„Altera Pars“ nimmt Publikum mit ins England des 18. Jahrhunderts

Ausflug in eine besondere Klangwelt

Das Ensemble „Altera Pars“ spielte in Ostrittrum vor etwa 50 Zuhörern auf historischen Instrumenten. Foto: Büttner

Ostrittrum - Von Tamino Büttner. Draußen pfiff der Wind, und der kalte Regen prasselte gegen die Fensterscheiben. Drinnen knisterte das Kaminfeuer und sorgte für wohlige Wärme im Kaffeehaus auf dem Ostrittrumer Hof Schweers. Dort begrüßten Monika und Gitte Grashorn am späten Sonntagnachmittag die Konzertgäste, die unter dem Titel „Five o‘Clock – klassische Musik aus England um fünf Uhr“ dem Ensemble „Altera Pars“ (zu deutsch: andere Seite) lauschen wollten.

Mit historischen Instrumenten widmeten sich die vier Musiker der Klangwelt der Klassik in England. In dem Ensemble treffen hochqualifizierte Spezialisten für die Musik des 18. Jahrhunderts aufeinander, die sich intensiv mit der alten Aufführungspraxis auseinandersetzen. „Jede Epoche hat musikalisch ihre eigene Sprache“, erklärte Ensemblegründerin Polina Gorshkova. „Die historischen Instrumente beeinflussen uns. Sie bringen uns bei, wie es früher war.“ Es gehe den Musikern darum, ein eigenes Bild der jeweiligen Epoche zu schaffen.

Dazu sollte auch die besondere Aufführungspraxis in Ostrittrum beitragen. Im 18. Jahrhundert haben sich die Instrumentalisten inmitten des Publikums an einem sogenannten Quartett-Tisch befunden. Ringsherum saßen die Zuhörer. „So sind wir aufeinander ausgerichtet, schauen uns in die Augen und nehmen uns beim Spielen gegenseitig bewusster und intimer wahr“, erläuterte der in Berlin geborene Fabian Boreck. Das Ensemble wolle „wie damals“ die Nähe zum Publikum erhalten. Der stellvertretende Solocellist des Oldenburgischen Staatsorchesters führte das Publikum mit seinen Ausführungen durch die damalige Zeit.

Neben der Gründerin des Ensembles und dem Barockcellisten Boreck gehören Anna Dmitrieva (Geige) und Pavel Serbin (Cello und Viola da gamba) dazu. Da der in Moskau geborene Serbin zeitlich verhindert war, sprang sein ehemaliger Professor Michel Rada-Igisch ein. Dieser reiste eigens aus Luxemburg an. „Sie werden merken, dass wir die historischen Instrumente immer mal wieder nachstimmen. Es ist absolut notwendig, da sie auf dem damaligen Stand der Technik sind. In diesem Fall sind sie beispielsweise mit Darmsaiten bezogen anstatt mit Stahlsaiten. Erstere reagieren auf Wärme und Luftfeuchtigkeit“, brachte Boreck den Zuhörern die Instrumente näher.

Das Kaffeehaus der Familie Grashorn war mit 50 Gästen voll besetzt. In zwei Teilen zu je rund 30 Minuten spielte das Ensemble Stücke von Carl Friedrich Abel, Joseph Haydn, Anderas Lidl und Tomaso Giardano. Gleich zwei verschiedene Flöten brachte die in St. Petersburg geborene und in Oldenburg lebende Gorshkova zum Erklingen. Beide kommen von dem Musikinstrumentenbauer Heinrich Grenser. Die kleinere braune Flöte stammt aus dem Jahr 1760 und wird von Gorshkova für die barock-klassischen Stücke von Abel eingesetzt. Die größere schwarze Flöte ist hingegen rund 30 Jahre jünger, lauter und heller im Klang. Sie wird für die Stücke von Haydn gespielt. „Damals haben sich die Musikinstrumente schnell weiterentwickelt“, unterstrich Gorshkova die Vielfalt. Seit 1837 kämen die dann entwickelten Flöten bis heute fast unverändert zum Einsatz.

Die nächste Live-Musik auf dem Hof Schweers gibt es am 15. November ab 19 Uhr. Dann eröffnet das Duo „Enchanté“ die dreitägige Weihnachtsausstellung. Diese bietet ebenso am 16. November von 11 bis 18 Uhr sowie am 17. November von 14 bis 17 Uhr viel Kunsthandwerk.

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