Klimaschutzaktionstag: Kitas bringen Kindern das Thema „Konsum“ näher

Von Becherbergen und Bücherbörsen

In der Brettorfer Kita „Filibuster“ nutzten die Kinder Bierdeckel, Papp- und Plastikbecher für ihre Bauprojekte. - Foto: Kindergarten

Dötlingen - Wenn der Bürgermeister auf Bitten seiner Frau massenhaft alte Zeitungen sammelt, Eltern einzelne Socken anliefern und leere Joghurtbecher nicht in den Müll wandern – dann ist Klimaschutzaktionstag in den Kindergärten. Zum zweiten Mal ging er in den Gemeinden Dötlingen und Ganderkesee, die mit Lars Gremlowski einen gemeinsamen Klimaschutzmanager haben, über die Bühne. „Konsum“ lautete diesmal das Motto. „Und ich freue mich, dass tatsächlich fast alle Einrichtungen mit rund 1 300 Kindern dabei sind“, sagte er.

In der Gemeinde Dötlingen hatten sich die Erzieher aller vier Kindergärten besondere Aktionen ausgedacht. In Neerstedt gab es einen Tag ohne Müll. Bereits zuvor hatten die dortigen Mädchen und Jungen Abfall gesammelt und erstaunt die riesige Menge, die zusammengekommen war, betrachtet. Die „Dötlinger Strolche“ beschäftigen sich gleich den gesamten Monat lang mit den Themen Konsum und Müllvermeidung. Unter anderem schauten sie, wie viele Joghurtbecher in einer Woche in der Einrichtung anfallen. Zudem bastelten und spielten sie mit Naturmaterialien.

Da auch das Papierschöpfen auf dem Programm stand, mussten alte Zeitungen her. „Da habe ich auch fleißig gesammelt“, erzählte Bürgermeister Ralf Spille, dessen Frau Dagmar in dem kommunalen Kindergarten arbeitet. Ebenso wie die Brettorfer Kita „Filibuster“ hatten sich die Dötlinger vom Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen für den Aktionstag eine Papierpresse geliehen. In Brettorf bastelten die Kinder zudem Murmelbahnen, Rasseln sowie Prinzessinnenschlösser und stellten Knete her.

Aus alten Socken und Strümpfen fertigten die Kinder in Aschenstedt Puppen. In anderen Einrichtungen wurde beispielsweise Papier hergestellt. - Foto: Schneider

Gemeinsam mit den Erziehern aus Ganderkesee hatten die Kollegen aus der Gemeinde Dötlingen im vergangenen Monat während einer Fortbildung im RUZ Ideen zusammengetragen, wie sie dem Nachwuchs kindgerecht das Thema „Konsum“ näherbringen können. „Ein gutes Beispiel sind Tauschbörsen. In Brettorf läuft dies beispielsweise mit Büchern“, berichtete RUZ-Geschäftsführerin Marina Becker-Kückens, die gemeinsam mit Spille und Gremlowski im Aschenstedter Kindergarten vorbeischaute. Dort fertigten die Erzieherinnen mit den Kindern gerade Puppen aus alten Socken an. „Zudem möchten wird aus Plastikbechern noch Telefone bauen. Einige sollen zudem bepflanzt werden“, informierte Kita-Leiterin Ursula Skerka-Wach. Auch in Aschenstedt waren zuvor Joghurtbecher gesammelt und aufgetürmt worden. „Viele Eltern waren über diesen Berg an Müll so erschrocken, dass die Kinder am nächsten Tag ihren Joghurt in Gläsern oder Frischhaltedosen mitbekommen haben“, erzählte sie. Aus den Becher haben die Mädchen und Jungen inzwischen ein Kunstwerk gestaltet.

„Die Kinder sind auch sehr bei der Sache“, zog Skerka-Wach Bilanz. Diese Erfahrung hat auch Becker-Kückens vom RUZ gemacht: „In jungen Jahren sind Kinder noch begeisterungsfähig und teilen ihre Erfahrungen mit den Geschwistern und Eltern. Deshalb lohnt es sich, bei ihnen anzufangen.“ Ebenso müssten aber auch die Eltern und Erzieher ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

Laut Klimaschutzmanager Gremlowski gibt es gerade beim Konsum noch viel Luft nach oben. „In Deutschland entfallen 25 Prozent des CO2-Ausstoßes auf diesen Bereich.“ Dies sei vielen Menschen einfach nicht bewusst. Er appelliert, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und nachhaltiger zu agieren. Schließlich würden die Ressourcen immer knapper. Mülltrennung und -vermeidung, Reparatur statt Neuanschaffung sowie Tauschen statt Wegwerfen waren deshalb auch die großen Themen in den Kindergärten.

Becker-Kückens hatte noch ein paar Zahlen parat, die zum Nachdenken anregen sollten. „Auch heute noch benutzt jeder jährlich 70 Plastiktüten. Zudem werden pro Person durchschnittlich 94 neue Kleidungsstücke im Jahr angeschafft“, informierte sie. „Man sollte sich mit Blick auf die Produktion und die Transportwege tatsächlich überlegen, ob man die alle benötigt.“ - ts

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