Ultraleicht-Amphibien-Flugzeughat Verkehrszulassung

Der Flywhale geht in die Serienfertigung

Das Flywhale-Team mit Ralph Melle, Elke und Helmut Rind, Marc Drews, Jan Kaminski und Sau Yee von Döllen (v.l.). Auf dem Bild fehlen Robert Finkbeiner und Holger Endres. - Foto: Schneider

Brettorf - Von Tanja Schneider. Beim Unternehmen Flywhale Aircraft gibt es Grund zum Feiern. Das selbst entwickelte Ultraleicht-Amphibien-Flugzeug hat die deutsche Verkehrszulassung erhalten. „Nun können wir endlich mit der Serienproduktion starten“, teilt Firmengründer Helmut Rind mit. Zehn Jahre harte Arbeit, viel Schweiß und auch ein paar Tränen stecken in dem Projekt, das in einer Neerstedter Garage seinen Lauf nahm. Vor etwa fünf Jahren zog das Unternehmen in das Brettorfer Gewerbegebiet.

In der Halle des hellblauen Gebäudes warten derzeit zwei Flugzeuge auf die Endmontage. Sie sind in die Schweiz und nach Saudi-Arabien verkauft. Ralph Melle, beim Unternehmen zuständig für die Arbeitsvorbereitung, hebt den Kopf aus einem der Cockpits und grüßt, ehe er sich wieder an die Innenausstattung macht. „Er ist einer von mittlerweile sieben Mitarbeitern“, freut sich Rind über die Fortschritte der Firma. Neben seiner Frau Elke und Melle sind noch ein Entwicklungsingenieur, ein technischer Berater, zwei Fluggerätmechaniker sowie eine Bürokraft mit an Bord.

Das erste Modell hatte der Neerstedter, der selbst passionierter Ultraleichtpilot ist, nach eigenem Entwurf noch zusammen mit seinem Sohn gebaut. Anschließend ging es an die Entwicklung des ersten Prototyps. Wenig später folgte der zweite, der nun in der Halle steht und mit dem viele der erforderlichen Tests absolviert wurden. „Nummer drei ist schon bei einer Flugschule in Brandenburg im Einsatz“, berichtet Rind. Dort, an der Lausitzer Seenplatte, hat der Flywhale, der sowohl an Land als auch auf dem Wasser starten und landen kann, bereits viele Flugstunden absolviert.

Einen Wasserlandeplatz hat sich das Unternehmen aber auch in der Region, am Lankenauer Höft in Bremen, gesichert – um potenziellen Kunden nicht nur die Fertigung zu zeigen, sondern auch das Flugzeug in Aktion. Die Interessenten kommen laut Rind aus der ganzen Welt. Anfragen gebe es aus der Südsee, der Karibik, aber auch aus dem russischen Omsk. „Jetzt, wo die Zulassung da ist, steigt die Nachfrage“, ergänzt Rind und erinnert sich an den weiten Weg bis zu diesem „Meilenstein“. „Das war wirklich schwer“, sagt er. Für das Projekt waren jede Menge Zeit, Geduld und harte Arbeit notwendig. Zudem kostet so ein Vorhaben viel Geld. „Finanzielle Unterstützung haben wir zum Glück von der Initiative ,Niedersachsen Aviation‘ erhalten“, informiert der Neerstedter. So konnte das Unternehmen von Innovationsfördermitteln der EU profitieren. Die Landesinitiative hatte die Flywhale Aircraft GmbH zudem für den Gründerpreis „Durchstarter“ des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums vorgeschlagen, wo der Betrieb 2013 den dritten Platz belegte. „Im vergangenen Jahr haben wir dann den wichtigsten Preis gewonnen, den es in der Fliegerszene gibt“, zeigt Rind stolz auf eine Trophäe, die das Büro ziert. Das „Flieger Magazin“ hatte den Flywhale zum Newcomer des Jahres gekürt.

Für die Verkehrszulassung, die sich Rind und sein Team schon für Ende vergangenen Jahres erhofft hatten, mussten diverse Anforderungen, unter anderem 50 Flugstunden sowie 100 Starts und Landungen, erfüllt werden. „Und wir konnten natürlich nicht einfach drauf los konstruieren“, sagt Rind. Bauvorschriften mussten eingehalten werden. Im Zuge der Flugerprobung waren immer wieder Nachbesserungen erforderlich, um die Vorgaben mit den eigenen Zielen in Einklang zu bringen.

Herausgekommen ist ein sieben Meter langer Flieger aus einem leichten Faserverbund mit einer Spannweite von 9,17 Metern und einem Leergewicht von 342 Kilogramm. Das maximale Abfluggewicht beträgt 517,5 Kilogramm. Das Triebwerk ist ein Rotax 912iS Sport mit 100 PS, das eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer pro Stunde ermöglicht. Der Kraftstoffverbrauch liegt bei 14 Liter pro Stunde. Der Flywhale verfügt ferner über ein einziehbares Fahrwerk. „Der untere Teil des Flugzeuges ist dann wie ein Boot“, erläutert Rind, der sich viel mit der Aero-, aber auch der Hydrodynamik befasst hat.

Neben der Leistung sind den Kunden auch technische Raffinessen bei der Innenausstattung wichtig. „Einige wünschen das Komplettpaket“, weiß Rind, der neben der Serienfertigung schon an einem weiterführenden Projekt arbeitet – einem Elektro-Flywhale. Für diesen soll der Verbrennungs- durch einen Elektromotor ersetzt werden. „Das ist die zukunftsorientierte Version“, so der Neerstedter.

Weitere Informationen über das Unternehmen gibt es auf der Facebook-Seite sowie der Homepage.

www.flywhale.de

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