Die Nabu-Ortsgruppe hat für 2020 einiges auf der Agenda

Vom Artenschutzturm bis zum Erlebnispfad

Die Nabu-Mitglieder waren 2019 unter anderem im Poggenpohlsmoor (oben) sowie beim Neerstedter Rathaus aktiv, wo sie ein „Tierhotel“ einrichteten. Zudem kontrollierten sie unzählige Nistkästen und entdeckten dabei „Hausbesetzer“ (l.). Fotos: TS (2), Nabu

Dötlingen/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. Ansitzstangen für Greifvögel im Dorfgarten, die Beschilderung und Einweihung der Dötlinger Trauerschnäppermeile sowie die Aufwertung des Waldlehrpfades an der Lehmkuhle bei Wildeshausen – dies sind nur einige der Vorhaben, die für dieses Jahr auf der Agenda der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen stehen. „Wir haben viel vor“, bestätigen die beiden Sprecher Marianne Bernhard-Beeskow und Wolfgang Pohl. Aber auch 2019 war ein ereignisreiches Jahr.

Vogelschutz

Die Mitglieder der Ortsgruppe kümmern sich um mehrere 100 Nistkästen für Brutvögel, aber auch Fledermäuse, und jedes Jahr kommen welche dazu. „Der Vogelschutz ist nach wie vor ein Hauptpfeiler des Nabu“, sagt Pohl. Denn die Dichte der Habitaträume habe aus unterschiedlichen Gründen abgenommen. „Deshalb helfen wir nach“, erklärt er. Bei der Kontrolle und Reinigung erleben die Mitglieder immer wieder Überraschungen. Mal schauen Eichhörnchen aus den Kästen, mal nutzen Mäuse eine Nisthilfe als Winterquartier oder Vorratskammer. „Die Kästen sind dann bis obenhin voll mit Eicheln“, erzählt Bernhard-Beeskow. Der Nabu drücke in der Regel ein Auge zu. Im Rahmen der Kontrolle werden Bruterfolge erfasst. Dies soll langfristig Aufschlüsse über die Entwicklung der Vogel- und Fledermauspopulation geben.

Bis neue Behausungen von Vögeln angenommen werden, könne es durchaus dauern, wissen die Nabu-Sprecher. So hätten die 40 Kästen, die im Zuge des Projektes „Lebendiger Friedhof“ in Wildeshausen aufgehängt wurden, im Herbst 2018 nahezu leergestanden. „Ein Jahr später waren hingegen viele belegt, teilweise doppelt“, so Pohl. Leerstand herrscht ebenfalls noch im vor einem Jahr eingerichteten Artenschutzturm beim Neerstedter Rathaus. Er werde derzeit noch nicht so richtig angenommen. Dies könne aber auch an den Bauarbeiten für die Rathauserweiterung liegen. Auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen ist übrigens die Einrichtung eines weiteren Artenschutzturms geplant.

Der Schwalbenschutz stehe 2020 ebenso auf dem Programm wie die Einweihung der Trauerschnäppermeile, die seit 2016 in zwei Abschnitten entstanden ist und von Altona bis zum Dötlinger Lopshof führt. „Es fehlt nur noch die Beschilderung“, berichtet Bernhard-Beeskow. Da der Trauerschnäpper spät aus seinem Überwinterungsquartier zurückkehrt, findet er nicht immer ausreichend Nisthöhlen. Oft sind sie von Meisen besetzt. Die Nabu-Mitglieder haben deshalb auf einer Strecke von rund einem Kilometer etwa alle 70 Meter Dreiergruppen der Kästen angebracht. „Insgesamt 126 Domizile“, weiß Pohl.

Weniger aufwendig gestaltet sich da die Installation zweier Greifvogelansitze, die laut Bernhard-Beeskow in Absprache mit der Verwaltung im Dötlinger Dorfgarten erfolgen soll. „Hintergrund ist die Wühlmausplage“, erklärt sie. „Die Tiere fressen die Wurzeln der jungen Obstbäume ab. Es ist schon alles unterwühlt.“ Die Greifvögel sollen Abhilfe schaffen.

