Erntehelfer und Abnahme der Gastronomen fehlen / Direktvermarktung lief hingegen gut

Bescheidenes Jahr für Dötlinger Spargel

Mit dem Johannistag endete am Mittwoch offiziell die Spargelsaison: Angesichts der Coronakrise fällt die Erntebilanz dürftig aus. 
Foto: dpa
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Mit dem Johannistag endete am Mittwoch offiziell die Spargelsaison: Angesichts der Coronakrise fällt die Erntebilanz dürftig aus. Foto: dpa

Dötlingen – Klaus-Dieter Ulrich versucht, sich seinen Humor zu bewahren: „Wie sagen wir so schön in der Landwirtschaft: Dann eben nächstes Jahr.“ 2021 hofft der Dötlinger auf eine bessere Spargelernte. Die in dieser Woche auslaufende Saison könne er aufgrund der Coronakrise nur als bescheiden bezeichnen. „Ein Auge ist zu“, meint er mit Blick auf weniger Erntehelfer und dem stark eingebrochenen Absatz an die Gastronomie.

Der Start in die Spargelsaison sei in diesem Jahr äußerst holprig und nervenaufreibend gewesen. „Wir wussten zu Beginn ja gar nicht, ob überhaupt Erntehelfer kommen, wie viele es dann sein würden, und welche Bestimmungen noch auf uns zukommen“, berichtet Ulrich. „Mein Vorarbeiter und ich haben am Anfang fast jede Minute telefoniert, um alles zu regeln.“ Seit Jahrzehnten setzt Ulrich auf „seine“ polnischen Saisonarbeiter – und die forderte er in diesem Jahr recht früh auf: „Bitte fahrt los!“ Der Dötlinger wollte so vermeiden, dass seine Kräfte vor geschlossenen Grenzen stehen. Alle sind trotzdem nicht gekommen. „Etwa zwölf Helfer hatte ich zu wenig“, sagt Ulrich.

Neben 28 Saisonarbeitern aus dem Nachbarland packten auch Deutsche auf den Feldern mit an. Dank Initiativen wie „Das Land hilft“ trudelten beim Dötlinger Spargelhof etwa 70 Bewerbungen von Interessierten aus der Region ein. Das überraschte Ulrich schon. „Allerdings sind dann nur zwölf erschienen“, erzählt er. Von diesen hätten einige ein paar Stunden, andere einen Tag und nur zwei die komplette Saison durchgehalten. Gereicht habe die Gesamtzahl der Helfer nicht. Von den 24 Hektar, auf denen Dötlinger Spargel wächst, hätten ältere Felder gar nicht geerntet werden können. „Andere mussten wir durchfräsen. Das tut einem in der Seele weh“, meint Ulrich.

Der Dötlinger rechnet für diese Saison mit Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent. Schließlich sei der Großabnehmer Gastronomie anfangs komplett ausgefallen und habe auch nach den Lockerungen bei Weitem nicht die Mengen abgenommen wie in den Vorjahren. „Gut liefen wiederum der Verkauf im Hofladen, an den Hütten und auf dem Wochenmarkt. Das war top“, so Ulrich. Ausgleichen könne er die Einbrüche damit aber nicht. Zumal es in diesem Jahr auch keinen Verkaufscontainer beim Gut Altona gab. „In diesen hätte immer nur ein Kunde zurzeit gedurft. Das hätte sich wirklich nicht gelohnt“, berichtet der Landwirt.

Um den Absatz etwas anzukurbeln, gab es in dieser Saison erstmals Spargelboxen – in der Standard- sowie der Sonntagsversion. Interessierte konnten sich das edle Gemüse, Kartoffeln, Schinken, Wein und Sauce Hollandaise nach Hause liefern lassen. Ein Rezept war auch dabei. „Die Körbchen waren aus der Not heraus geboren, wurden aber ganz gut angenommen“, sagt Ulrich.

Wie die knapp 400 anderen Spargel-Betriebe hofft der Dötlinger 2021 nicht nur auf eine bessere, sondern auch ruhigere Saison. „Und ich würde mir wünschen, dass mit solchen Krisensituationen künftig anders umgegangen wird“, meint er angesichts der zeitweise chaotischen Zustände.

Von Tanja Schneider

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