Partei informiert sich bei Gartenbaubranche 

FDP on Tour: Bildung, Bürokratie und Bakterium

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Jens Schachtschneider (Mitte) führte die Liberalen zusammen mit dem Präsidenten des Gartenbauverbandes, Henning Sannemann (Dritter v.l.), durch seinen Betrieb und gab den Politikern noch Anregungen mit auf den Weg. 

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Der Fachkräftemangel, die hohe Bürokratisierung und ein aggressives Bakterium bereiten der Gartenbaubranche derzeit Sorgen. „Die Politik muss handeln. Wir benötigen Lösungen“, sagten Jens Schachtschneider von der gleichnamigen Staudengärtnerei sowie Henning Sannemann, Präsident des Gartenbauverbandes, während eines Besuches der Liberalen in dem Neerstedter Unternehmen.

Maike und Jens Schachtschneider führten die FDP-Vertreter aus der Gemeinde Dötlingen und dem Landkreis Oldenburg, die am Freitag gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten und Bundestagskandidaten Christian Dürr vor Ort waren, über das Gelände, erläuterten Abläufe wie das Topfen und versorgten die Besucher mit Hintergrundinfos. Dass der Betrieb, der demnächst seit 30 Jahren besteht und einen weiteren Standort in Uhlhorn hat, Fachhändler im Nordwesten mit rund 1 800 verschiedenen Staudenarten versorgt, war auch vielen der hiesigen Ratsmitglieder neu. „Die Vielfalt ist unser Alleinstellungsmerkmal im Großhandel“, erläuterte Jens Schachtschneider.

Gut zwei Millionen Pflanzen verlassen den Betrieb pro Saison. 95 Prozent bleiben in Deutschland, wo etwa 500 Gartencenter und Landschaftsgärtner regelmäßig beliefert werden. Ein kleiner Teil geht beispielsweise nach Norwegen, wohin in der vergangenen Woche eine Betriebsexkursion führte. „Man muss seine Mitarbeiter ja auch bei Laune halten“, nannte Schachtschneider einen der Gründe und sprach damit direkt den Fachkräftemangel an. Er kritisierte, dass gute Bildung heutzutage mit Abitur und Studium gleichgesetzt und damit theoretisches Wissen über praktische Fachkompetenz gestellt werde. Dies sei für viele Berufe eine „fatale Fehlentwicklung“. Der Neerstedter Betrieb hat eine Stammbelegschaft von 40 Mitarbeitern, darunter viele Teilzeitbeschäftigte. „Wir haben zudem eine hohe Frauenquote, besonders in der Führungsriege“, so Schachtschneider. Gute Erfahrungen hat er mit der Beschäftigung von Geflüchteten gemacht. Derzeit arbeiten vier in Neerstedt, zwei in der zweiten Saison. „Ich bin sehr zufrieden.“

Lob für den Mindestlohn

Lob gab es zudem für den Mindestlohn, der für mehr Fairness sorge, für das konstruktive Zusammenwirken mit der Kommune und dem Landkreis sowie das insgesamt recht ausgewogene Arbeitsrecht. „Allerdings“, schränkte Schachtschneider ein, „stellt uns die tägliche maximale Beschäftigungsdauer von zehn Stunden, die zwar grundsätzlich ausreicht, an manchen Tagen und Wochen in der Saison vor Probleme.“ Mit einer Flexibilisierung für einen festgelegten Zeitraum wäre allen Saisonbranchen geholfen. Mit dem Anliegen stieß er bei der FDP auf Verständnis.

Auch die Kritik an der hohen Bürokratie nahmen die Liberalen auf. Als „kleinunternehmerfeindlich“ bezeichnete Schachtschneider, dass die Krankenkassenbeiträge drei Werktage vor Monatsende überwiesen sein müssen. Die letzten Tage im Monat werden geschätzt und nachkorrigiert. „Ein bürokratischer Horroraufwand.“

Im Fokus standen zudem existenzgefährdende Pflanzenkrankheiten, die durch den weltweiten Warenaustausch sowie den Klimawandel nach Deutschland kommen. Besondere Furcht herrsche vor dem Bakterium Xylella fastidiosa, das in Süditalien weit verbreitet ist, vor einem Jahr aber auch in Sachsen auftauchte. „Sobald die Krankheit eine Gärtnerei erreicht, ist diese ruiniert“, verdeutlichte Schachtschneider. Sämtliche Pflanzen müssten dann vernichtet werden. Ein Jahr lang sei kein Anbau möglich. Betroffen seien zudem die umliegenden Betriebe. „Versicherungen dafür gibt es nicht. Bezahlbare sind aufgrund der Unkalkulierbarkeit kaum denkbar“, sagte er. Die gesamte Branche sei aufgeschreckt. Sie benötige mit der Politik zu entwickelnde und finanzierende Systeme. „Am besten EU-weit“, sagte Sannemann. Zumindest müssten sich aber die Landes- sowie die Bundespolitiker dringend Gedanken machen.

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