Klimafreundliche Kommune bei regenerativer Stromerzeugung spitze, aber im Bereich „Verkehr“ gibt es Handlungsbedarf

Auch in Dötlingen ist noch Luft nach oben

Vor allem durch Biomasse- und Windkraftanlagen wird in der Gemeinde Dötlingen wesentlich mehr Strom produziert, als die Einwohner verbrauchen. - Archivfoto: Schneider

Dötlingen - Dötlingen bezeichnet sich gerne als klimafreundliche Kommune – und vieles spricht auch dafür. Zum einen wird in der Gemeinde sehr viel mehr Strom aus regenerativen Energien erzeugt, als verbraucht wird – nämlich 363 Prozent. Zum anderen gab und gibt es eine Vielzahl an Maßnahmen zur Energieeinsparung und Reduzierung der CO2-Emissionen. Von der Modernisierung der öffentlichen Liegenschaften über die Ausbildung des Nachwuchses zu Energiedetektiven bis hin zum Förderprogramm für die Sanierung von Altbauten reicht mittlerweile das Spektrum. Doch auch in der Gemeinde Dötlingen gibt es noch Luft nach oben. In welchen Bereichen Handlungsbedarf herrscht und was jeder einzelne Bürger selbst tun kann, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, verrät Lars Gremlowski im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gremlowski ist seit November 2012 der Klimaschutzmanager der Gemeinden Dötlingen und Ganderkesee und weiß inzwischen sehr genau, wo es in Sachen Energieeinsparung und CO2-Reduzierung noch Potenziale gibt. In der Gemeinde Dötlingen liegen sie vor allem in den Verhaltensweisen jedes Einzelnen. Dies zeigt auch die Energie- und CO2-Bilanz, die im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis Oldenburg erstellt wurde. Dafür wurde zwar mit Zahlen aus den Jahren 2010 bis 2012 gearbeitet, wesentliche Änderungen dürften sich für die Gemeinde Dötlingen seitdem aber nicht ergeben haben.

Dass die Kommune laut der Bilanz spitze in der regenerativen Stromproduktion ist, verwundert kaum. Mit 114 223 erzeugten Megawattstunden (MWh) in 2012 lag sie landkreisweit auf Platz zwei hinter der einwohnerstärkeren Gemeinde Großenkneten (132 978). Allein 65 212 MWh entfielen auf die Biomasse, wo sich die Produktion im Vergleich zu 2010 fast verdoppelt hatte. „In den vergangenen Jahren hat sich da aber kaum mehr etwas getan“, weiß Gremlowski. 39 480 MWh wurden durch Windkraftanlagen produziert. „In diesem Bereich wird es demnächst natürlich einen Anstieg geben, wenn der Windpark Haidhäuser ans Netz geht“, sagt Gremlowski.

So lobenswert der vordere Platz bei der regenerativen Stromerzeugung auch ist, desto unrühmlicher ist er bei den CO2-Emissionen. Denn da hatten 2012 nur noch die Gemeinde Großenkneten und die Stadt Wildeshausen höhere Werte. Auf 9,3 Tonnen kommt jeder Dötlinger im Jahr. Zwar wurde diese Zahl im Vergleich zu 2010 um 0,5 Tonnen pro Erwachsenem reduziert und liegt auch noch unter dem Bundesdurchschnitt von zehn Tonnen. Die Aufschlüsselung zeigt aber deutlich, wo es in der Gemeinde noch hapert – und zwar in den Bereichen Haushalt und Verkehr. Dort entstehen 37 beziehungsweise 36 Prozent der Emissionen. 26 Prozent entfallen auf die Wirtschaft.

Beim Verkehr bildete die Kommune 2012 gar das Schlusslicht im Landkreis. 3,5 Tonnen CO2 kamen hier auf jeden Einwohner. Die Tendenz im Vergleich zu 2010 war leicht steigend. „Hier macht sich natürlich deutlich bemerkbar, dass Dötlingen eine Flächengemeinde ist“, so Gremlowski. Die meisten Einwohner seien auf das Auto angewiesen, und in fast jedem Haushalt gebe es auch mehr als einen Wagen. Innerhalb des Arbeitskreises „Energieeffizientes Dötlingen“, der seit 2008 schon eine Menge Projekte angeschoben hat, habe es auch im Bereich „Verkehr“ immer wieder Überlegungen gegeben, wie der CO2-Ausstoß gesenkt werden kann. „In Klattenhof hatten wir dann ja auch mit Blick auf die Einrichtung eines Bürgerbusses den Bedarf abgefragt“, erinnert Gremlowski. „Die Resonanz war verhalten, weil dort die Nachbarschaftshilfe funktioniert.“ Ohnehin würden Maßnahmen wie ein Bürgerbus, die gewünschte Reaktivierung des Aschenstedter Bahnhofes oder ganz aktuell die Installation einer Ladesäule für Elektroautos in Dötlingen und die geplante Schaffung einer Fahrrad-Station am Brettorfer Bahnhof keine wirklich große CO2-Entlastung bringen. „Solche Angebote sind wichtig. Effektiver wäre aber die Reduzierung des Individualverkehrs – und da muss sich auch jeder selbst hinterfragen“, meint Gremlowski.

