Ausschuss ebnet Weg für Repowering – obwohl noch nicht klar ist, ob Betreiber höhere Anlagen errichten wollen

Höhenbegrenzung soll wegfallen

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Im Zuge des Verfahrens zur Flächennutzungsplan-Änderung hat die Schutzgemeinschaft Klein Henstedter Heide Bedenken angemeldet. Ein mögliches Repowering am Windstandort Uhlhorn (großes Bild) könnte das Naturdenkmal „Krauses Moor“ beeinträchtigen. In Aschenstedt (kleines Bild) repowert ein Teil der Windpark-Betreiber derzeit auf andere Art und Weise. Bereits im Sommer wurden dort Anlagen abgebaut. Sie sollen durch leistungsstärkere, aber nicht höhere ersetzt werden.

Aschenstedt/Uhlhorn - Von Tanja Schneider. Auch wenn noch gar nicht klar ist, ob und wann die Betreiber der Windparks in Aschenstedt und Uhlhorn höhere Anlagen errichten möchten, hat der Bau-, Straßen- und Verkehrsausschuss für den Fall der Fälle schon einmal den Weg geebnet. Einstimmig empfahl das Gremium während seiner Sitzung am Donnerstagabend die öffentliche Auslegung des Entwurfs für die Änderung des Flächennutzungsplanes. Wesentlicher Kern ist der Wegfall der Höhenbegrenzung für die Sondergebiete, in denen momentan eine maximale Nabenhöhe von 100 Metern zulässig ist.

Zumindest für die Fläche in Aschenstedt fragte sich Claus Plate (FDP), ob die Änderung überhaupt sein muss. Denn dort wird zum Teil schon repowert. Allerdings werden vier alte Anlagen nicht durch höhere, sondern einfach durch leistungsstärkere ersetzt (wir berichteten). Thomas Aufleger vom Planungsbüro NWP, der während der Sitzung auch die Stellungnahmen aus der frühzeitigen Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange vorstellte, erläuterte, dass die Maßnahme dennoch notwendig sei. „Sie müssen für alle Sondergebiete dieselben Voraussetzungen schaffen, sonst bekommen sie ein städtebauliches Problem“, sagte er auch mit Blick auf den gerade genehmigten Windpark Haidhäuser, für den keine Höhenbegrenzungen gelten.

Rudi Zingler betonte, dass die SPD ein Repowering generell begrüße. „Gegenüber alten Anlagen haben neue ja durchaus Vorteile, zum Beispiel bei der Regelung des Schattenschlages“, meinte er. Aufleger verwies in diesem Zusammenhang auf Neuerungen bei der Nachtbefeuerung. Mittlerweile gebe es bedarfsgerechte, die nur anspringen, wenn sich ein Flugzeug nähert. Noch seien diese Systeme aber relativ teuer.

Für den Windpark Aschenstedt deckt sich die nun neu auszuweisende Fläche nicht vollständig mit dem bisherigen Sondergebiet. „Es kommt nicht in Gänze fürs Repowering in Frage“, so Aufleger. Das Sondergebiet in Uhlhorn wird ein bisschen größer.

In Bezug auf die eingegangenen Stellungnahmen erläuterte Aufleger, dass sich daraus keine relevanten Änderungen für das F-Plan-Verfahren ergeben. „Aber es gab einige Hinweise, die dann in einem möglichen nächsten Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz Berücksichtigung finden sollten“, sagte er. Für den Bau höherer Anlagen müssten entsprechende Gutachten her, unter anderem zum Schall, zum Schattenschlag und zum Artenschutz. „Es macht aber wenig Sinn, bereits jetzt Vögel oder Fledermäuse zu zählen, da ja noch gar nicht feststeht, ob überhaupt höhere Anlagen kommen“, betonte der Planer.

Für das Gebiet Aschenstedt hat der Landkreis Oldenburg um Berücksichtigung einer angrenzenden kleinen Waldfläche gebeten. Das Landesamt für Denkmalpflege hat auf zwei Bodendenkmäler verwiesen, die nicht überbaut werden dürfen. Zudem haben vier Einwohner in einer gemeinsamen Stellungnahme Einspruch gegen die F-Plan-Änderung erhoben. Sie befürchten „unzumutbare Beeinträchtigungen“ und eine „Umzingelung“ von Windkraft und Industrie, schreiben sie mit Blick darauf, dass in Hockensberg ein Gewerbe- und Industriegebiet entwickelt werden könnte. Diese Ansicht wurde vom Planer und Ausschuss nicht geteilt. Auch die Hinweise zur Gefährdung des Landschaftsschutzgebietes „Tal des Altonaer Mühlbachs“ wies Aufleger zurück: „Hier wird der Mindestabstand gewahrt.“

Hinsichtlich des Windparks in Uhlhorn, wo drei Anlagen stehen, hat sich die Schutzgemeinschaft Klein Henstedter Heide zu Wort gemeldet. Sie bezeichnet den Standort für Großwindräder als problematisch, da er unmittelbar an das Naturdenkmal „Krauses Moor“ angrenzt. Dort sei eine Vielzahl an Tieren heimisch, unter anderem 18 Libellenarten. Sie bitten deshalb um einen Mindestabstand. Wie Aufleger mitteilte, seien die Hinweise wichtig und richtig. Auf nachgelagerter Planungsebene müsse genau geprüft werden, ob Natur- und Artenschutzbelange beeinträchtigt werden.

Des Weiteren hat die Schutzgemeinschaft auf eine „massive Landschaftszerstörung“ hingewiesen. Schließlich stehen nicht nur in Uhlhorn Anlagen, sondern auch in Hengsterholz, Aschenstedt/Iserloy und Prinzhöfte. Der Windpark Haidhäuser ist bereits genehmigt, und in der Gemeinde Prinzhöfte sind zusätzliche Mühlen auf rund 500 Hektar geplant. So könnte in der Henstedter Heide ein Windpark mit bis zu 21 Anlagen entstehen (wir berichteten).

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