Volontärin Alina Pleuß nimmt auf der „Nimm mich mit“-Bank Platz

Selbstversuch: Abwarten und Tee trinken

+
Volontärin Alina Pleuß unternahm den Selbstversuch auf der „Nimm mich mit“-Bank in Dötlingen. Das erhoffte Ziel war, wieder in die Redaktion in Wildeshausen zurückzukehren.

Dötlingen - Von Alina Pleuß. Hinsetzen, warten, mitfahren: so sollen die „Nimm mich mit“-Bänke funktionieren. In Dötlingen, Neerstedt, Brettorf, Klattenhof, Vossberg, Aschenstedt und Ostrittrum stehen die Exemplare seit rund drei Monaten. Wie gut das Konzept in Dötlingen in der Praxis funktioniert hat Volontärin Alina Pleuß gestern getestet.

Um 11.20 Uhr nahm ich auf der Bank Platz. Zuvor klappte ich das kleine blaue Schild auf dem „Nimm mich mit“ prangte, auf. Noch schien die Sonne. Im ersten Moment hatte ich Sorge, dass eventuell zu wenige Autos auf dieser Strecke fahren würden. Doch bereits in den nächsten Minuten passierten einige Wagen die Straße am Dorfring. Keiner hielt an. Einige Zeit später versuchte ich mit den Autofahrern Blickkontakt aufzubauen, wobei mir auffiel: Die meisten sahen mich gar nicht. Es ist kein Wunder, denn die Bäume und das Buschwerk schirmten mich und die Bank von der Straße ab. Hinzu kommt, dass die Bank an einer Kurve platziert ist. Wie ich beobachten konnte, konzentrierten sich die Autofahrer an dieser Stelle auf die Straßenverhältnisse und den Verlauf der Fahrbahn. Außerdem ist das Schild für Personen, die nicht auf die Bank achten, schlecht zu erkennen. Dass eine „Nimm mich mit“-Bank am Rande steht, fällt nur den Wenigsten auf.

Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen. Ab und an kam es nun doch dazu, dass mich Autofahrer ansahen. Doch anstatt zu halten oder meine missliche Lage zu respektieren, hielt ein Wagen an, der Beifahrer lachte mich aus, und die Männer setzten ihre Fahrt fort. Ein anderer Mann winkte mir zu und fuhr weiter. Niemand ist verpflichtet anzuhalten.

Nach einer Stunde kamen der Starkregen und der Wind dazu. Ohne Dach über der Bank wurde es ungemütlich. Immer noch hielt keiner an. Ich dachte darüber nach, was diesem Konzept, das in der Theorie so gut klingt, in der Praxis fehlt. Die Antwort: Die Autofahrer, die sich die Zeit nehmen und ihre Hilfe anbieten. Von den durchschnittlich fünf Autos pro Minute, die die Straße an der Bank befuhren hielt in der Zeit von 11.20 Uhr bis 13 Uhr keiner an. Wegen der unveränderten Wetterlage brach ich, nass bis auf die Knochen, den Selbstversuch ab. Unter anderen meteorologischen Umständen wäre das Warten mit einem guten Buch sicherlich angenehmer gewesen.

Als kleiner Appell an die Autofahrer, die in der Gemeinde Dötlingen und den umliegenden Ortsteilen unterwegs sind: Ein kurzer Blick, ob jemand auf einer „Nimm mich mit“-Bank sitzt, schadet nicht. Nach dem Selbstversuch konnte ich zumindest feststellen, dass ein Konzept wie dieses zur Stärkung der Gemeinschaft, mehr Beachtung finden sollte.

Und ein kleiner Rat für die potenziellen Mitfahrer: Nicht so schnell aufgeben. Ein Buch mitnehmen, gegebenenfalls auch einen Regenschirm und weiterhin an die Menschheit glauben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Meistgelesene Artikel

Politik regt Wohnungen oder Hotel über dem Rewe-Markt an

Politik regt Wohnungen oder Hotel über dem Rewe-Markt an

Alt-Wildeshausen aus der Vogelperspektive betrachten

Alt-Wildeshausen aus der Vogelperspektive betrachten

Pater Michael Padupurackal aus Indien kommt in Harpstedt gut an

Pater Michael Padupurackal aus Indien kommt in Harpstedt gut an

Elf Millionen Euro Strafe für Geestland

Elf Millionen Euro Strafe für Geestland

Kommentare