Bulli Nummer fünf wartet schon 

„Fahrendes Zuhause“ hat Werkstatt in Ostrittrum eingerichtet

Eine Werkstatt für das „Fahrende Zuhause“: In Ostrittrum bauen fünf Jungunternehmer Transporter zu Campern aus. Foto: Fahrendes Zuhause
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Eine Werkstatt für das „Fahrende Zuhause“: In Ostrittrum bauen fünf Jungunternehmer Transporter zu Campern aus. Foto:

Ostrittrum - Der VW Bulli ist für viele mehr als ein Fortbewegungsmittel. Er ist Kult und steht für ein besonderes Lebensgefühl – für abenteuerliches Reisen, ein Stück Freiheit und den individuellen Selbstausbau. VW Transporter in gemütliche Domizile zu verwandeln, haben sich auch die Jungs von „Fahrendes Zuhause“ auf die Fahnen geschrieben. 2016 richteten sie ihren ersten Bulli, einen VW T4, nach ihren eigenen Wünschen ein und reisten mit ihm durch Ost- und Südeuropa.

Der Camper sprach sich im Freundeskreis schnell herum. Es folgten Leihanfragen, der Ausbau eines weiteren Transporters und schließlich die Gründung von „Fahrendes Zuhause“. Mittlerweile werkeln die jungen Unternehmer im Alter von 23 bis 25 Jahren in einer Ostrittrumer Scheune an Bulli Nummer fünf und haben eine Camper-Vermietung an zwei Standorten aufgebaut.

„Angefangen haben wir damals völlig planlos“, erinnern sich Magnus Hoffrage und Leonard Ens. Gemeinsam mit Merlin Brucker genossen sie nach dem Abitur einen Surfurlaub in Marokko, an dessen Ende sie beschlossen: Ein Bus muss her. Es sollte ein Gefährt mit Seele und Charme sein, das sich nach den eigenen Bedürfnissen gestalten lässt. Wieder in Deutschland fanden sie den VW T4. „Er war technisch einwandfrei, hatte TÜV“, sagt Ens. Der Ausbau sei eine Herausforderung gewesen. „Wir hatten viele Fragen und wenig Antworten“, erzählt Hoffrage. Dank unzähliger Youtube-Videos, handwerklichem Geschick und arbeitsreichen Nächten entstand aber innerhalb von nur sechs Wochen das fahrende Zuhause.

Praktische Lösungen für engen Raum

„Wir haben damals viel ausprobiert, manches verworfen und wieder von vorne begonnen“, berichten sie. Wichtig seien ihnen Sitz- und Schlafplätze für drei Personen, ein Kühlschrank sowie eine elektrisch autarke Versorgung gewesen. Letztere sichern eine Zweitbatterie sowie eine Solaranlage. Ein Dachfenster war ebenso gewünscht wie eine kleine Küche. „Da eine verbaute Gasanlage eine extra Abnahme erfordert hätte, nahmen wir Campingkocher“, so Ens. Diese sind wie Spüle und Stauraum im Heck „versteckt“ und lassen sich herausziehen. Ohnehin galt es, viele praktische Lösungen zu finden, damit das Trio auf engstem Raum für zwei Monate gut zusammenleben konnte. Für Wohlfühlatmosphäre sorgt das verbaute Material: Holz. „Es strahlt einfach Gemütlichkeit aus“, meinen Hoffrage und Ens.

Kaum war der Bulli fertig, ging es auf Reisen. „Wir haben das richtig ausgekostet“, verrät Hoffrage. Aus ökonomischer Sicht wäre ein Verkauf anschließend wohl am sinnvollsten gewesen. Doch das habe niemand aus der Gruppe übers Herz gebracht. Stattdessen verliehen sie den Camper an Freunde, Verwandte und Bekannte, die damit unter anderem Kroatien, Italien und Slowenien entdeckten. „Alle waren begeistert“, erinnern sich die Bullifans, die sich 2018 an den Ausbau des zweiten Transporters wagten.

Vermietung an zwei Standorten des „Fahrenden Zuhauses“

War der erste Camper noch im Allgäu entstanden, der Heimat der Jungunternehmer, wurde am zweiten Gefährt bereits in Ostrittrum gewerkelt. Denn für Studium und Ausbildung waren Ens, Hoffrage sowie Kumpel Anton Perl mittlerweile nach Bremen gezogen. „Die Werkstatt konnten wir zu einem Freundschaftspreis anmieten und einrichten“, erklärt Hoffrage. Zu Stichsäge und Akkuschrauber gesellte sich immer mehr Werkzeug. „Auch wenn wir da noch nicht wussten, wo das Ganze hinführt“, sagt Ens. Doch Bulli Nummer drei ließ nicht lange auf sich warten.

Die Erfahrungen aus dem Ausbau des ersten Transporters nutzten sie, um für die Nachfolgemodelle noch bessere Varianten zu finden und technische Unzulänglichkeiten zu beheben. So ist inzwischen beispielsweise ein Sicherungskasten Standard. Bulli Nummer eins wurde entsprechend komplett überholt. „Die Fehler von damals, zum Beispiel, dass das Bett nicht einziehbar war, hatten uns so gestört, dass wir sie unbedingt beheben mussten“, erzählen sie. 2019 baute „Fahrendes Zuhause“ zwei Transporter aus. Derzeit läuft die Optimierung von Bulli Nummer zwei, der neben einem Elektro-Fresh-Up auch weitere Regale erhält. „Und Bulli Nummer fünf wartet auch schon“, ergänzt Ens. Zwar sehe kein Camper aus wie der andere, alle sollen aber über dasselbe Niveau und dieselbe Ausstattung verfügen, damit sich die Kunden in allen Gefährten gleichwohl fühlen.

Lifestyle wieder mehr in den Fokus rücken

Das fahrende Zuhause können sich die Mieter an zwei Standorten abholen – in Bremen sowie in München, wo neben Brucker noch Dietmar Fehrenbach zum Team gehört. Das habe den Vorteil, dass sowohl Nordeuropa als auch die südlichen Länder schnell zu erreichen sind und die Kunden nicht erst mit dem Bulli quer durch Deutschland müssen. Beschwerden über die Ausstattung seien bei den Jungunternehmern übrigens noch nicht eingegangen – im Gegenteil. Und auch Pannen oder Unfälle habe es zum Glück noch nicht gegeben. „Obwohl wir mit Pannenschutz und Vollkasko auch darauf vorbereitet wären“, versichert Hoffrage.

Auch wenn es gut läuft: Von dem reinen Vermietungsgeschäft möchte das Quintett weg. „Wir wollen mehr den Lifestyle, das Lebensgefühl, in den Vordergrund rücken“, verrät Ens. Deshalb arbeite das Team an Ideen für eigene Produkte. Denkbar wären ein E-Book für den Do-it-yourself-Ausbau oder auch die Entwicklung modularer Bauteile. „Aber das ist Zukunftsmusik“, betonen Ens und Hoffrage. Für sie steht fest: „Wir lassen es auf uns zukommen. Wenn es uns keinen Spaß mehr macht, hören wir auf.“

Weitere Informationen

www.fahrendeszuhause.de

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