„Blühstreifen sind nicht alles“

Mehr als nur ein Honigmacher: Hobbyimker Götz Neuber erzählt Wissenswertes über die Biene

Götz Neuber steht in seinem Garten.
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Zeigt, beschreibt und erklärt: Götz Neuber führt Interessierte gern durch seinen Garten.

Heute ist Weltbienentag. In einem Gespräch erklärt der Klattenhofer Hobbyimker Götz Neuber, wie er zur Imkerei kam, dass der Blühstreifen nicht die Lösung aller Insektenprobleme sei und was der Mensch alles von der Biene lernen kann.

Klattenhof – Es summt und brummt als Götz Neuber einen Deckel seines Bienenkastens öffnet. Der 83-jährige Klattenhofer Hobbyimker hat auf seinem ein Hektar großen Grundstück genügend Platz für sieben Bienenvölker. Sein Wohnhaus – eine ehemalige Schule – dient ihm dabei als Ort für Schulungen und Vorträge, denn sein Wissen über die haarigen Insekten gibt er gern weiter. Seit über 20 Jahren betreibt er „Bienen-PR“, und setzt sich für das Image des Insekts ein.

„Um an den Honig zu kommen, müssen wir die Bienen erst einmal einnebeln“, erklärt Neuber. Dafür wird ein kannenartiger „Smoker“ eingesetzt, aus dem Rauch kommt. „Die Bienen haben einen ausgefallenen Schutzmechanismus. Wenn eine Biene Rauch wahrnimmt, steckt sie ihren Kopf in den Honig. So hätte sie etwas Proviant dabei, falls sie fliehen müsste.“ So hätten die Bienen Besseres zu tun, als ihn zu stechen, ergänzt Neuber. Was für brennbares Material in den „Smoker“ käme, sei eine Glaubensfrage. „Bei mir sind es die Apfelrückstände vom Saftpressen und etwas klein gemachter Eierkarton.“ Pro Jahr würden pro Volk etwa 300 Kilogramm Nektar zu 150 Kilogramm Honig umgesetzt werden. Geerntet werde jedoch nur bis zu 30 Kilogramm pro Jahr, der Rest diene den Bienen selbst als Futter. Im Winter kämen noch 15 Kilo zuckerartige Substanzen als Futter zur Unterstützung der Bienen hinzu.

Mit dem „Smoker“ werden Imker weniger gestochen.

Nach dem Ernten des Honigs müsse dieser unbedingt gerührt werden. „Wenn man ihn nur rausnimmt und still stellt, dann fängt er an zu kristallisieren und wird hart.“ Das Rühren zerstöre die Kristalle. „Aber auch bei diesem Schritt hat jeder seine ganz eigene Methode“, erzählt der 83-Jährige.

Ob das Imkerhobby viel Zeit beanspruche? „Man kann viel tun und sich kaputtmachen. Man kann es aber auch lassen“, scherzt Neuber. Er lasse die Bienen gern in Ruhe. Dies sei auch für die Honigernte besser, denn: „Wenn die Bienen den Rauch aus dem Smoker wahrnehmen und Waben herausgenommen werden, brauchen sie etwa zwei Tage um sich neu zu sortieren.“ In dieser Zeit falle die Nektarernte mäßiger aus. Und wie ist er zur Imkerei gekommen? „Zur Silberhochzeit 1983 habe ich mein erstes Bienenvolk von meinen Nachbarn geschenkt bekommen“, erzählt Neuber. Diese hätten alle so schöne Obstgärten gehabt und er habe herumgescherzt, dass diese ja auch alle bestäubt werden müssten. Nach und nach seien dann weitere Völker dazugekommen.

„Blühstreifen sind nicht alles“

Gerade am Tag der Biene werde oft erzählt, dass sie keine gefährdete Art sei, so Neuber. Dies stimme jedoch nur bedingt. „Biozide, Schadorganismen, Nahrungs- und Habitatsmangel setzen den Bienen zu. Die Honigbiene wird ja von uns Imkern bewirtschaftet und gezüchtet.“ Dies bedeute jedoch nicht, dass die Art nicht gefährdet sei. Insbesondere Wildbienen hätten zu kämpfen, auch wenn es vermehrt Maßnahmen von Landwirten und Politik gebe. „Blühstreifen sind nicht alles“, sagt Neuber. Es sei gut, dass sich vermehrt für den Naturschutz eingesetzt werde, jedoch müsse auch darauf geachtet werden, dass bessere Nahrungsangebote geschaffen werden.“ So müssten Blühstreifen entstehen, bei denen alle fünf Wochen etwas anderes blühe. „Universaltrachtfließbänder mit Früh-, Mittel- und Spätblühern wäre für die Honig- und Wildbiene am besten geeignet.“ Letztere haben zudem nur eine Chance, zu überleben, wenn sich die Unterstützungsmaßnahmen lokal nicht verändert. „Wildbienen fliegen oft nur etwa 50 Meter von ihrem Bau weg. Findet sie in diesem Umkreis keine Nahrung, verhungern sie.“

Das Herzstück des Bienenkastens: die Wabe.

Die Biene ist ein vielseitiges Nutztier

„Die Biene hatte schon immer einen hohen Nutzwert für die Menschen“, sagt Neuber. In der Geschichte sei Bienenwachs beispielsweise dazu genutzt worden, um Kanonen zu gießen. Heutzutage werde das Wachs in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt. „Die Nasa klebt ihre Messsensoriken damit ins Innere von Raketenhohlkörpern, um bei Tests deren Vibrationsverhalten zu messen.“ Da hätten sich die Wissenschaftler etwas aus dem Bienenstock abgeschaut, so Neuber. „Im Inneren des Baus kommunizieren die Bienen über Schwingungen, die das Wachs leitet. Es ist also quasi dafür gemacht.“ Zudem sei die Beine Gegenstand vieler wissenschaftlicher Forschungen. „Erst kürzlich ist herausgefunden worden, dass Bienen wahrnehmen können, dass eine Blüte schon mal von einer Biene besucht wurde.“ Das läge an einer elektromagnetischen Auf- und Entladung der Biene auf der Blüte.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich Neuber ein umfangreiches Wissen angeeignet. Zu lernen gebe es jedoch noch eine Menge. „Jede Woche gibt es irgendwo auf der Welt eine neue wissenschaftliche Studie mit neuen Erkenntnissen, die etwas mit der Biene zu tun haben. Wir Menschen lernen immer weiter von dem Insekt.“

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