Solarbranche kämpft mit EEG-Novelle und Verunsicherung der Verbraucher / „Umlage auf Eigenverbrauch absoluter Hohn“

Der Boom ist längst Geschichte

Die Grafik des Bundesverbandes Solarwirtschaft veranschaulicht die Entwicklung im Photovoltaik-Sektor.
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Die Grafik des Bundesverbandes Solarwirtschaft veranschaulicht die Entwicklung im Photovoltaik-Sektor.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Gerd Bolling ist wütend und besorgt. Wütend auf die Politik, besorgt um sein Unternehmen „Alternative Energien“ in Neerstedt. Mit der EEG-Novelle, die zum 1. August in Kraft treten soll, werde der ohnehin schon schwächelnden Solarbranche weiterer Schaden zugefügt, ist er überzeugt.

Die geplante Umlage auf solaren Eigenverbrauch ist für ihn „absoluter Hohn“. „Die Verbraucher sind inzwischen so verunsichert, dass kaum vermittelbar ist, dass sich Photovoltaik dennoch lohnen kann“, meint er.

Laut Bolling werde die Branche derzeit „tot diskutiert“. Die ständige Reduzierung der Einspeisevergütung sowie immer neue Aussagen seitens der Politik sorgten dafür, dass die Verbraucher „einfach nicht mehr durchsteigen“ und die Finger von neuen Investitionen in Solarenergie ließen. „Vom einstigen Boom ist nichts mehr zu spüren“, so der Unternehmer. Dies bestätigt auch der Bundesverband Solarwirtschaft, der den schwächsten Photovoltaik-Zubau seit fünf Jahren vermeldet hat. Demnach wurden 2013 in Deutschland lediglich 124 000 neue Solarstromanlagen installiert – ein Einbruch von gut 56 Prozent gegenüber 2012.

Auch bei „Alternative Energien“ ist die Nachfrage rückläufig. „Dabei müssten eigentlich bis Ende Juli alle kommen, die noch die jetzigen Konditionen nutzen wollen“, sagt Bolling. „Fünf bis sechs Prozent Rendite sind durchaus möglich.“ Und schließlich ist nicht nur die Förderung, sondern auch der Anschaffungspreis für die Anlagen gesunken. Der Eigenverbrauch sei vor allem für Betreiber von Kleinstanlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatpeak (das klassische Eigenheim-Segment) noch eine interessante Option. Denn diese sollen nicht von der EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch, die sich auf rund drei Cent pro Kilowattstunde belaufen soll, betroffen sein. „Aber auch für größere Anlagen, beispielsweise im Gewerbebereich, lohnt es sich“, so Bolling. „Denn selbst wenn die Umlage gezahlt werden muss, ist es immer noch günstiger, als Strom aus dem Netz zu beziehen.“ Daneben gebe es mittlerweile auch schon wirtschaftliche Systeme, die die Solarenergie speichern.

Dennoch packt Bolling die Wut, wenn er an die geplante EEG-Umlage auf Eigenverbrauch denkt. „Während große Teile der Industrie von der Umlage befreit sind, sollen die Kleinen nun die Soße auslöffeln“, bemängelt er. „Dabei belastet jeder, der für sich selbst produziert, weder Markt noch Netz.“ Für Bolling ist die Novelle ein Rückschritt.

Das sieht Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, ähnlich: „Mit Klimaschutz hat dieses Gesetz kaum noch etwas zu tun. Klimasünder werden großzügig entlastet, Klimaschützer hingegen zur Kasse gebeten. Wer Klimaschutz bestraft, wird wenig später die Energiewende zu Grabe tragen.“

Auch Andreas Hauth, Geschäftsführer der „Dötlinger Fotovoltaik GbR“, sieht die Novelle kritisch. „Es war zu erwarten, dass die Förderung immer weiter nach unten gefahren wird. Aber so ein krasser Schnitt gefährdet die Unternehmen und Arbeitsplätze in der Branche.“

Keine Auswirkungen auf

Dötlinger Solardachbörse

Nicht bedroht ist hingegen die Photovoltaik-Börse der Dötlinger Bürger, die fünf Anlagen auf Dächern in der Gemeinde beinhaltet. „Mit der Inbetriebnahme Ende 2009 haben wir alles rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht, und die Verträge laufen über 20 Jahren“, teilt er mit. „Ein solches Projekt heute noch einmal anzugehen, würde sich allerdings nicht lohnen. Da wäre die Amortisationszeit zu lang.“ Schon für die fünfte Anlage auf dem Dach der Dötlinger Feuerwehr, die Ende 2011 als Nachzügler installiert worden war, muss die GbR eine geringere Einspeisevergütung hinnehmen. Trotzdem können sich die Beteiligten auch jetzt wieder auf eine gute Rendite freuen. „Wir können mehr ausschütten als erwartet“, berichtet Hauth von der gerade stattgefundenen Gesellschafterversammlung.

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