Prozess in Oldenburg

Bewährung für Vater, der Baby halb tot schüttelte

Kann in dem Fall überhaupt Gerechtigkeit hergestellt werden?Die Vorsitzende Richterin während des Verfahrens

Dötlingen/Oldenburg - Es gibt Fälle, die sind mit dem Strafrecht kaum zu fassen. So im Fall des Vaters (26) aus der Gemeinde Dötlingen, der seinen damals vier Wochen alten Sohn halb totgeschüttelt hat. Wie ist der Mann zu bestrafen? Das Oldenburger Landgericht verurteilte ihn am Mittwoch zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einem Schmerzensgeld in Höhe von 400 000 Euro.

Zur Unzufriedenheit des Staatsanwalts, der ein Signal setzen wollte und vier Jahre Gefängnis für den Angeklagten gefordert hatte. „Kann in dem Fall überhaupt Gerechtigkeit hergestellt werden?“, wollte die Vorsitzende Richterin wissen.

Eine schwierige Frage. Das Kind ist in Siechtum verfallen, dauerhaft gelähmt und auf einem Auge blind, dauerhaft körperlich und geistig behindert. Es muss rund um die Uhr betreut und auch medizinisch versorgt werden. Zehn Sekunden Schütteln haben zwei Menschenleben zerstört. Der Angeklagte aus gutbürgerlichen Verhältnissen ist nun ein gebrochener Mann und muss ein Leben lang mit der Schuld leben. Sein Sohn wird nach einem Gutachten die Welt und sein Leben nie so wahrnehmen können wie gesunde Menschen. Bei der Tat handelte es sich um ein Augenblicksversagen: Der laut Richterin „an sich liebevolle Vater“ war den Feststellungen zufolge überfordert gewesen.

Schuldig gesprochen wurde er wegen gefährlicher und wegen schwerer Körperverletzung. Letztere ist erfüllt, wenn Siechtum, Lähmung oder dauerhafte neurologische Schäden Folgen der Tat sind. Im vorliegenden Fall kam alles zusammen.

Die Folgen der Handlung muss ein Täter wollen und auch kennen. Das Gericht ging zwar keineswegs davon aus, dass der Angeklagte seinen Sohn derart schädigen wollte und wusste, wohin das Schütteln führen konnte. Allerdings ist ein ehemals gesundes Menschenleben zu beklagen. „Aber was bringt es, den Angeklagten nun ins Gefängnis zu schicken. Soll der Vollzug ihn bekehren?“, fragte die Richterin.

Zu was auch bekehren? Der Mann leidet genug. Er soll sich einer Therapie unterziehen. Der Staatsanwalt wollte mit der Gefängnisstrafe verdeutlichen, „dass man so etwas mit einem Kind nicht macht“. Der Kammer aber schien der Fall zur Verteidigung der Rechtsordnung ungeeignet. Da wären hohe Strafe für sehr kriminelle Bandenmitglieder eher geeignet, so die Richterin. Der Fall ist und bleibt eine Tragödie, da waren sich alle Prozessbeteiligten am Ende des Verfahrens einig.  wz

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