Bewährungsstrafe für Aschenstedter

Kumpel mit Messer bedroht und verletzt

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen/Aschenstedt - Von Tanja Schneider. Bewährung oder nicht? Das war gestern die entscheidende Frage im Prozess gegen einen 29-jährigen Aschenstedter, der sich vor dem Amtsgericht in Wildeshausen wegen Bedrohung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie Widerstandes gegen Amtsträger verantworten musste. Nach zweieinhalb Stunden Beweisaufnahme, Zeugenvernehmung und den Ausführungen eines psychiatrischen Gutachters konnte der Angeklagte aufatmen. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, die für einen Zeitraum von vier Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er ein Jahr lang regelmäßige Termine bei der Drogenberatung wahrnehmen.

Die Richterin machte keinen Hehl daraus, dass sie die Bewährung nur unter großen Bauchschmerzen gewährt habe. Immerhin hat der Angeklagte bereits 23 Einträge im Bundeszentralregister – von Diebstahl über Sachbeschädigung bis hin zur Nötigung und gefährlichen Körperverletzung. Insgesamt hat er schon über ein Jahr lang in Haft gesessen. Dass er nun nicht wieder ins Gefängnis muss, hat mehrere Gründe. Er war geständig, hat sich seinem bisherigen sozialen Umfeld durch den Umzug nach Aschenstedt räumlich entzogen und sich seit der Tat in der Nacht zum 17. September 2014 nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Außerdem war er aufgrund übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsums zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig.

Zu rekonstruieren, was sich in der Tatnacht genau zugetragen hatte, gestaltete sich schwierig – denn sowohl der Angeklagte als auch das 33-jährige Opfer waren betrunken und konnten sich nur teilweise erinnern. Die beiden Kumpels, die sich nach eigenen Angaben inzwischen ausgesöhnt haben, hatten in der damaligen Wohnung des 33-Jährigen in Wildeshausen ordentlich getrunken. Beim Angeklagten waren später 1,56 Promille nachgewiesen worden. Hinzu kamen Marihuana und Amphetamine.

Im Laufe der Nacht war es nicht nur zu einer Auseinandersetzung mit anderen Personen vor dem Haus gekommen, weshalb die Polizei zum ersten Mal angerückt war. Auch in der Wohnung erhitzten sich die Gemüter. Der 33-Jährige schlug damals so heftig mit einer Flasche auf einen Glastisch, dass dieser zersprang. Sein Handy warf er gegen den Fernseher. Der Angeklagte nahm daraufhin ein Küchenmesser und drohte ihm. „Aber nur, um ihn vom Computer fernzuhalten“, versicherte er. Daneben hatte er seinen Kumpel mit dem Knie im Gesicht getroffen, sodass dessen Nase blutete. Dies sei aber ein Versehen gewesen.

Dass er einen kleinen Beistelltisch nach seinem Bekannten geworfen haben soll, daran konnte sich der 29-Jährige ebenso wenig erinnern wie an eine zweite Drohung mit dem Messer. Laut dem 33-Jährigen hatte er es ihm an den Hals gehalten. Warum er eine Schnittverletzung in der Armbeuge hatte, konnte er sich nicht erklären. Er wusste aber noch, dass er sich wegen der Bedrohung im Schlafzimmer eingeschlossen hatte und aus dem Fenster geklettert war. Bei dem Versuch, über das Dach zu entkommen, rutschte er ab und schlug auf den Boden. Der 33-Jährige kam ins Krankenhaus, der Angeklagte in Polizeigewahrsam. Den Rest der Nacht verbrachte er in einer Zelle.

Was sich am Morgen auf der Wache abgespielt hat, berichtete der diensthabende Polizist. Dieser war nicht nur durch die Durchreiche der Zelle von dem Angeklagten bespuckt worden. Als der 29-Jährige entlassen werden sollte, warf er zudem aus Wut über seine verbogene Brille mit einer Tasche und einem Raumluftglas nach dem Beamten. Auch mehrere Tritte teilte der Angeklagte aus. Der Polizist musste ausweichen.

Der Psychiater bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und ADHS. Er empfahl eine ambulante Behandlung. Auch die Richterin mahnte: „Gehen Sie ihre Probleme jetzt an!“

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