Keine Bewährung

Tödlicher Unfall auf der A1: Betrunken und zu schnell – 32-Jähriger muss in Haft

Mehrere Fahrzeuge, Rettungswagen und Polizei stehen bei einer Unfallstelle auf der Autobahn 1
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Nach der Kollision mit dem Wagen des Hamburgers hatte das Auto einer 68-Jährigen Feuer gefangen. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass bei einem Unfall in einer Autobahnbaustelle auf der A 1 in Dötlingen eine 68-jährige Frau ums Leben kam. Als Verursacher angeklagt ist nun ein damals 30-jähriger Hamburger, der betrunken und deutlich zu schnell unterwegs war. Er ist am Montag vor dem Wildeshauser Amtsgericht zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

  • Vor zwei Jahren starb eine Frau bei einem Autounfall auf der A1 bei Dötlingen.
  • Ein 30-Jähriger war betrunken und zu schnell gefahren und hatte den Unfall verursacht.
  • Der Mann ist jetzt verurteilt worden.

Dötlingen – Als der Unfall geschah, war das Kind des Beschuldigten gerade wenige Wochen alt. Inzwischen hat es seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Es gebe ihm viel Kraft und Liebe, sagt der nun 32-Jährige. Er habe auf Drängen seiner Frau auch versucht, einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen, sei aber gescheitert. Jetzt brauche er das nicht mehr.

Beim ersten Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht im Juni 2020 war er in Tränen ausgebrochen, als er das Geschehene schilderte. Sein Verteidiger schlägt deshalb zu Beginn der Sitzung am Montag vor, die Aussage lediglich erneut zu verlesen.

Der Beschuldigte berichtete damals, er sei am späten Samstagabend mit einem Freund zu einem anderen Kumpel in eine Diskothek nach Cloppenburg gefahren. Dieser habe versprochen, sie mit dem Auto nach Hamburg zurückzubringen. Deshalb hätten sich die beiden anderen betrunken.

Als der Kumpel nicht mehr auffindbar war, die Zeit aber drängte, weil der Angeklagte am Sonntagmorgen zur Arbeit musste, entschied er, sich selbst ans Steuer zu setzen.

Tödlicher Unfall auf der A1: Statt mit Tempo 40 fuhr der Hamburger mit Tempo 100

In einer Baustelle auf der A1 auf dem Gebiet der Gemeinde Dötlingen zeigte sein Tacho laut einem Gutachten statt den erlaubten 40 knapp 100 Kilometer pro Stunde an, als eine Frau mit ihrem Auto zum Überholen ausscherte. „Ich habe gebremst, aber es hat nicht gereicht“, sagte der Hamburger.

Der Wagen der 68-Jährigen aus Tecklenburg fing Feuer. Sie kam darin um. Ihren 47-jährigen Sohn konnten der Beschuldigte und sein Freund retten.

Ich habe gebremst, aber es hat nicht gereicht. 

Der Angeklagte

„Dieser Unfall wäre vermeidbar gewesen“, befindet die Staatsanwältin. Sie zeichnet unter Berücksichtigung der Eintragungen in das Fahreignungsregister das Bild eines Mannes, der „sich so gar nicht um Verkehrsregeln schert“. Bereits zweimal war ihm der Führerschein entzogen worden. Einmal war er mit 0,5 Promille gefahren, einmal deutlich zu schnell.

Ihm sei in jener Nacht absolut bewusst gewesen, dass er zu viel Alkohol getrunken hatte, um sich ans Steuer zu setzen. Ebenso habe er gewusst, dass sein rumänischer Führerschein hierzulande keine Gültigkeit mehr habe und das Dokument möglicherweise gefälscht sei. Sie fordert für den 32-Jährigen zweieinhalb Jahre Haft sowie ein Jahr Führerscheinverbot.

Der Nebenkläger, der den verunglückten Sohn vertrat, schließt sich dieser Forderung an: „Er hat so viel Leid über die Familie gebracht.“ Der Anwalt befindet, der Beschuldigte weise eine erhebliche kriminelle Energie auf. Derzeit sei in Hamburg noch ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn anhängig.

Tödlicher Unfall bei Dötlingen: Verteidiger spricht von „fatalen Fehlentscheidung“

Dass an der „fatalen Fehlentscheidung“ seines Mandanten „überhaupt nichts zu beschönigen“ sei, gibt auch der Verteidiger des Hamburgers zu. Er habe jedoch einen Grund gehabt, so zu rasen, er habe an seine Arbeit gedacht. Der Angeklagte sei keiner, dem alle Regeln egal seien, dieser Vorwurf gehe zu weit.

„Mit der Schuld muss er leben. Aber diesen Unfall hat er nicht gewollt.“ Der Verteidiger plädiert für eine 15-monatige Haftstrafe sowie Auflagen bei der Fahrerlaubnis.

Die Dinge, die zuungunsten des 32-Jährigen sprächen, wögen schwerer als die zu seinen Gunsten, urteilt die Richterin. Er habe seine Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr massiv verletzt, offenbar aus den vorangegangenen Fahrverboten nichts gelernt und sich „rücksichtslos und egoistisch“ verhalten, als er beschlossen habe, betrunken Auto zu fahren. Zwar habe er während des Prozesses Reue und Einsicht gezeigt, doch das mache die Getötete nicht wieder lebendig.

Tödlicher Unfall auf der A1: Das Urteil lautet schuldig

Letztendlich spricht die Richterin den Hamburger der vorsätzlichen Gefährdung im Straßenverkehr, der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung, des Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie der Urkundenfälschung schuldig.

Neben der zweijährigen Haftstrafe verhängt sie auch eine dreijährige Führerscheinsperre, ein besonders hohes Strafmaß. Er fahre seit dem Unfall kein Auto mehr, erklärt der Angeklagte im Verlauf des Prozesses. „Nicht mal umparken.“

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