Feuerwehr-Serie

Sicherheitstrupp für Atemschutzgeräteträger: Damit die Luft nicht ausgeht

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Kai Nordbrock und Raik Lüdtke mimen bei einem Übungsdienst der Feuerwehr Brettorf den Sicherheitstrupp. Ortsbrandmeister Dirk Wilkens (v.r.) übernimmt die Atemschutzüberwachung.

Brettorf - Wenn er während eines Feuerwehreinsatzes eingreifen muss, sind die Brandschützer selbst in Gefahr: Die Rede ist vom Sicherheitstrupp, der immer dann auf Abruf bereitsteht, wenn Atemschutzgeräteträger involviert sind. „Und mittlerweile ist dies bei fast jedem Brand der Fall“, weiß Sarah Wilkens. Die Brettorferin ist stellvertretende Kreisausbildungsleiterin und seit mehr als sieben Jahren auch Atemschutzausbilderin. Im neunten Teil unserer Feuerwehr-Serie erklärt sie, warum dieser Bereich an Bedeutung gewonnen hat, wie die Ausbildung abläuft und was sich hinter dem Notfallkonzept verbirgt, das inzwischen landkreisweit für Standards sorgt.

In den drei Ortsfeuerwehren in der Gemeinde Dötlingen sind von den etwa 150 Aktiven laut Wilkens 57 Atemschutzgeräteträger. Die hohe Anzahl hat einen Grund: „Bei Bränden können wir nämlich kaum noch auf Atemschutz verzichten“, sagt die 30-Jährige. In den Gebäuden steckten immer mehr Technik und Kunststoffe. Die Feuer würden heißer, die entstehenden Rauchgase gefährlicher. Das Wissen über Atemgifte wird während der Atemschutzausbildung ebenso vermittelt wie Kenntnisse zum Brandverhalten und zur Technik. 

Insgesamt 35 Stunden in Theorie und Praxis umfasst der Lehrgang an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee. Wer ihn absolvieren möchte, muss nicht nur mindestens 18 Jahre alt sein, sondern auch tauglich. „Erforderlich ist eine arbeitsmedizinische Untersuchung, die unter anderem Belastungs-EKG, Blut-, Seh- und Hörtest beinhaltet“, informiert Wilkens. „Sie muss alle drei Jahre wiederholt werden.“ Ein Einsatz unter Atemschutz oder eine einsatzrealistische Übung pro Jahr sowie eine jährliche theoretische Unterweisung gehören ebenfalls zu den Anforderungen.

Um Letztere kümmern sich in der Regel die Atemschutzgerätewarte. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Ausrüstung überprüft, einsatzbereit und alles dokumentiert ist, sondern bringen die Feuerwehrleute auch auf den aktuellsten Stand beziehungsweise frischen Gelerntes auf. Zum Beispiel, was das Atemschutznotfallkonzept betrifft. Dieses wurde in der Gemeinde Dötlingen bereits vor Jahren entwickelt und soll ein einheitliches Vorgehen sichern – insbesondere bei der Rettung von in Not geratenen Brandschützern. 

„Wenn ein Atemschutztrupp verunfallt oder ein technisches Problem hat, ist Zeit ein kritischer Faktor. Dann muss es schnell gehen, weil die Luft knapp wird“, erklärt Wilkens. Da bei vielen Einsätzen alle drei Ortswehren involviert sind, mache die Standardisierung gewisser Abläufe Sinn. „So weiß jeder, was im Notfall zu tun ist“, betont die Brettorferin. Dieser Vorteil ist auch auf Kreisebene erkannt worden, wo das Atemschutznotfallkonzept nun seit knapp zwei Jahren greift und die Abläufe bei gemeindeübergreifenden Einsätzen regelt.

Zentrale Elemente sind der Sicherheitstrupp sowie der Ablageplatz in Form einer roten, beschrifteten Plane. Auf dieser liegt spezielles Equipment wie eine Handlampe, ein Schlauchpaket, eine Wärmebildkamera, Brechwerkzeug und eine Schleifkorbtrage bereit. Eben alles, was zur Rettung verunfallter Atemschutzgeräteträger benötigt werden könnte. „Am wichtigsten ist die Sicherheitstrupptasche“, weiß Wilkens. Sie beinhaltet unter anderem eine Atemluftflasche und eine Maske.

Der Sicherheitstrupp hält sich während eines Einsatzes in voller Montur am Ablageplatz bereit und verfolgt über Funk das Geschehen. „So weiß er, was beispielsweise im Inneren eines Gebäudes vorgeht und kann bei einem Notfall gezielter vorgehen“, erklärt die 30-Jährige. 

Für die digitale Atemschutzüberwachung sorgt hingegen die Checkbox. Mit ihrem personalisierten Chip checken sich die Einsatzkräfte ein, bevor sie sich im Trupp – einer besteht aus zwei Personen – ihrer jeweiligen Aufgabe widmen. „Die Box zeigt unter anderem an, wie viel Luft ihnen noch bleibt. Früher waren hierfür Stift, Papier und Stoppuhr notwendig“, erzählt Wilkens. Die Luft reicht für maximal 30 Minuten. Durch den Stress und die Anstrengung, die für eine erhöhte Atemfrequenz sorgen, sind es eher weniger. Im Notfall gelte es deshalb, Ruhe zu bewahren. 

Der Sicherheitstrupp greift übrigens nicht nur bei entsprechenden Hinweisen aus Funkverkehr und Checkbox ein, sondern auch beim Auslösen des Totmannmelders, den jeder Atemschutzgeräteträger bei sich führt. Dieser schlägt Alarm, wenn sich der Brandschützer nicht mehr bewegt oder die Temperatur zu hoch ist.

„Bislang konnten wir zum Glück keine größeren Notfälle verzeichnen“, so Wilkens. Die Einsätze des Sicherheitstrupps seien meistens auf ein Abreißen des Funkkontaktes zurückzuführen. Das Vorgehen werde dennoch intensiv trainiert. „Dazu gehört beispielsweise auch das Wechseln der Steckverbindung vom Lungenautomaten – unter Nullsicht und mit Handschuhen“, verrät die Ausbilderin. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Raik Lüdtke und Kai Nordbrock von der Brettorfer Feuerwehr können das nur bestätigen: „Das klappt selten beim ersten Mal“, erzählen sie während eines Übungsdienstes.

Nach einem Einsatz kommen die leeren Atemluftflaschen übrigens zum Auffüllen zur FTZ nach Ganderkesee. In den Feuerwehrhäusern stehen aber stets ausreichend Reserveflaschen zur Verfügung - ts

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. 

Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. 

Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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