Serie „Unsere Feuerwehr“

Blick in den Kleiderschrank der Feuerwehr

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Gemeindezeugwart Christian Gottwald betreut die Kleiderkammer der drei Ortswehren in Brettorf und ist Mitglied in einer AG, die sich mit dem Thema Kontamination von Schutzausrüstung und Einsatzhygiene befasst. In diesem Rahmen spielt auch das Hygieneboard auf den Fahrzeugen eine wichtige Rolle. Es bietet Wasser, Seife, Desinfektionsmittel und Druckluft.

Brettorf - Von Tanja Schneider. In den Regalen stapeln sich die Hosen, an der Kleiderstange hängen deutlich mehr als 20 Jacken, und der Platz in der Ecke reicht für die Stiefel kaum mehr aus. Wer nun an einen klaren Fall von Ausmisten denkt, der irrt. Denn hier handelt es sich nicht um eine private Garderobe, sondern um die Kleiderkammer der drei Feuerwehren in der Kommune. Für den zehnten Teil der Feuerwehr-Serie öffnet Gemeindezeugwart Christian Gottwald den Raum, in dem Ausgehuniformen und Einsatzkleidung in verschiedenen Größen lagern – für die Ausstattung neuer Mitglieder, aber auch als Ersatz für kaputte oder gerade in der Reinigung befindliche Schutzkleidung.

Die Kammer befindet sich in einem länglichen Dachgeschosszimmer im Brettorfer Feuerwehrhaus und ist simpel eingerichtet – auf der einen Seite die Kleiderstange mit den Jacken, auf der anderen das Regal, in dem neben Hosen auch Handschuhe, Helme, Flammschutzhauben und ähnliches liegen. „Von Größe S bis XXL versuchen wir, alles in möglichst mehrfacher Ausführung vorzuhalten. Sondergrößen können wir bestellen“, sagt Gottwald. 

Vor anderthalb Jahren hat der Dötlinger das Amt des Gemeindezeugwartes übernommen – und damit die Aufgabe, die Einsatzkräfte mit funktionsfähiger Kleidung zu versorgen. Zudem gehört er einer Arbeitsgemeinschaft an, die sich mit dem Thema „Kontamination von Schutzausrüstung“ befasst.

Einmal jährlich steht eine Sichtprüfung an, bei der Gottwald Hosen und Co. unter die Lupe nimmt, beispielsweise die Membran kontrolliert und Panikverschlüsse testet. Über Letztere verfügen die Jacken, die die Brandschützer beim Innenangriff tragen. „Wir tauschen sie gerade nach und nach aus. Als erste sind die Atemschutzgeräteträger an der Reihe“, berichtet Gottwald. 

Hosen und Jacken haben bei der Feuerwehr vier Lagen

Viele von ihnen haben schon die neuen, vierlagigen Hosen und Jacken – also eine isolierende Luftpolsterschicht mehr, die vor Hitze schützt. Sie sind zwar flammhemmend, aber nicht feuerfest. „Deshalb lässt sich der Reißverschluss im Notfall schnell aufreißen“, sagt Gottwald und demonstriert es.

Die funktionalen, mit vielen Taschen versehenen Einsatzjacken und -hosen gehören ebenso zur Ausstattung der Feuerwehrleute wie Lederstiefel mit Stahlkappen, zwei Paar Schutzhandschuhe (eines für Brandeinsätze, eines für technische Hilfeleistungen), der Helm, eine dünnere Einsatzjacke sowie die Ausgehuniform, die bei offiziellen Anlässen getragen wird. „Rechnet man alles zusammen, kostet die Erstausstattung um die 1 200 Euro“, weiß Gottwald. Da wundert es kaum, dass neue Mitglieder nicht gleich am ersten Tag eingekleidet werden.

Regelmäßig stehen auch Ersatzbeschaffungen an – wenn Kleidungsstücke verschlissen oder zu verdreckt sind. „Ab und an wächst mal jemand aus seiner Hose oder Jacke heraus“, verrät er. Der Gemeindezeugwart versorgt die Feuerwehrleute zudem mit Wechselkleidung, wenn die eigene nach einem Einsatz verdreckt oder kontaminiert ist und in die Reinigung muss. „Zehn bis zwölf Sätze haben wir. Dann ist die Kapazitätsgrenze erreicht“, informiert er. 

Bevor neue Sachen gekauft werden, wird getestet

Die Aufstockung der Kleiderkammer gehöre zu den mittelfristigen Zielen. Die Gemeinde Dötlingen hatte deshalb schon in diesem Jahr Haushaltsmittel bereitgestellt. Den Etat hat Gottwald auch im Blick, wenn er Ersatz beschafft oder Modell- beziehungsweise Herstellerwechsel zur Debatte stehen. Da neben dem Preis immer die Sicherheit und Funktionalität eine Rolle spielten, werde alles Neue zuvor getestet. „Gerade probieren wir Handschuhe aus, die ein besseres Gefühl in den Fingern versprechen“, erzählt er.

Nicht immer muss beschädigte Kleidung sofort ausgetauscht werden. „Manches lässt sich gut beheben“, so Gottwald. Selber Hand anlegen und beispielsweise einen Knopf annähen, dürfen die Feuerwehrleute aber ebenso wenig wie die Einsatzkleidung selbst waschen. „Die Reparaturen übernimmt wegen der speziellen flammhemmenden Materialien der Hersteller“, erklärt Gottwald. 

Die Feuerwehrleute sollen aber durchaus ein Auge auf ihre Einsatzkleidung haben und Mängel ihren Zeugwarten melden. In Brettorf ist es Andreas Reese, in Dötlingen Maik Cording und in Neerstedt Niels Neunaber, der von Christian Rathkamp unterstützt wird. Sie sind die Ansprechpartner vor Ort und halten dann Rücksprache mit Gottwald.

Ein großes Thema ist die Einsatzhygiene – und das nicht erst seit der Asbest-Kontamination während eines Brandes im vergangenen Jahr. „Normalerweise müssten wir in solchen Fällen noch am Einsatzort unsere kontaminierte Kleidung ausziehen. Wir können ja aber schlecht halbnackt herumlaufen“, verdeutlicht Gottwald. 

Problematisch seien in diesem Zusammenhang auch private T-Shirts oder ähnliches unter der Einsatzkleidung. Innerhalb der AG werde derzeit nach Lösungen gesucht, beispielsweise Wechselkleidung auf den Fahrzeugen. Zudem erhalten die Feuerwehren demnächst dank eines Zuschusses der Fördervereine Shirts und Pullover.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. 

Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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