Auflösung aus Gesetzentwurf gestrichen/Freude bei Leitung und Elterninitiative

Sprachheilschule in Neerstedt bleibt erhalten

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Im Mai hatten Bianca Meyer und ihre Mitstreiter die Unterschriften für den Erhalt der Sprachförderschulen an den Präsidenten des Niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann, übergeben.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Die Lehrer, Eltern und Kinder der Sprachheilschule Neerstedt können aufatmen: Seit gestern steht fest, dass die Einrichtung erhalten bleibt. Die ursprünglich vorgesehene schrittweise Auflösung der Förderschulen Sprache zum kommenden Schuljahr wurden aus dem Entwurf zur Schulgesetznovelle gestrichen. Wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Vormittag bekannt gab, erhalten die neun Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache und die Sprachförderklassen in Niedersachsen einen unbefristeten Bestandsschutz.

Neerstedts Sprachheilschul-Leiter Jürgen Möhle freute sich über diese Entscheidung. „Es ist schön zu wissen, dass es weiter geht. Damit haben wir nun Planungssicherheit“, sagte er. Gleichzeitig betonte Möhle, dass dies kein Signal sei, sich jetzt „auszuruhen“. „Wir müssen uns auf den Weg machen und den inklusiven Gedanken weiter entwickeln“, meinte der Pädagoge, der vor allem durch die räumliche Nähe zur Grundschule, deren Leitung er zum neuen Schuljahr übernehmen wird (wir berichteten), viel Potenzial sieht. „Wir müssen nun verstärkt daran arbeiten, auch den Kindern mit Förderbedarf, die die Grundschule besuchen, gerecht zu werden“, erklärte er.

Groß war der Jubel bei den Eltern rund um Bianca Meyer, die Ende August 2013 die erfolgreiche Online-Petition zum Erhalt der Förderschulen Sprache gestartet und im Frühjahr 2014 mehr als 58000 Unterschriften in Hannover überreicht hatten. „Die Entscheidung ist genial“, sagte Meyer, bei der gestern unzählige Mails mit Glückwünschen aufliefen. „Unsere Arbeit hat sich gelohnt.“ Die Elterninitiative, aus der Mitte des Monats der Verein zur Sicherung der sonderpädagogischen Förderung von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen geworden ist, werde sich nun aber nicht auflösen. „Im Gegenteil: Wir werden den weiteren Prozess kritisch beobachten“, kündigte die stellvertretende Vorsitzende aus Neerstedt an. Vorhaben wie das angedachte Volksbegehren liegen aber erst einmal auf Eis.

Kultusministerin Heiligenstadt hatte am Vormittag die Ergebnisse des Anhörungs- und Beteiligungsverfahrens im Rahmen der geplanten Schulgesetznovelle vorgestellt. Ausgewertet wurden insgesamt 46 Stellungnahmen und Eingaben von Verbänden und schulpolitischen Akteuren, darunter die der Neerstedter Elterninitiative. „Anhören heißt zuhören! Wir nehmen den Beteiligungsprozess ernst und sinnvolle Änderungsvorschläge gerne auf“, sagte Heiligenstadt. So hätten die Stellungnahmen beispielsweise gezeigt, dass sich die Bildungsakteure mehr Zeit bei der Umsetzung der inklusiven Schule wünschten. Dem werde nun mit dem Erhalt der Förderschulen Sprache und der Sprachförderklassen entsprochen. Neue Sprachförderschulen sollen jedoch nicht genehmigt werden.

Die Ministerin machte aber auch deutlich, dass die Inklusion das Ziel bleibe. „Die politische Debatte um das Auslaufen der Förderschule Sprache hat in den vergangenen Monaten jedoch vieles überlagert. Sie darf sich nicht zum Hemmschuh für einen Prozess entwickeln, bei dem wir schon so viel erreicht haben. Wir werden diesen Weg jetzt noch behutsamer beschreiten und verstärkt für die Inklusion werben“, so Heiligenstadt. Die Förderschulen sollen künftig zudem die Funktion von Förderzentren übernehmen. Der Gesetzesentwurf werde entsprechend angepasst.

Die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Axel Brammer und Renate Geuter begrüßten die Entscheidung. „Die Förderschulen Sprache leisten eine hervorragende Arbeit im Bereich der Inklusion und der individuellen Förderung von gehandicapten Schülern, indem sie gezielt auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und sie so auf einen Wechsel zur Regelschule vorbereiten“, begründete Brammer in einer Pressemitteilung. Davon hätten sich Geuter und er während mehrerer Besuche in Neerstedt überzeugen können. „Wir finden es daher gut, dass die bereits bestehenden Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache auch im kommenden Jahr neue Schüler aufnehmen können“, teilen die beiden mit. Die Entscheidung gebe der Einrichtung in Neerstedt nicht nur Planungssicherheit, sondern ermögliche ihr eine positive Zukunftsperspektive. „Wir sind überzeugt, dass sich die Sprachheilschule auch in den kommenden Jahren positiv weiterentwickeln und dabei den Prozess der Inklusion voranbringen wird“, erklären Geuter und Brammer.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Ansgar Focke zeigte sich erfreut, dass die Ministerin endlich die Notbremse gezogen habe. „Das ist ein guter Tag für die Förderschule in Neerstedt und für die Kinder“, so Focke. Die Einsicht der Ministerin sei ein großer Verdienst der Elterninitiative.

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