70 Jahre Bürger- und Heimatverein

„Und immer wieder Bänke aufgestellt“

Vier Männer stehen in einem Garten
+
Aus den ersten Tagen des Vereins kann Gründungsmitglied Horst Wichmann (3.v.l.) dem aktuellen Vorsitzenden Eckehard Hautau (2.v.l.) sowie Walter Ulrich (l.) und Jens Bührmann noch einiges berichten.

Dorfverschönerung – was etwas altbacken klingt, hat in Dötlingen eine lange und lebendige Tradition. 1902 gründete sich der erste Verein, der sich dieser Aufgabe annahm. Nun feiert sein Nachfolger, der Bürger- und Heimatverein, sein 70-jähriges Bestehen.

Dötlingen – „Und immer wieder mussten Bänke aufgestellt werden. Wie viele eigentlich in all den Jahren?“ Diese Frage stellte Horst Wichmann, Gründungsmitglied des Dötlinger Bürger- und Heimatvereins, 1991. Damals beging der Verein sein 40-jähriges Bestehen. In diesem Monat sind es schon 70 Jahre, auf die die Aktiven zurückblicken können. Eine Feier gebe es aufgrund der Corona-Pandemie jedoch leider nicht, bedauert Vorsitzender Eckehard Hautau.

Der März ist der Monat, in dem nicht nur der heute bestehende Bürger- und Heimatverein, sondern auch dessen Vorläufer, der Dötlinger Verschönerungsverein, gegründet wurde. Das und weitere Details zur Geschichte gehen aus einem Festvortrag hervor, den Horst Wichmann, Gründungsmitglied, am 6. März 1991 hielt.

„Wir müssen uns zurückversetzen in eine Zeit, in der ein Inserat in der Wildeshauser Zeitung eine Mark kostete, ein Rotdorn 75 Pfennig, und Tischlermeister Diedrich Engelbart an Stundenlohn 2,75 Mark berechnete“, heißt es in Wichmanns Aufzeichnungen mit Blick auf das Jahr 1902. Mitte März hatten die Wildeshauser zu einer Vereinsgründung auch die Bürger der Nachbargemeinde eingeladen. Die Dötlinger jedoch entschieden auf Anraten ihres Pastors Ludwig Müller, einen eigenen Dorfverschönerungsverein ins Leben zu rufen.

In Protokollbüchern hielt Schriftführer Horst Wichmann die ersten Jahre des Vereins handschriftlich fest.

Von den 29 Gründungsmitgliedern – ausschließlich Männer –, die am 23. März 1902 zusammenkamen, lebten fast alle in Dötlingen. Vom Kunstmaler über den Ökonomierat bis zum Schuhmacher waren zahlreiche Professionen vertreten. Eines der erklärten Ziele der Organisation war es, „auf Herstellung einer möglichst kurzen bequemen Verbindung zwischen den Orten Dötlingen und Wildeshausen hinzuwirken“. Außerdem sollte auf die Erhaltung bestehender Anlagen, Anpflanzungen, Bänke und ähnliches geachtet werden.

Aber vor allem die Wege waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als „die Ausflügler in wahren Strömen an den Wochenenden zu Fuß vom Bahnhof unserem Ort zustrebten“, wie Wichmann in den Zeitungen nachgelesen hat, eine wichtige Aufgabe. Wanderwege, Hinweistafeln, Ruhebänke und Rastplätze anzulegen und zu pflegen machte den Hauptteil der Arbeit der Vereinsmitglieder aus. Was allerdings im Sande verlief, war die bereits zu Gründungszeiten geplante Fußgängerbrücke über die Hunte, die Wildeshausen und Dötlingen besser verbinden sollte.

Kriege unterbrachen die Vereinsaktivitäten

Wegen des beginnenden Ersten Weltkriegs löste sich der Verein 1914 auf. Ab 1933 kümmerten sich Wichmanns Aufzeichnungen zufolge zunächst die nationalsozialistischen Verbände und die Partei um die Verschönerung des Dorfs. Im November 1937 entstand dann der „Heimat- und Gartenbauverein“, der bereits im Folgejahr zahlreiche Mitglieder gehabt haben soll. Mit Kriegsausbruch 1939 endeten dessen Aktivitäten.

Die Entstehung des heute noch lebendigen Vereins datiert auf den 12. März 1951. „Ziel des neugegründeten Heimatvereins ist es, die Heimat in ihrer ursprünglichen Art zu erhalten und zu pflegen. Diese Pflege soll sich nicht allein auf die Landschaft erstrecken, sondern auf alles, was den Einwohnern lieb und wert ist“, heißt es damals in der Zeitung. Erster Vorsitzender war Johann Kläner, Wichmann fungierte als Schriftführer. 36 Personen seien zusammengekommen, um den bereits seit 1950 aktiven „Fremdenverkehrsverein“ mit zwölf Mitgliedern auf ein breiteres Fundament zu stellen und ihm einen neuen Namen zu geben.

Seit Oktober 1951 besteht die Tradition eines gemeinsamen Erntedankfests mit Feldfahrt im Dorf. Bis zu 36 Wagen seien früher dabei gewesen, erinnert sich Walter Ulrich, Schatzmeister des Vereins. Heute sei das anders, merkt Vorsitzender Hautau an: „Wenn wir 15 haben, sind wir schon happy.“ Auch für andere gesellige Gelegenheiten wie das Maibaumsetzen und das Osterfeuer ist der Verein zuständig. Besondere Veranstaltungen seien die Schnitterfeste in den 80er-Jahren gewesen. Vorführungen rund um die Verarbeitung des Getreides, vom Schnitt bis zum Mahlen, Musik und Tanz hätten dazugehört, erzählt Ulrich.

2010 wurde Dötlingen zum Golddorf

Aber auch die mehr als 100 Jahre alte Tradition der Dorfverschönerung bewahrt der Bürger- und Heimatverein. Heraus stechen dabei die Erfolge in Wettbewerben, zum Beispiel die Auszeichnung als Golddorf im bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2010. Bereits zuvor hatten die Dötlinger ihren Ort für die Teilnahme bei „Unser Dorf soll schöner werden“ herausgeputzt.

Zuletzt versuchten sie 2012 beim Europa-Wettbewerb „Entente Florale“ ihr Glück und landete auf Platz zwei. „Danach war eine Schmerzgrenze erreicht“, sagt Jens Bührmann, stellvertretender Vorsitzender. Auch Wichmann erinnert sich: „Das war immer anstrengend für das Dorf und den Verein.“ Neue Wettbewerbspläne gebe es nicht.

Für Gegenwart und Zukunft wünscht sich der mittlerweile auf 216 Mitglieder gewachsene Verein neue Aktive und Ideen. Die Pflege von Püttenhus und Dorfgarten, Veranstaltungsorganisation, kleinere Aktionen wie Müll sammeln oder Angebote wie „Dötlinger entdecken Dötlingen“ gehören aber weiterhin zu den Tätigkeiten des Vereins, die das Dorf lebenswert und schön erhalten sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Meistgelesene Artikel

Maskenverweigerer pöbelt und schlägt zu

Maskenverweigerer pöbelt und schlägt zu

Maskenverweigerer pöbelt und schlägt zu
Corona: 53 neue Infektionen im Landkreis Oldenburg

Corona: 53 neue Infektionen im Landkreis Oldenburg

Corona: 53 neue Infektionen im Landkreis Oldenburg
Inzidenzwert liegt nur noch knapp über 100

Inzidenzwert liegt nur noch knapp über 100

Inzidenzwert liegt nur noch knapp über 100

Kommentare