte, bei denen ich jetzt nun mal zufällig knapp ein Jahr gelebt habe.

Glücklicherweise habe ich mich dann aber doppelt so gut mit meiner Gastschwester verstanden. Mit ihr habe ich auch schon Pläne, mich im kommenden Jahr zu treffen. Generell gab es eine Menge andere Austauschschüler, die in Brixham waren. Insgesamt waren es – nur in der Torbay-Region – um die Hundert, natürlich gingen aber nicht alle auf dieselbe Schule. Doch auch auf meinem College gab es etwa 30 von uns. Durch den Überlauf an Austauschschülern war es leider ein bisschen schwierige englische Freunde zu finden. Es war nun mal viel einfacher, sich mit Leuten anzufreunden, die in der gleichen Situation steckten wie man selbst. So passierte es, dass ich mehr Freunde aus Italien, Tschechien, der Schweiz und aus Deutschland gefunden habe als englische Einheimische.

Jede Sekunde in England genossen

Ich würde nicht lügen, wenn ich sagen würde, dass dieses Auslandsjahr bisher das beste Jahr meines Lebens war. Trotz alledem, was passiert ist. Vielleicht hat es das sogar noch besser gemacht: Dass man wusste nicht viel Zeit zu haben, dass man jede Sekunde mit Freunden genossen hat, dass man viel mehr Ausflüge gemacht hat, damit man jeden Moment nutzt, um so viel wie möglich zu sehen. Somit waren spontane fünf Stunden Zugfahrten nicht unüblich oder einfach mal für mehrere Tage mit Freunden in den Urlaub zu fahren. Alles Dinge, die ich vorher wahrscheinlich nie so gemacht hätte. Ich habe im vergangenen Jahr viel gelernt, unglaubliche Erfahrungen gemacht und noch viel unglaublichere Leute kennengelernt. Menschen aus aller Welt, die manchmal auch kaum verschiedener hätten sein können. Es ist erstaunlich schwierig in Worte fassen, wie unreal sich diese Monate immer noch anfühlen und wie sehr ich die Leute und das Land vermissen werde. Und obwohl ich gerade erst wieder angekommen bin, kann ich es kaum erwarten zurückzugehen und alle wiederzusehen.“

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