Der alte Spieker auf dem Tabkenhof wird saniert – Zwei Wohnungen entstehen im Gebäude

Nach 30 Jahren ein neues Leben einhauchen

Wird saniert: der alte Spieker auf dem Dötlinger Tabkenhof. Verwalter Fabian Ebelt (rechts) steht mit Elektriker Marek Hartmann von der Firma „Ulpts Energie“ vor dem Fachwerkgebäude.
+
Wird saniert: der alte Spieker auf dem Dötlinger Tabkenhof. Verwalter Fabian Ebelt (rechts) steht mit Elektriker Marek Hartmann von der Firma „Ulpts Energie“ vor dem Fachwerkgebäude.

Dötlingen – Nach etwa 30 Jahren Leerstand soll der alte Spieker auf dem Tabkenhof in Dötlingen zum neuen Leben erweckt werden. Auf dem Gelände im Herzen des Dorfes herrscht am Dienstagvormittag reges Treiben: Mehrere Männer sind zugange, einige Fahrzeuge stehen auf dem Hof, Materialien liegen verstreut neben dem Gebäude und es ist laut – wie es auf einer Baustelle eben so üblich ist.

Seit Sommer vergangenen Jahres wird das alte Haus, das sich direkt neben dem reetgedeckten Hauptgebäude befindet, saniert. Aktuell wird das Dach mit neuen Pfannen eingedeckt, der Innenausbau schreitet ebenfalls voran.

In dem etwa 6,50 Meter breiten und circa 22 Meter langen Gebäude sollen zwei Wohnungen entstehen – „Vor der malerischen Kulisse der Dorfkirche“, sagt Fabian Ebelt, der seit Januar 2018 der Verwalter des Tabkenhofs ist, und lacht. Die kleinere hat eine Grundfläche von etwa 50 bis 55 Quadratmetern, die größere von circa 90 Quadratmetern, informiert er. In vier Monaten sollen die Mieter einziehen können. „Wir waren ursprünglich mal beim 1. März als Einzugstermin, aber durch Terminverschiebungen von Baufirmen und durch Materialmangel, die Dachpfannen kamen später als geplant, sind wir jetzt beim 1. Mai“, sagt Ebelt. Noch seien die Wohnungen nicht vergeben, Interessierte können aber schon bei Ebay reinschauen und sich melden. Dort sind die Wohnungen seit Kurzem eingestellt.

Im Erdgeschoss sollen jeweils ein offener Wohn- und Küchenbereich sowie Badezimmer Platz finden, im Obergeschoss Schlafzimmer und Abstellraum. Zudem soll jede Wohnung eine Terrasse mit süd-westlicher Ausrichtung und einem kleinen Grünbereich erhalten.

In Teilen ist der Dachstuhl des alten Gebäudes auf dem Dötlinger Tabkenhof erneuert worden.

Arbeiten begannen im Sommer 2021

„Das Haus stand jetzt 30 Jahre leer oder sogar noch länger. Anfang der 1990er-Jahre war es noch bewohnt, dann ist der Bewohner aber ausgezogen“, informiert Ebelt. Das Gebäude verfiel nach und nach. „Im Prinzip war alles Bruch da drin und das Dach war komplett kaputt.“ Daher sollte das denkmalgeschützte Gebäude damals abgerissen werden. Im Jahr 2000 habe es sogar eine Genehmigung dafür gegeben. Er hatte ebenfalls den Gedanken, einen Teil des Spiekers abzureißen, so Ebelt. Der Hausmeister des Tabkenhofes und er hatten dann aber die Idee, das Gebäude stattdessen stehen zu lassen und zu sanieren.

Im Sommer ging es dann los: „Wir haben das Gebäude komplett entkernt und nur noch das Fachwerk stehen lassen“, erklärt der Landwirt. Die Steine wurden entfernt, alle einzeln gesäubert und wieder eingemauert. „Das sind alles die alten Steine, wir haben nicht einen neu gekauft.“ Das Fachwerk sei zum Teil ersetzt worden. „Wir haben aber nur alte Bauteile verwendet“, sagt der Verwalter. Der Dachstuhl sei in Teilen erneuert worden. „Was ging, haben wir erhalten.“ Weiter sagt Ebelt: „Der Erhalt der alten Bausubstanz ist etwas Besonderes, das macht den Denkmalschutz ja auch aus.“

Bei der Sanierung des Spiekers entdeckt worden: dieses Bild des Malers Karl Dehmann.

Bei der Fenster- und Türengestaltung gebe es wegen des Denkmalschutzes Auflagen. „Auch die Dachpfannen müssen zusammen mit dem Denkmalschutz ausgewählt werden.“ Ebelt hebt hervor: „Die Zusammenarbeit mit Stefan Effenberger vom Landkreis Oldenburg läuft sehr gut.“

Bei der Entkernung des Gebäudes ein Bild entdeckt

Der Spieker stammt aus dem Jahr 1721. Der Hof ist seit 1830 im Besitz der Familie Tabken. 1341 ist er erstmals urkundlich erwähnt worden, informiert Ebelt. 1942 war das geschichtsträchtige Gebäude bei einem Fliegerangriff zerstört worden. Fünf Jahre später begann Landwirt Heinrich Tabken damit, das Wirtschaftsgebäude in seinem alten Fachwerkstil erneut zu errichten. (wir berichteten).

Nach diesem Brand zog Familie Tabken in den Spieker, den sie daraufhin vergrößerte. „Und da sind sehr viele alte Baumaterialien aus dem abgebrannten Haus reingegangen, wie Fachwerkbalken, die nicht ganz verbrannt sind“, so der Verwalter. Eigentümerin des Tabkenhofs ist Amelie Tabken, die ihn nach dem Tod ihres Großvaters und Vaters geerbt hat.

Während der Arbeiten hat Ebelt draußen einen Sandstein gefunden, der nun in einem der neu ausgemauerten Gefache mit dem Schriftzug „AT 2021“ seinen Platz gefunden hat. AT steht für Amelie Tabken. „Den Sandstein habe ich beschriften lassen. Ich fand das ganz schön. In dem Gebäude sind die anderen Jahreszahlen ja auch drin“, erzählt er.

Bei der Entkernung des Spiekers ist zudem ein altes Bild aufgetaucht, das von beiden Seiten bemalt ist. Eine Seite zeigt einen Waldweg, die andere ein Stillleben mit einer Blumenvase. Es stammt von dem Dötlinger Maler Karl Dehmann. Das fand der Dötlinger Heimatforscher Karsten Grashorn heraus.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen
Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer
Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit

Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit

Leitungen und Fachkräfte wegen Corona am Limit
Schockanruf verfolgt Ingrid Dräger aus Dünsen noch im Schlaf

Schockanruf verfolgt Ingrid Dräger aus Dünsen noch im Schlaf

Schockanruf verfolgt Ingrid Dräger aus Dünsen noch im Schlaf

Kommentare