Alte Post wieder zum Leben erweckt

Doreen Otte stellt Bücher vor / Neerstedterin beschäftigt sich mit Briefen ihres Uropas

Stellt ihre Bücher vor: Die 21-jährige Doreen Otte aus Neerstedt.
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Stellt ihre Bücher vor: Die 21-jährige Doreen Otte aus Neerstedt.

Neerstedt – Alles begann mit den Briefen, in denen ihr Uropa aus seiner Zeit im Krieg erzählte: Doreen Otte wurde neugierig und beschäftigte sich von da an mit ihrer Familiengeschichte. Die 21-jährige Ahnenforscherin aus Neerstedt hat am Samstag ihre mehr als zweijährige Arbeit vorgestellt. Aus ihren unzähligen Stunden der Recherche sind drei Bücher entstanden.

„Nach meinem Studium habe ich mir täglich zwei bis drei Stunden Zeit genommen“, erzählte die Studentin für Kommunikationsdesign. Ihr Vater Ralf Otte hatte im Keller rund 200 Briefe gefunden, die Doreens Urgroßvater Hermann-Diedrich Otte aus Paris nach Neerstedt schickte. In Frankreich hat der Marinesoldat seinen Kriegsdienst leisten müssen.

Zwei Jahre lang recherchiert

Die Briefe reichen bis in das Jahr 1939 zurück. Das erste Buch mit dem Titel „Wenn ich bei Dir wäre“ umfasst rund 600 Seiten und greift den Briefwechsel vom Urgroßvater auf. Auf 288 Seiten mit dem Titel „Post von Dir“ wird die Geschichte durch die Antwortschreiben der Urgroßmutter und der Familie an Hermann-Diedrich Otte weitererzählt. Das dritte Buch ist aus dem Studium der jungen Neerstedterin entstanden und hebt besondere Textausschnitte aus dem ersten Buch illustriert und typografisch hervor. „Die Rechtschreibung und den Satzbau habe ich vom Original übernommen, damit es authentisch wirkt“, so Otte. Für die Korrekturlesung haben sich Uwe Dölemeyer und ihr Vater die Zeit genommen.

Für die Vorstellung der Familiengeschichte waren annähernd 65 Familienmitglieder, Freunde und Unterstützer auf dem Firmengelände an der Huntloser Straße in Neerstedt zusammengekommen. „Die meisten kommen aus den umliegenden Landkreisen“, sagte die 21-Jährige. Ihre Tante Margret Mutke erzählte: „Auch wenn ich ein Kind aus diesem Hause bin, waren die Briefe zu meiner Zeit wohl einfach zu gut verwahrt. Und wahrscheinlich war es auch gut so.“ Dann richtete sie sich an ihre Nichte: „Wie viel Arbeit in deinen Werken steckt, ist kaum zu erahnen.“

Neben Margret Mutke haben weitere Personen bei den Arbeiten geholfen. So stand Gerold Spille der im Jahr 2000 geborenen Doreen für Rat und Tat zur Seite. „Gerne erinnere ich mich noch daran, als wir ins Gespräch gekommen sind. Ich war sehr überrascht, da ich es gewohnt bin, dass sich Ältere mit der Ahnenforschung beschäftigen“, zeigte er sich erfreut. „Die Probleme mit der deutschen Schrift haben wir gemeinsam gelöst“, so Spille. Die Briefe waren in der Sütterlinschrift verfasst. Doreen Otte erklärte ihre Vorgehensweise: „Dazu habe ich im Internet recherchiert und die Briefe nach und nach transkribiert.“

Briefe waren in der Sütterlinschrift verfasst

Unterstützen Doreen Otte (3.v.l.) bei der Arbeit: Tante Margret Mutke, Vater Ralf Otte, Mutter Birte Otte, Familienforscher Gerold Spille, Korrekturleser Uwe Dölemeyer und Oma Lore Otte (von links).

Ende April 2020 hat die junge Frau das vermeintlich fertige Buch drucken lassen. „Dann begann die Corona-Pandemie. In dieser Zeit schaute Papa nach Kinderfotos von sich, die er auf Whatsapp posten wollte. Zwischen den Fotos waren alte Briefe zu finden. Ich sagte zu Papa, dass er noch einmal zwischen den anderen Bildern schauen sollte.“ Ralf Otte suchte im Keller, und seine Tochter saß im Wohnzimmer am Handy und scrollte durch ihren Instagram-Feed. Nach einigen Minuten dachte sie: Was macht er da eigentlich so lange? Und kurz danach kamen 200 weitere Briefe zum Vorschein. „Als ich dann lachend und auch weinend da saß, habe ich überlegt. 15 Minuten später habe ich mich dann dazu entschieden, mir einen Überblick zu verschaffen“, zeigte sich Otte kämpferisch.

Der knapp 90-jährige Spille meinte: „Wenn du noch mehr über deine Vorfahren wissen möchtest, dann werde ich dir gerne helfen. Allerdings darfst du damit nicht mehr lange warten.“ Bereits mit 15 Jahren begann sein Interesse für die Geschichte. 2019 wurde Gerold Spille dafür von der Gemeinde Dötlingen ausgezeichnet.

Zum Ende ihrer Präsentation zeigte die 21-Jährige ein Video mit Fotos ihrer Familie und Videoszenen vom Hof. Es gibt noch viel in der Geschichte zu entdecken. Da die junge Familienforscherin nicht alle Personen auf den zahlreichen Familienfotos zuordnen kann, hat sie die Bilder mit Transparentfolie versehen, auf denen Bekannte die Namen auftragen können. „Und damals dachte ich: Es sind ja nur ein paar Briefe. Solange wird es nicht dauern“, scherzte die Neerstedterin.

Von Tamino Büttner

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