Gehölzschutz

Ob die Buchenreihe an der K 237 in Hockensberg oder die Blutbuche vorm Wildeshauser Krankenhaus – die Nabu-Ortsgruppe kämpft um jeden Baum und nimmt deshalb auch regelmäßig Stellung zu Bauleitplanungen. „Wir möchten zudem die Bürger sensibilisieren und ihnen erklären, warum das Thema – gerade vor dem Hintergrund des Klimaschutzes – so wichtig ist“, sagt Bernhard-Beeskow. Pohl begrüßt in diesem Zusammenhang, dass sich die Stadt Wildeshausen mit einem Handlungsrahmen für den Gehölzschutz befasst: „Das ist eine Entwicklung, die hoffen lässt.“

Nach der Radtour zu ausgewählten Naturdenkmalen in Dötlingen im Sommer 2018 plant die Ortsgruppe für dieses Jahr einen solchen Ausflug in Wildeshausen. Vor anderthalb Jahren hatte der Nabu unter anderem die Dötlinger Dorfeiche angesteuert, um deren Schutz die Mitglieder nicht nur im Rahmen des Heidewegausbaus besorgt waren. „Wir freuen uns deshalb sehr, dass der Bereich 2019 erstmals beim Seifenkistenrennen für Zuschauer gesperrt war“, sagt Bernhard-Beeskow. Dies strebe der Nabu auch für die Platane bei der Wildeshauser Alexanderkirche an, wenn dort Mittelaltermarkt ist.

Biotop-, Wald- und Artenschutz

Neben der Fortsetzung des Projektes „Insekten retten!“ und dem Bau von Nisthilfen für Insekten beschäftigen der Waldlehrpfad Lehmkuhle sowie das Poggenpohlsmoor den Nabu. In dem großen Kalkflachmoor, das sich zwischen Dötlingen und Ostrittrum erstreckt, gab es 2019 gleich mehrere Arbeitseinsätze. Die Nabu-Stiftung Oldenburgisches Naturerbe hatte fünf Grundstücke, davon vier direkt im Moor und eines außerhalb, erworben. „Insgesamt zwei bis drei Hektar“, schätzen Pohl und Bernhard-Beeskow. Auf diesen versucht die Ortsgruppe in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, den Moorcharakter zu erhalten beziehungsweise den Zustand des Gebiets zu verbessern.

Optimierungsbedarf sieht der Nabu auch bei der Wildeshauser Lehmkuhle. Der Wunsch: Aus dem Waldlehrpfad soll ein Walderlebnispfad werden. Derzeit liefen Gespräche mit mehreren Beteiligten. Das Vorhaben befinde sich in der Planungsphase, so Pohl.

Treffen, Vorträge und Exkursionen

Die Naturschutzgebiete im Landkreis stehen am 14. Januar ab 19 Uhr im Hotel „Gut Altona“ im Mittelpunkt. Ab Februar gehen die Monatstreffen dann im Wechsel im „Dötlinger Hof“ sowie im „Alten Amtshaus“ über die Bühne. Ein Vortrag über die „Windenergie im Spannungsfeld von Klima- und Artenschutz“ sowie eine Infoveranstaltung über das niedersächsische Volksbegehren zum Artenschutz sind schon fix. Das restliche Programm werde gerade festgezurrt und sei demnächst auf der Homepage zu finden. „Versuchsweise wollen wir kurzfristig noch eine winterliche Vogelexkursion anbieten“, verrät Pohl.

Die Ortsgruppe

Die Nabu-Ortsgruppe wurde im April 2016 in Dötlingen gegründet, 2017 schlossen sich die Wildeshauser an. Im selben Jahr kam eine Naturschutzjugend dazu. Laut Sprecherin Marianne Bernhard-Beeskow sind viele Engagierte an Bord. Die ehrenamtliche Arbeit mache Spaß und sei gleichzeitig sinnvoll. Aufgrund der umfangreichen Aufgaben seien aber stets Menschen willkommen, die sich einbringen möchten. Infos gibt es im Internet unter www.nabu-doewi.de.

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