Der Klimaschutzmanager plädiert dafür, Fahrgemeinschaften zu bilden, wo es möglich ist – zur Schule, zum Kindergarten oder zum Training. „Schon, wenn sich nur zwei zusammentun, reduziert sich die Belastung in dem Moment auf die Hälfte“, erläutert er. Gremlowski würde deshalb auch gerne das Pendlerportal vorantreiben – und dies, um möglichst viele Bürger zu erreichen, über die Landkreisgrenzen hinaus.

Handlungsbedarf gibt es darüber hinaus im Bereich „Haushalt“. Hier kam jeder Dötlinger 2012 auf 3,3 Tonnen CO2. Einen höheren Wert gab es mit 3,4 Tonnen nur in der Samtgemeinde Harpstedt. Dass die Belastung in der Kommune im Vergleich zu 2010 um 0,3 Tonnen je Einwohner im Jahr gesunken ist, sei ein positiver Trend. Sparsameres Verhalten und energieeffizientere Geräte spiegelten sich auch in sinkenden Verbrauchszahlen wider. Über ein tatsächliches Umdenken lässt sich nur mutmaßen. Angesichts der zeitweise hohen Energiekosten hat der eine oder andere aber schon stärker auf vermeintliche Kleinigkeiten wie das Ausschalten des Lichtes beim Verlassen eines Raumes oder das Vermeiden vom Stand-by-Modus geachtet. Die Gemeinde Dötlingen hat hier schon vor Jahren angesetzt und Kita-Kinder sowie Grundschüler im RUZ Hollen zu Energiedetektiven ausbilden lassen. In den jeweiligen Einrichtungen, wo auch ein Controlling des Energieverbrauches erfolgt, sowie zu Hause sollen sie als Multiplikatoren fungieren.

Viel Potenzial bei Konsumverhalten

Gleiches erhofft sich Gremlowski vom Klimaschutzaktionstag in den Kitas, der am 15. April zum zweiten Mal über die Bühne geht. Nach der Ernährung in 2015 steht nun der Konsum im Fokus. „Beides sind leider Randthemen, obwohl genau in diesen Bereichen jeder selbst relativ einfach viel bewirken könnte“, bedauert er. Deutschlandweit entfielen 25 Prozent des CO2-Ausstoßes auf den Konsum und 15 Prozent auf die Ernährung. Wer dem Klima etwas Gutes tun möchte, sollte nicht nur regionale Produkte kaufen, um Transportwege zu sparen, sondern auch den Saisonkalender beachten. „Denn außerhalb der Saison müssen regionale Waren gekühlt werden. So entstehen wieder Emissionen“, weiß Gremlowski. Hier gelte es, die Gewohnheiten zu ändern. Dass dies durchaus funktionieren kann, zeige das Beispiel „Spargel“. Da sei es für den Großteil der Bevölkerung selbstverständlich, dass er nur wenige Wochen im Jahr konsumiert wird. Ein weiterer Punkt sei die fleischreduzierte Ernährung. Gremlowski möchte aber nicht den Zeigefinger erheben und den Vegetarismus einfordern. „Ab und zu mal auf Fleisch zu verzichten, hilft auch schon weiter“, sagt er.

Im Bereich „Konsum“ empfiehlt er, auf langlebige Produkte zu setzen und auf die Herkunftsländer zu achten. So könnten Müll und Transportwege vermieden werden. Im Supermarkt könnte jeder zu Mehrwegflaschen und verpackungsarmen Lebensmitteln greifen. „Hinzu kommen die Klassiker wie Einkaufstasche statt Plastiktüte“, ergänzt er. CO2-Emissionen ließen sich zudem vermeiden, indem man einen Großeinkauf macht, statt fünfmal die Woche loszufahren. Ähnlich verhalte es sich beim Online-Handel.

Gremlowski ist durchaus bewusst, dass in Sachen Klimaschutz nicht alle Menschen mitziehen werden. Umzudenken und sein eigenes Verhalten zu verändern, sei auch nicht gerade bequem. Um dennoch möglichst viele zu motivieren, möchte er auch in der Gemeinde Dötlingen weiterhin Aktionen wie Energieberatungen, „Taten statt warten“ und Vorträge organisieren. „Bei Letzteren hatten wir insgesamt schon 203 Zuhörer. Damit bin ich ganz zufrieden“, erklärt er. Zudem stehen im Förderprogramm „Energiebonus für Altbausanierung“ noch Mittel zur Verfügung. „Bislang gab es 83 Anträge“, fügt er hinzu.

Gespannt ist er, wie das Prämienheft in der Gemeinde Ganderkesee ankommt. Dort können die Einwohner zum Beispiel durch die Pflanzung eines Baumes, den hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage oder der Teilnahme an der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ Klimaschutzpunkte sammeln, dafür Prämien erhalten und zudem etwas gewinnen. „Mal schauen, ob das ein Anreiz ist“, so Gremlowski, der versichert, noch ein paar Ideen in petto zu haben.

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