Atem holen in der Galerie

Galeristin Heike Wendeln zeigt, wie Künstlerin Ilka Meyer arbeitet: Von ihren Installationen fertigt sie
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Galeristin Heike Wendeln zeigt, wie Künstlerin Ilka Meyer arbeitet: Von ihren Installationen fertigt sie

Der Atem ist das Sinnbild für das Leben. Er ist der Taktgeber, steht für ein Auf und Ab, für Bewegung, Veränderung und Vergänglichkeit. „Im Atemholen“ heißt die neue Ausstellung in der Dötlinger Galerie im Heuerhaus. Sie zeigt Werke der in Vechta lebenden Künstlerin Ilka Meyer.

Dötlingen – Es war im Jahr 2003, als Ilka Meyer in einem alten, rund 400 Quadratmeter großen Lager im Zollhafen Mainz 150 Kübel mit Pflanzen aufstellte. Mit der Aktion wollte die 1972 in Bremen geborene Künstlerin daran erinnern, wie Menschen Natur an einen anderen Ort transportieren, um so eine künstliche, organische Welt zu schaffen. „Pflanzstück“ nannte sie die Installation, die sie aus verschiedenen Blickwinkeln fotografierte. Die Arbeiten sind seit Sonntag in der Dötlinger Galerie im Heuerhaus zu sehen. Bis zum 8. November stellt Meyer dort unter dem Titel „Im Atemholen“ aus. Die Inspiration hierfür lieferte ihre Tätigkeit als Yogalehrerin.

Meyer hat an Kunstakademien in Mainz und Leipzig studiert und lebte jahrelang in Berlin, ehe sie nach Vechta zog. Dort hat sie neben ihrer Arbeit als Künstlerin und als Lehrbeauftragte an der Universität ihre Leidenschaft fürs Yoga zum Beruf gemacht. Die Atmung bedeute für sie eine zentrale Raum-Körper-Erfahrung. Räume und Landschaften spielen in den klein- und mittelformatigen Arbeiten auch eine große Rolle, weiß Galeristin Heike Wendeln.

Mal zeige Meyer unberührte Landschaften, mal Räume, in denen Objekte oder Bauwerke im Fokus stehen und von menschlicher Aktivität zeugen. Naturgetreue Abbildungen sind es nie. Meyers Werke, meist Serigrafien (Siebdrucke), sind auf der Basis von Fotografien durch Bearbeitung und Verfremdung entstanden. In einigen Fällen wie dem „Pflanzstück“ gingen den Bildern noch Installationen voraus.

Die Pflanzenwelt inspiriere die Künstlerin seit jeher, heißt es in der Ausstellungsankündigung. Es seien das wilde Wuchern, die Kraft, mit der sich die Natur in ungewohnten Umgebungen entwickelt und sich den Raum aneignet, die Meyer faszinierten. Auch der Mensch habe den Antrieb, voranzukommen, Wirklichkeit umzubauen. Diese menschlichen Einflüsse in die natürliche Umgebung ließen sich auf vielen der Serigrafien entdecken.

Heike Wendeln verlässt die Galerie

Typisch für Meyers Werke sind zudem waage- und senkrechte Achsen, die sie durch Bildelemente wie die Horizontlinie oder einen Baumstamm erreicht. Immer wieder finden sich auch Türme in den Arbeiten. Meyer stellt sie in die Landschaft – in einen Raum, in den sie eigentlich nicht gehören. 2009 stapelte sie beispielsweise Paletten im französischen Dijon. Fotos der Installation dienten später für unterschiedliche Drucke. Das Motiv entwickelte sich, erhielt verschiedene Farbschattierungen. In anderen Fällen sind es unterschiedliche Techniken. So war ein Foto von aufgestapelten Ästen Vorlage für eine Serigrafie, aber auch für eine Radierung und einen Holzschnitt.

Zwischen all die Werke mischen sich in der Dötlinger Galerie zwei Arbeiten, die scheinbar nicht zu den anderen passen. Das eine ist ein witziges Porträt von Meyers Hund Charly, das andere ein riesiges Ölbild mit dem Namen „Drifter“. Die florale Ansicht scheint unfertig, als würde die Künstlerin später noch einmal zum Pinsel greifen und nachbessern wollen. „Es ist sehr rudimentär, absichtlich unperfekt“, berichtet Wendeln, für die es übrigens die vorletzte Ausstellung im Heuerhaus ist. Wie sie auf Nachfrage bestätigte, hört sie nach drei Jahren als Dötlinger Galeristin auf und wird sich ab dem kommenden Jahr neuen Aufgaben widmen. Die Dötlingen Stiftung sucht derzeit einen Nachfolger und hat die Stelle ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 31. Oktober.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Im Atemholen“ ist bis zum 8. November immer mittwochs und freitags von 15.30 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 13 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr in der Galerie am Rittrumer Kirchweg geöffnet. Eine Vernissage ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht geplant. Besucher finden vor Ort aber unter anderem eine schriftliche Einführung in Ilka Meyers Werk von Dr. Christian Rabanus aus Wiesbaden. Weitere Informationen finden Interessierte zudem auf der Homepage www.galerie-im-heuerhaus.de.

Von Tanja Schneider

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