Bremer Kaffeehaus-Orchester bietet auf Gut Altona musikalischen Querschnitt von Pop bis Klassik

Lustige Anekdoten und meisterhaftes Spiel

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Das Bremer Kaffeehaus-Orchester begeisterte das Publikum im Hotel „Gut Altona“.

Altona - Rock, Soul, Swing und Klassik – nichts scheint unmöglich, wenn die fünf Musiker des Bremer Kaffeehaus-Orchesters zu ihren Instrumenten greifen. Sowohl mit den äußerst unterschiedlichen Musikstilen der vergangenen 75 Jahre als auch mit den Klassikern aus dreieinhalb Jahrhunderten setzt sich das Ensemble auseinander und kreiert so seine „Kaffeehaus-Musik des 21. Jahrhunderts“. Damit begeisterte es am Freitagabend beim traditionellen Neujahrskonzert im Hotel „Gut Altona“ das Publikum, das ebenso bunt gemischt war wie das Repertoire – generationen- und musikstilübergreifend.

Selten folgt wohl bei einem Konzert auf das Straußsche „An der schönen blauen Donau“ „Penny Lane“ von den Beatles und „Kiss from a Rose“ von Seal. Die Stücke erklangen im altbekannten und doch neuen Sound, den das Ensemble mit meisterhaftem Spiel auf seinen klassischen Instrumenten erzeugte. Constantin Dorsch an der Violine, Klaus Fischer an Flöten, Klarinetten und Saxofon, Johannes Grundhoff am Klavier, Anselm Hauke am Kontrabass und Gero John am Cello – das ist seit mehr als 25 Jahren die Besetzung.

Wenn man sich so lange kennt, dann wisse man einiges voneinander, das man nicht weitererzählen sollte, vertraute Fischer während seiner augenzwinkernden Moderation dem Publikum an. Zum Beispiel hinsichtlich der Gewohnheiten in Sachen Pünktlichkeit. Mit unpünktlichen Musikern hätte man jedoch in allen Jahrhunderten zu kämpfen gehabt. Johann Pachelbels „Canon“ passe deshalb perfekt zum Ensemble, denn der Komponist habe 1706 einfach die gleiche „wunderbar verzwirbelte, verästelte Melodie“ mehrfach übereinandergelegt, sodass seine unpünktlichen Musiker auch zeitversetzt üben konnten. Ähnlich spitzbübische Anekdoten fand Fischer zu jedem Stück.

So ließ er vor dem inneren Auge der Konzertgäste den 14-jährigen Giuseppe Verdi entstehen, der nach dem Gymnastik-Unterricht in der Knabenschule nicht folgsam zur Mathematik-Stunde ging, sondern die Zeit lieber mit der „kurvenreichen“ Gymnastiklehrerin im Geräteraum verbrachte. „Ein Erlebnis, das ihn wohl nie wieder losließ und zu dessen Ehren er in einer späteren berühmten Komposition einfach eine Arie ohne Zusammenhang dazwischen haute“, meinte Fischer und gab damit den Einsatz zu „La Donna è mobile“ (Die Dame ist beweglich).

Auch Ritchie Blackmore von der Rockband „Deep Purple“ musste für Fischers Moderation herhalten. „Die Eigenschaft, über das Wasser laufen zu können, ist nun mal nicht jedem gegeben“, so Fischer und malte wortreich das Bild des Altgitarristen während einer Tournee auf einem Bootssteg vorm hoteleigenen See. „Souverän, gelangweilt, ja göttergleich stand er da, mit einer Zigarette in der Hand – und trat einen Schritt zurück. Das war der Moment, in dem seine Bandkollegen nur noch ein sich kringelndes Rauchwölkchen über der Wasseroberfläche sahen – denn dort, wo er hingetreten war, gab es keinen Bootssteg mehr“, behauptete Fischer zu wissen. Und natürlich setzte das KaffeehausOrchester sogleich mit „Smoke on the Water“ dem Konzert die Krone auf.

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