Nur ein Turm steht noch

Rückbau des Erdgasporenspeichers in Dötlingen: Achtung, Turm fällt!

Beim Rückbau setzt Exxon auf Transparenz: Für die kommenden Wochen steht eine Infobox bei der Baustelle, in der sich Interessierte zwischen 8 und 18 Uhr informieren können – via Flyer und Touchscreens. Es gibt Wissenswertes, aber auch Fotos und Videos. Offiziell eröffnet wurde die Box von Bürgermeister Ralf Spille sowie den Exxon-Vertretern Peter Thie, Hans-Hermann Nack und Pia Sophie Wehrhahn (v.l.).

Seit September läuft der Rückbau des Erdgasporenspeichers in Dötlingen. Er wird sich noch über Jahre hinziehen. Am Mittwoch erfolgte ein wichtiger Schritt: Der vorletzte der fünf Türme wurde abgerissen. Die 43 Meter hohen Schornsteine hatten über Jahrzehnte das Landschaftsbild geprägt.

Dötlingen – Es rumst gewaltig, als der 50 Tonnen schwere Turm auf dem Boden aufschlägt. Auch eine kleine Erschütterung ist zu spüren. Der 43 Meter hohe Stahlkoloss ist der vierte von insgesamt fünf Schornsteinen auf dem Verdichterplatz, die im Zuge des Rückbaus des Dötlinger Erdgasporenspeichers weichen müssen. Der letzte soll in etwa zwei Wochen fallen. Das Spektakel dürfen am Mittwochnachmittag auch Verwaltungsvertreter, Ratsmitglieder und Anlieger verfolgen. Die ExxonMobil Production hat sie eingeladen. Vor Regen und Kälte geschützt sichern sich die Besucher in einem Baucontainer Fensterplätze und blicken gespannt in Richtung Turm. Vom oberen Ende verläuft ein Stahlseil zu einem Bagger, dessen Fahrer auf das Signal wartet. Als es kommt, legt er den Rückwärtsgang ein. Zunächst passiert nichts, dann ist ein Knacken zu hören. Der Turm neigt sich – erst langsam. Dann nimmt er Fahrt auf und kippt.

„Alles ist nach Plan verlaufen“, vermeldet Projektleiter Sascha Andräs anschließend. Während sich die Besucher schon Suppe und Brot schmecken lassen, informieren er sowie Peter Thie und Hans-Hermann Nack über die bisher erfolgten Arbeiten und die nächsten Schritte. Dabei müssen die Exxon-Vertreter immer wieder Fragen beantworten.

Seit September läuft der erste von drei Rückbauschritten des Speichers, der über Jahrzehnte die Gemeinde Dötlingen geprägt hat – sowohl optisch als auch wirtschaftlich. Die üppig sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen trugen sicherlich ihren Teil dazu bei, dass die Kommune seit dem Jahr 2000 schuldenfrei ist. Mit der Stilllegung sanken auch die Einkünfte der Gemeinde. Dennoch: ExxonMobil ist nach wie vor ein großer Gewerbesteuerzahler. Etwa 70 Mitarbeiter sind in dem Verwaltungstrakt, der stehen bleiben wird, tätig und betreuen den Betrieb der Erdgas- und Erdölbohrungen im Bereich Südoldenburg.

Der erste Abschnitt beinhaltet den Rückbau der oberirdischen Anlagen. Ein Großteil der Verdichterhallen und Türme ist schon verschwunden. Tonnenweise Beton, Stahl und weitere Materialien werden über eine eigens angelegte Zufahrt abtransportiert. „Dabei müssen die Lkw-Fahrer vorgegebene Strecken einhalten“, sagt Nack. Der Stahl – insgesamt rund 3 300 Tonnen – werde zu hundert Prozent wiederverwertet. Das gelte auch für den nun gefallenen vierten Turm, dessen Zerlegung etwa zwei bis drei Tage dauere. „Bis auf ein symbolisches Stück, das die Gemeinde Dötlingen erhält“, ergänzt der Verantwortliche für Unternehmenskommunikation.

Die Arbeiten liegen dank des milden Winters im Zeitplan. Neben den offensichtlichen Anlagen müssen auch Kabel und Leitungen im Boden verschwinden. „Das ist einer der folgenden Schritte“, erklärt Thie. Anschließend gehe es – vermutlich ab 2022 – an den Ausbau der Förderrohre sowie die Verfüllung der 15 Bohrungen mit Zement. Die gesamte Maßnahme könnte 2025/2026 abgeschlossen sein. Die Nachnutzung der 15 Hektar ist noch nicht geregelt. Denkbar wäre weiteres Gewerbe. „Falls keine Folgenutzung kommt, müssen wir das Gelände wiederherstellen“, sagt Nack. Heißt: Straßen, Fundamente und Ähnliches müssten zurückgebaut werden.

Der Porenspeicher

Der von 1983 bis 2012 betriebene Erdgasspeicher an der Straße „Zum Poggenpohlsand“ in Dötlingen war einer der größten und leistungsstärksten Porenspeicher in Westeuropa. Nach Angaben von ExxonMobil spielte er eine bedeutende Rolle bei der Erdgasversorgung Deutschlands. Mehr als zwei Milliarden Kubikmeter konnte er aufnehmen. Das hätte ausgereicht, um etwa 800.000 Wohnungen ein Jahr lang zu beheizen. Gespeichert wurde das Erdgas in rund 2 650 Metern Tiefe in einer ehemaligen leergeförderten Lagerstätte – in der geologischen Formation des Buntsandsteins. Dieser verfügt über kleine Poren, in die damals das Gas gepumpt und bei Bedarf wieder herausgefördert wurde. Hohlräume unter der Anlage gibt es also nicht. Da der Speicher mit der Zeit poröser wurde, war der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich und wurde 2012 eingestellt. Der vor gut zwei Jahren beschlossene, millionenteure Rückbau erfolgt nach einem vom Landesbergbauamt genehmigten Betriebsplan.

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