Bewährungsstrafe für 41-Jährigen

Drogen aus Autofenster geworfen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Dötlingen/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. Als unglaubwürdig hat das Schöffengericht in Wildeshausen die Ausführungen eines 41-jährigen Angeklagten eingestuft, der bereits im März 2012 mit fast einem Kilogramm Marihuana an der A1-Raststätte „Wildeshausen-Süd“ in der Gemeinde Dötlingen erwischt worden war. Er wurde am Montag wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitstrafe von acht Monaten verurteilt, die für den Zeitraum von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er 1000 Euro an den Verein Brücke in Wildeshausen zahlen.

Der Angeklagte zeigte sich in vielen Punkten geständig. Er räumte ein, Drogen von den Niederlanden aus eingeführt zu haben. Das Ziel war Hamburg. Bei der Kurierfahrt habe es sich um eine Gefälligkeit für einen Freund gehandelt, den er seit mehr als 20 Jahren kenne. Dieser habe gesagt, es handele sich lediglich um eine Probe von 50 Gramm, diese Menge sei in Deutschland nicht strafbar. Und davon sei er auch ausgegangen, meinte der 41-Jährige.

Genau daran hatte das Gericht erhebliche Zweifel. Nicht nur, weil dem Angeklagten bekannt war, dass sein Freund im größeren Stil dealt, sondern auch wegen des Transportbehältnisses. Das Marihuana befand sich in einem 80 mal 80 Zentimeter großen Kissenbezug, dieser wiederum in einer großen Tasche. „50 Gramm könnte man unfälliger befördern“, bemerkte die Richterin.

Ausschlaggebend für die Verurteilung war aber das Verhalten des Angeklagten auf der Rastanlage. Laut der Aussage eines Zollbeamten, der als Zeuge geladen war, war der Mann damals im Rahmen einer normalen Kontrolle auf die Rastanlage herausgewinkt worden. Allerdings folgte er nicht dem Wagen der Beamten, sondern wechselte auf dem Areal die Spur. Dort warf er die Tasche aus dem Beifahrerfenster. Der Zeuge sprach von einem Fluchtversuch. Nachdem die Beamten den Wagen gestoppt hatten, habe der Angeklagte zu Fuß versucht, zu entkommen. Zudem habe er geleugnet, dass die Tasche zu ihm gehört.

Für das Gericht passte dies nicht mit den Ausführungen des 41-Jährigen zusammen. Diese seien vielmehr als Schutzbehauptung zu werten. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass sie die Menge vorsätzlich eingeführt haben“, begründete die Richterin, warum das gewählte Strafmaß auch über den Forderungen der Staatsanwältin lag. Diese hatte sich für eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 35 Euro ausgesprochen. Zwar zeigte sie sich angesichts des Verhaltens des Angeklagten auf der Rastanlage auch skeptisch. Im Zweifel müsse man aber davon ausgehen, dass der 41-Jährige tatsächlich geglaubt hat, „nur“ 50 und nicht 992 Gramm zu transportieren.

Das sah das Gericht anders. Da es sich mit Marihuana um eine „Weichdroge“ handelte und der Angeklagte nur als Kurier fungierte, wertete es die Tat als minderschweren Fall. Zudem hielt es dem Mann zugute, dass er in Deutschland nicht vorbestraft ist und der letzte von insgesamt sieben Einträgen im niederländischen Zentralregister aus dem Jahr 2002 datiert. Wegen Drogendelikten war er bis dato aber noch nicht auffällig geworden. „Die Bewährungsstrafe sollte für Sie eine ausreichende Warnung sein“, erklärte die Richterin.

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