Bolling als Mut-Macher für Preis nominiert

Kämpfte sich zurück: Nach seinem Schlaganfall musste Gerd Bolling Vieles neu lernen. Doch er gab nicht auf.
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Kämpfte sich zurück: Nach seinem Schlaganfall musste Gerd Bolling Vieles neu lernen. Doch er gab nicht auf.

Nach einem schweren Schlaganfall im Urlaub hat Gerd Bolling aus dem kleinen Dötlinger Ortsteil Busch all seine Energie in die Therapie gesteckt – und will mit seiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen. Jetzt ist er für den „Motivationspreis 2020“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert.

Dötlingen – Wenn Gerd Bolling irgendwo mitmacht, bringt er mehr als 100 Prozent. Der temperamentvolle Dötlinger steht gerne im Mittelpunkt, vertreibt beruflich Fotovoltaik-Anlagen in seiner Firma im Neerstedter Gewerbegebiet. 2018 gönnte sich der 59-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Urlaub – nach einem routinemäßigen Gesundheitscheck ohne Auffälligkeiten.

Auf der portugiesischen Insel Madeira wachte er am nächsten Morgen allerdings extrem schwindlig, desorientiert und schweißgebadet auf. Der Weg ins Krankenhaus wurde zum Kampf um sein Leben. In der Klinik verbesserte sich die Situation rapide, eine Nacht zur Beobachtung sollte reichen. Doch am nächsten Tag lag er im Koma. Diagnose: Schlaganfall. Die Ärzte mussten in einer Not-OP seine Schädeldecke öffnen, um Druck vom Gehirn zu nehmen. Die Empfehlung der Mediziner an seine Frau Dörte: „Rechnen Sie mit dem Schlimmsten und hoffen sie das Beste.“

Dötlinger lag fünf Wochen im Koma

Es folgten schwierige Monate, doch Bolling gab nicht auf. Für sein Engagement und seinen Vorbild-Charakter ist er nun für den Motivationspreis 2020“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Mit dem Preis zeichnet die Stiftung alle zwei Jahre Menschen aus, die sich in besonderem Maße für das Thema engagieren und Mut-Macher für Betroffene sind. Die Entscheidung der fünfköpfigen Jury über die Preisträger stehe noch aus, die Verleihung sei für November geplant, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung.

Fünf Wochen lag Bolling im Koma. „Als ich aufwachte, konnte ich sprechen, und ich erkannte sofort meine Frau“, erinnert er sich an die ersten Eindrücke. In Deutschland stand die nächste OP an, dann ging es zur Früh-Rehabilitation nach Hamburg. „Als ich das erste Mal wieder in ein Brot beißen konnte, kamen mir die Tränen“, erzählt er. Seine rechte Körperhälfte war stark beeinträchtigt. „Mein Fuß fühlte sich an wie Beton“, so der Dötlinger. In der neurologischen Reha kämpfte er sich voran. Das Heimweh machte ihn zwischendurch seelisch krank.

„Manchmal kribbelt es in meinem Fuß“

Fast fünf Monate nach dem Schlaganfall auf Madeira kehrte Bolling wieder heim. „Was das alles für meine Familie bedeutete, wurde mir erst später klar“, sagt der Vater zweier erwachsener Kinder. Als „Lebensziele“ setzte er sich das familiäre Weihnachtsfest 2018 und seine Silberhochzeit am 30. August 2019. Für das Ehejubiläum absolvierte er sogar einen Tanzkurs.

„Manchmal kribbelt es in meinem Fuß“, beschreibt Gerd Bolling aktuelle Beschwerden. Ein paar Stunden am Tag sei er beruflich aktiv. Das Attribut „therapiemüde“ treffe seinen Zustand gut, aber seine Frau motiviere ihn zum Sport. Der Reiter-Fanfarenzug Höven wählte ihn für eine weitere Amtszeit als Präsident, seit drei Jahrzehnten lenkt er dort die Geschicke. Bolling liebt Gesellschaft, ist passionierter Reiter und leidenschaftlicher Jäger. Das alles ginge er aber gelassener und sensibler an als früher, heißt es in dem Bericht der Stiftung. Dörte Bolling habe beschlossen, sich die Ausnahme-Situation von der Seele zu schreiben. Mit einem Buch will sie Betroffenen Mut machen, niemals aufzugeben – so wie ihr Mann. Gerd Bolling ist sich sicher, dass seine Familie ihn stark gemacht hat.

Der Motivationspreis:

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe verleiht den Motivationspreis alle zwei Jahre an Menschen, die sich in besonderem Maße für das Thema engagieren. Denn um nach einem Schlaganfall ins Leben zurückzufinden, seien viel Motivation und Energie notwendig. Die Preisträger stehen stellvertretend für alle, die Betroffene auf ihrem Weg begleiten und Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Die Stiftung möchte dieses Engagement würdigen und die Motivatoren, Vorbilder und Helfer in den Fokus rücken. In diesem Jahr sind fast 40 Bewerbungen eingegangen, darunter befinden sich Schlaganfall-Betroffene, aber auch Ehrenamtliche und Fachleute. Eine Jury wählt die Gewinner aus, die Preisverleihung ist für November in Gütersloh geplant. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.motivationspreis.de sowie www.schlaganfall-hilfe.de. Das Service- und Beratungszentrum der Stiftung ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr unter Telefon 05241/9770-0 oder per E-Mail an info@schlaganfall-hilfe.de erreichbar.

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