Brett- und Kartenspiele bringen Senioren zusammen/„Nachwuchs daddelt lieber am PC oder Handy“

Gemeinsam macht‘s mehr Spaß

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Spielen macht Spaß – vor allem in der Gemeinschaft, meinen Gerda Schneider, Rolf Lange, Ewald Harms, Wiltrud Buchholz, Harald Schneider, Hermann und Thea Möhlmann sowie Ute Lange (v.l.).

Neerstedt - Von Anja Nosthoff. Ob Skat, Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly – Gesellschaftsspiele haben auch im digitalen Zeitalter ihre Fans. Viele verbinden mit Spieleabenden Gemütlichkeit, Geselligkeit und gemeinsames Lachen. Das ist in der Gemeinde Dötlingen nicht anders. Seit November bietet der Verein „Wi helpt di“ Spielenachmittage im Neerstedter Gemeindezentrum an. Diese richten sich zwar an die ältere Generation. Die Senioren wollen ihre Begeisterung aber an ihre Kinder und Enkel weitergeben. „Denn gemeinsam zu spielen, ist einfach schöner“, meinen sie.

„Es ist schade, dass der Fernseher das abendliche Spielen mit der Familie oder mit Freunden verdrängt hat“, erzählt Gerda Schneider. „Früher haben wir so viel gespielt – vor allem in den dunklen Wintermonaten.“ Heutzutage seien viele Menschen lieber für sich und spielten vermehrt auch alleine, gerade am Computer oder mit dem Handy. Darunter leide die Geselligkeit.

Ute Lange kann dem nur beipflichten. Sie gehört zu den Ideengebern für die „Wi helpt di“-Spielenachmittage. „Als Rentner hat man einfach mehr Zeit zur Verfügung, die sollte man in Gesellschaft verbringen“, findet sie. Denn Einsamkeit sei mit das Schlimmste, was einem im Alter drohen könne. Lange war deshalb sofort begeistert, als sie nach ihrem Umzug nach Dötlingen von dem Projekt „Wi helpt di“ hörte. Im Verein ist sie als Beisitzerin aktiv. „Viele Menschen denken, dass sie ins Altenheim müssen, wenn sie ‚nicht mehr können‘. Aber durch nachbarschaftliche Hilfe kann schon ganz viel erreicht werden, um ein selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen“, ist Lange überzeugt. Neben praktischen Alltagshilfen trage auch Gesellschaft zur Lebensqualität im Alter bei. Dafür engagiere sie sich gerne, meint Lange, die die Spielenachmittage gemeinsam mit der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Wiltrud Buchholz organisiert.

„Wir treffen uns immer in gemütlicher Runde am Kaffeetisch“, berichtet Buchholz. Bei Tee, Plätzchen und Kuchen entstehen schnell anregende Gespräche – auch, wenn sich die meisten Teilnehmer bisher nur vom Sehen kannten. Lieblingsspiele, das Leben im Dorf und Angebote für Senioren – vom Sport bis hin zu Transportmöglichkeiten ins nahe gelegene Wildeshausen – gehören zu den Themen.

Lange überlegt sich vor jedem Treffen stets einige Spielvorschläge. Zudem bietet sie auch etwas Gymnastik oder Gedächtnistraining an, um Körper sowie die grauen Zellen auf Trab zu bringen. Eine große Auswahl an bekannten Brett- und Kartenspielen ist vorhanden, sodass die Senioren die Qual der Wahl haben. Allerdings hat auch fast jeder ein anderes Lieblingsspiel. Während bei den Männern Skat und Doppelkopf an erster Stelle stehen, bevorzugen die Frauen Rommé-Cup, Canasta, Halma oder Dame. An „Mensch ärgere dich nicht“ hat dagegen jeder seinen Spaß. „Da haben wir beim letzten Mal ordentlich zusammen gelacht“, erinnert sich Buchholz. Wer alleine an PC, Konsole oder Handy spielt, könne seine Freude und Erfolgserlebnisse hingegen nicht mit anderen teilen. Und da die Senioren dies äußerst schade finden, versuchen sie auch innerhalb ihrer Familien, zumindest ab und zu mal das Brettspiel hervorzuholen. „Die Jüngeren sind noch leicht zu begeistern, aber sobald sie ein Handy bekommen, wird so etwas schnell als langweilig abgetan“, weiß Buchholz. Früher sei es einfacher gewesen, Kinder und Jugendliche für das gemeinsame Spielen zu gewinnen. Da habe es nicht so viel Auswahl gegeben. „Heute haben schon die Kleinsten sprechende Bücher“, sagt sie. Das sei auch alles in Ordnung, so lange die gemeinsame Beschäftigung nicht zu kurz kommt.

Dies braucht im Neerstedter Gemeindezentrum niemand zu befürchten. Nach kurzer Absprache fällt die Entscheidung für die ersten Spiele. Die Männer greifen wieder zu Mensch ärgere dich nicht, bei den Frauen kommen die Rommé-Karten auf den Tisch.

Mitspieler sind übrigens immer willkommen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht erforderlich. Die Spielenachmittagen sind an jedem zweiten Sonntag im Monat ab 15.30 Uhr am Schulweg 1b in Neerstedt. Das nächste Treffen ist am 10. Januar.

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