Pastor Jochen Volker gibt Einblicke in die Jugendarbeit in Südafrika / Zwei Gäste zu Besuch

„Barmherzig hinhören“

Setzen sich für Kinder und Jugendliche in Not in Südafrika ein: FSJlerin Isabel Büdeker, Mitarbeiter Ayola, Pastor Jochen Volker, Mitarbeiter Mofenyi und FSJlerin Ina Broers (von links). Foto: terrasi

Dötlingen/Johannesburg - Von Lara Terrasi . Das Motto „Neema Lalela“ setzt sich aus zwei afrikanischen Sprachen zusammen und bedeutet übersetzt „barmherzig hinhören“. „Wir wollen zuhören und etwas verändern“, sagte Jochen Volker, der als Pastor und Leiter der „West Rand Lutheran Community Church“ (WRLCC) in einer Gemeinde im südafrikanischen Johannesburg arbeitet. 2016 gründete er zusammen mit anderen Freiwilligen den Verein „Freundeskreis Neema Lalela“, der die gleichnamige Organisation unterstützt. Am Dienstagabend war Volker zum dritten Mal in der Gemeinde Dötlingen zu Besuch, um vom Verein zu berichten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Aids-Erkrankten aus Südafrika und Waisenkindern ein Heim zu schenken und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Der Freundeskreis finanziert sich durch Spenden.

In der St.-Firminus-Kirche gab Volker Einblicke in die Kinder- und Jugendarbeit in Südafrika. Dabei hatte er zwei besondere Gäste mitgebracht: Den 17-jährigen Ay- ola und den 16-jährigen Mof- enyi. Beide leben in Südafrika und wirken als junge Helfer in der Kirche mit. Sie erzählten den rund 20 Zuhörern etwas über ihr Leben und ihren Glauben.

Mit den Worten „Welcome to Dötlingen“ begrüßte Pastorin Claudia Hurka-Pülsch ihre drei Gäste und übergab das Wort an Pastor Volker. Seit 1994 arbeitet er in Südafrika. „Vor vielen Jahren war es eine deutsche Gemeinde, die sich mit der Zeit in eine südafrikanische gewandelt hat. Inzwischen hat sie sich stark verändert und ist zu einer multikulturellen Gemeinde geworden“, erzählte Volker. Doch Südafrika stehe vor großen Herausforderungen: „Die Politiker haben vergessen, wozu sie berufen sind, und die Korruption ist dort sehr hoch, sodass wir vor einer großen Herausforderung stehen“, kritisierte er. Auch gebe es dort viel Gewalt, Vergewaltigungen und Drogenmissbrauch.

Mofenyi erzählte, dass er zum ersten Mal in die „West Rand Lutheran Community Church“ gegangen ist, als er acht Jahre alt war. Ein Nachbarskind hatte dort gearbeitet und ihn mit genommen. „Ich erinnere mich noch an meinen ersten Tag. Ich bin aus Versehen in die Pastorin gelaufen und sie hat mich mit offenen Armen empfangen“, berichtete der 16-Jährige auf Englisch. Seitdem ist er Mitarbeiter bei den „Incredible Kids“, einer Gruppe, die Kinder betreut. Die Arbeit dort habe sein Leben verändert.

Ayola hatte in seiner Kindheit nie etwas mit der Kirche am Hut. „Mein bester Freund hatte mich eingeladen und sagte mir, dass es eine Kirche für junge Leute ist, die keine Kirche mögen. Ich bin aber trotzdem nicht mitgegangen. Dann hat er mir gesagt, dass es bei den ,Incredible Kids‘ etwas zu Essen gibt. Dann bin ich doch mitgegangen“, erinnerte sich der junge Südafrikaner und lachte. Seitdem ist er in der südafrikanischen Gemeinde als Mitarbeiter aktiv und leitet seine eigene Gruppe. Obwohl beide aus Südafrika stammen, unterscheiden sich die Kulturen und Sprachen von Ayola und Mofenyi sehr voneinander, „weil sie in unterschiedlichen Provinzen aufgewachsen sind“, informierte Volker. Die beiden unterhalten sich auf der Landessprache, auf Englisch. Die meisten Jugendlichen schreiben und sprechen überwiegend Englisch und weniger in den afrikanischen Sprachen. „Englisch ist die Sprache meines Herzens“, sagte Ayola.

Danach erzählte Volker etwas zu den Umständen: „Viele Kinder in Südafrika wachsen ohne Vater auf, weil er verstarb oder die Familie verlassen hat. Es gibt dort mehr als zwei Millionen Waisenkinder.“ Der Verein betreut acht Kinder, die ihre Eltern verloren haben. Vor fünf Jahren hat die Dötlingerin Isabel Büdeker im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) das Projekt unterstützt. Ina Broers ist vor fünf Wochen aus Südafrika zurückgekommen. Sie hatte dort ebenfalls ein FSJ absolviert. Sie berichtete von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen. „Wir haben den Kindern den Glauben vermittelt und gemeinsam gesungen, was das Zeug hält“, erzählte sie.

Ein weiteres Standbein des Vereins ist unter anderem die schulische Unterstützung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Zudem ermöglicht der Freundeskreis es den Jungen und Mädchen, eine Grundschule oder einen Kindergarten zu besuchen. Aktuell sind fünf FSJler aus Deutschland und zwei Südafrikaner in der Gemeinde aktiv.

Zum Abschluss des Abends tanzten die Jugendlichen zusammen mit den Besuchern zu einem afrikanischen Lied. Danach überraschte Büdeker die Zuhörer mit der südafrikanischen Nationalhymne, die sie auf der Orgel spielte. Damit machte sie insbesondere Volker sprachlos. Der Pastor ist noch für drei Wochen mit Ayola und Mofenyi in Deutschland unterwegs, um vom Projekt zu berichten.

Weitere Informationen:

www.neemalalela.de

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