60.000 Haushalte im Gebiet

Müllumschlagstation in Neerstedt: Alle Hände voll Müll

Zwischen den Waagen behält Bettina Brandt den Überblick. Fotos: Backhaus
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Zwischen den Waagen behält Bettina Brandt den Überblick.

Müll war 2019 eins der großen Themen im Landkreis Oldenburg: Die Debatte um neue Sammelfahrzeuge, höhere Gebühren und auch die „Gelbe-Sack-Challenge“ hat viel Raum eingenommen. Wie sieht es eigentlich an der Müllumschlagstation in Neerstedt aus? Ein Besuch.

Neerstedt – Viele ruhige Minuten hat Bettina Brandt nicht. Sie sitzt auf der Waage, so heißt es hier, oder genauer gesagt: in einem kleinen Häuschen zwischen zwei Waagen, mit Blick auf das Einfahrtstor der Müllumschlagstation des Landkreises Oldenburg in Neerstedt. Schwenkt ein Fahrzeug auf die linke Spur, ist es meist gut beladen – mit Grünabfall, oder mit Sperrmüll.

38-mal haben sie und ihre Kollegin seit Jahresanfang bereits die großen Wagen empfangen, die im Landkreis kostenlos abholen, was die rund 60.000 Haushalte nicht mehr haben wollen. „Knapp acht Tonnen, das ist schon ziemlich viel“, sagt Brandt mit Blick auf die Tagesstatistik. Und das war nur eine der Fuhren am Donnerstag. Im Schnitt sind es vier oder fünf Tonnen, die ein Sammelfahrzeug abliefert. Zusätzlich landet alles, was bei den vier Wertstoffhöfen im Landkreis abgegeben wird, in Neerstedt.

Die erste Fuhre Sperrmüll ist gratis

Etwa 35 Kilogramm Sperrmüll gibt jede Person im Landkreis pro Jahr ab, das hat die Verwaltung errechnet. Im Landesvergleich ist das ein hoher Wert. Wahrscheinlich sei ein Grund dafür, dass eine Abholung pro Jahr kostenlos ist, sagt Tobias Bruns, Abfallberater des Kreises. Andere Dinge loszuwerden kostet Geld: Für Autoreifen mit Felge zum Beispiel fallen pro Stück sieben Euro an. Die Bereitschaft, für die Entsorgung zu zahlen, sei nicht immer da, beobachtet Bruns. Doch alles gratis anzunehmen sei auch keine Lösung: „Wir bieten kein Rundum-Sorglos-Paket an.“ Eine weitere Steigerung der Grundgebühr wolle der Kreis vermeiden.

„Ich hab’s gewogen, Sie fahren jetzt einmal zur Halle“, sagt Brandt am linken Fenster zu einem Kunden, der mit einem Trecker und Anhänger gekommen ist. Dann wendet sie sich einem Kunden am rechten Fenster zu, der zahlen und das Gelände verlassen will.

Auch defekte Mülltonnen gehören zum Abfall.

In der halboffenen Halle nebenan sortiert ein Baggerfahrer den großen Haufen vor sich. Der Inhalt des einen Containers geht zur Verbrennungsanlage, in einem anderen landen asbesthaltige Stoffe. Alles, was die Kunden als Restmüll anliefern, wird dort noch einmal angefasst. Immer wieder kommen Fahrzeuge, die den Abfallberg vergrößern. Eins davon ist grellorange. Auch die Kleidung der Männer, die aussteigen, hat diese Farbe. Es sind Müllwerker, die beschädigte Tonnen ausladen. Jeden Tag kommen sie dorthin. „Die gehen ganz leicht kaputt“, sagt Bruns – vor allem während der Ausleerung.

Jeden Tag kommt der Transporter mit kaputten Tonnen

Von der Rampe ihres Transporters kippen die Männer den Inhalt der braunen, schwarzen und grünen Behälter auf den Boden. Das ist übrigens der einzige Fall, in dem Hausmüll in Neerstedt landet: In der Regel wird er, bereits im Sammelcontainer, direkt in den Landkreis Ammerland geliefert. Die kaputten Tonnen hingegen bleiben in Neerstedt. Auf dem Gelände hinter der Halle stehen zahlreiche Stapel mit defekten Behältern. Sie sollen geschreddert und anschließend recycelt werden, erklärt Bruns. Der Ersatz steht bereits daneben.

Dass bald weniger von ihnen nötig sein könnten, ist nicht sein Eindruck. Neben der Firma Remondis, die die Müllumschlagstation bewirtschaftet, sind drei weitere Unternehmen im Auftrag des Landkreises unterwegs, um Abfall, darunter illegal abgelagerten, einzusammeln. Auch Brandt, die Frau zwischen den Waagen, findet: „Es ist überraschend viel zu tun.“ Ab dem 1. April gilt deshalb wieder der „lange Freitag“: Bis 18 Uhr ist dann Zeit, Überflüssiges und Ungeliebtes zu entsorgen.

Zur Info: Eine Extratonne für Wildschweinabfälle

Als Maßnahme zur Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest hat das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg im Dezember eine spezielle Tonne für Wildschweinabfälle an der Müllumschlagstation in Neerstedt aufgestellt. Sie soll Jägern die Möglichkeit bieten, Schwarten, Innereien sowie Fleischreste kostenlos und sicher zu entsorgen. Der Behälter hat eine Kapazität von 700 Litern und ist derzeit bereits zu drei Vierteln gefüllt, sagt Uwe Dölemeyer vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft im Landkreis. Die Entsorgung erfolge durch ein Spezialunternehmen, bei der er nun die erstmalige Abfuhr beantragt habe.

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