Eine gute Ausstattung, feste Strukturen, Bewegung und Kommunikation sind wichtig

Damit das Homeoffice nicht krank macht

Arbeitet mal im Stehen, mal im Sitzen: Die Aschenstedter Gesundheitsexpertin Anne-Marie Glowienka gibt Arbeitgebern und -nehmern auch Tipps zum gelungenen Homeoffice.
+
Arbeitet mal im Stehen, mal im Sitzen: Die Aschenstedter Gesundheitsexpertin Anne-Marie Glowienka gibt Arbeitgebern und -nehmern auch Tipps zum gelungenen Homeoffice.

Aschenstedt – Kommt Ihnen das bekannt vor? Im Büro stehen Sie häufiger von Ihrem Stuhl auf, bringen mal etwas in eine andere Abteilung oder laufen mittags zum Bäcker? Im Homeoffice reicht der Weg plötzlich nur noch bis zum Kühlschrank? Wer nun nickt, braucht sich keineswegs alleine zu fühlen. Denn wer während der Arbeit in den eigenen vier Wänden nicht gerade noch Kinder betreut oder den Haushalt wuppt, kann schnell unter einem Bewegungsdefizit leiden. Es gehöre neben mangelhafter Arbeitsplatzausstattung, schlechter Kommunikation innerhalb des Teams oder mit dem Chef sowie ungesunder Ernährung und psychischer Belastung zu den Problemen, die bei längerem Homeoffice auftreten können, weiß Gesundheitsmanagerin Anne-Marie Glowienka.

Tipps rund ums heimische Büro

Die Aschenstedterin berät seit Jahren Firmen rund um Gesundheit, Demografie und Unternehmensentwicklung. Mit der Corona-Pandemie haben sich die Themen etwas verschoben. „Viele Arbeitgeber fragen sich zum Beispiel, wie es den Mitarbeitern im Homeoffice geht“, so Glowienka. Da sie sie nicht mehr persönlich sehen und hören, wüssten sie nicht, ob alles gut laufe oder der Mitarbeiter eventuell sogar überfordert sei. Glowienka gibt Tipps zur virtuellen Kommunikation. „Führen auf Distanz“ heißt ein Angebot, das die Aschenstedterin aufgrund der neuen Situation entwickelt hat. Wichtig seien genaue Absprachen, Strukturen und der Austausch. Letzterer sollte auch mit den Kollegen erfolgen, damit die Zusammenarbeit im Team nicht aufs Abstellgleis gerät und im heimischen Büro keine Einsamkeit aufkommt. „Denkbar wären virtuelle Meetings am Vormittag“, regt Glowienka an. Sie habe auch schon vom virtuellen Feierabendbier mit Austausch gehört.

Voraussetzung für ein gelungenes Homeoffice sei die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Dabei sei zwischen mobiler Arbeit, zum Beispiel mit dem Laptop mal im Garten, dann am Küchentisch und eventuell sogar im Café, und dem Homeoffice zu unterscheiden. „Letzteres fällt unter die Arbeitsstättenverordnung“, betont Glowienka. Das heißt, dass eigentlich der Arbeitgeber für eine angemessene Ausstattung zu sorgen hat. In vielen Wohnungen mangele es aber schon am Platz beziehungsweise an einem Raum für das heimische Büro.

Notlösungen, wie beispielsweise das Arbeiten mit dem Laptop vom Küchenstuhl aus, führten wiederum häufig zu Beschwerden – gerade im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich. Die Expertin rät, mit ausreichend Platz für Unterlagen, einem passenden Stuhl und guten Lichtverhältnissen vorzusorgen. So sollte der Monitor zum Beispiel so eingestellt sein, dass sich die oberste Zeile nicht über Augenhöhe befindet, Oberkörper und -schenkel sollten sich mindestens im 90-Grad-Winkel befinden und die Handgelenke zehn bis 15 Zentimeter Platz vor der Tastatur haben. Glowienka arbeitet derzeit an einer ganzen Liste.

Um Verspannungen oder gar Schmerzen vorzubeugen, setzt sie bei der Bildschirmarbeit auf folgende Aufteilung: 50 Prozent sitzen, 25 Prozent stehen, 25 Prozent bewegen. Letzteres sei auch auf dem Stuhl möglich. Hierfür hat sie das Entlastungs- und Ausgleichsprogramm „Work-Fit“ entwickelt. Es beinhaltet Übungen, die sich auch am Arbeitsplatz leicht ausführen lassen. Ideal sei laut Glowienka zudem ein höhenverstellbarer Tisch. Daneben empfiehlt sie, regelmäßig kleine Pausen einzulegen, ausreichend zu trinken und mittags nicht einfach unbedacht in den Kühlschrank zu greifen, sondern etwas – bestenfalls Gesundes – zu kochen. „Das kann man auch gemeinsam mit der Familie machen“, meint Glowienka. Unterbrechungen seien ebenso wichtig wie Bewegung.

Wer in der Firma arbeitet, hat meistens feste Strukturen. „Diese sollte man sich auch im Homeoffice schaffen und Arbeits- sowie Ruhezeiten festlegen“, rät Glowienka. Rituale könnten helfen, um nach Feierabend besser abzuschalten. „Das kann zum Beispiel ein Spaziergang sein, der dann gleich die benötigte Bewegung liefert“, so die Aschenstedterin. Entspannung sei ebenfalls wichtig. Zudem müsse kein Arbeitnehmer über den Feierabend hinaus erreichbar sein. Diese Regel werde aber gerade im Homeoffice häufig gebrochen. „Zuhause arbeiten viele deutlich mehr und länger, weil sie das Gefühl haben, ihr Chef denkt, sie tun nicht genug und sitzen in der Sonne“, weiß Glowienka aus unterschiedlichen Gesprächen. Dadurch baue sich eine psychische Belastung auf, die auf Dauer zum ernsthaften Problem werden und beispielsweise auch für Schlafstörungen sorgen könne. Glowienka bietet deshalb auch Seminare wie „Gesund im Homeoffice – Balance zwischen Arbeit und Privatleben“ an.

Weitere Informationen

finden Interessierte im Internet unter www.hochform-zentrum.de oder unter www.unternehmen-in-hochform.de.

Von Tanja Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Meistgelesene Artikel

„Ein bisschen spooky“ – Wie ein Ehepaar aus Harpstedt Corona am eigenen Leib erlebte

„Ein bisschen spooky“ – Wie ein Ehepaar aus Harpstedt Corona am eigenen Leib erlebte

„Ein bisschen spooky“ – Wie ein Ehepaar aus Harpstedt Corona am eigenen Leib erlebte
Bald keine Konzerte mehr in der Widukindhalle

Bald keine Konzerte mehr in der Widukindhalle

Bald keine Konzerte mehr in der Widukindhalle
Sechs neue Corona-Tote im Landkreis Oldenburg

Sechs neue Corona-Tote im Landkreis Oldenburg

Sechs neue Corona-Tote im Landkreis Oldenburg

Kommentare