WFC 27801 fährt mit drei Bussen zum Auswärtsspiel in Köln

160-fache Werder-Liebe on Tour

Die Fans feiern im Bus ihren SV Werder Bremen.

Köln/Brettorf - Von Ove Bornholt. Was wären Fußballvereine ohne ihre Fans? Unsere Zeitung hat den Werder Fan-Club (WFC) 27801 zum Auswärtsspiel beim 1. FC Köln am Sonnabend begleitet.

Wie auch immer Schiedsrichter Felix Zwayer nach dem Spiel des SV Werder Bremen in der Domstadt nach Hause gekommen ist, es war eine gute Entscheidung, nicht in einen der drei Busse des WFC 27801 zu steigen, die zurück zum Haus der Vereine in Brettorf fuhren. Von den 160 Männern, Frauen und Kindern, die „Wir sind Werder Bremen“ in der Dauerschleife sangen, mit ihren Trikots, Schals und Mützen problemlos einen Fanshop ausstatten könnten und in deren Adern „grün-weißes Blut“ fließt, hätte er sich einige Vorwürfe anhören müssen. Immerhin hatte er den Bremern ein reguläres Tor aberkannt. Doch in diesem Artikel geht es nicht um das 0:0, das Werder ein Endspiel um den Klassenerhalt beziehungsweise die Relegation beschert hat, sondern um die Liebe der WFC-Mitglieder zu ihrem Verein.

Einer von ihnen ist Heiko Stapel (54) aus Wildeshausen. Der Mann mit dem Trikot von Fin Bartels fühlt sich Werder seit dem sechsten Lebensjahr verbunden. „Auch wenn mein Onkel ein fanatischer HSV-Fan ist“, merkt er mit einem Lächeln an. An die vier Spiele in wenigen Tagen gegen die Hamburger in der Saison 2008/09 erinnert er sich sehr gern. Besonders an das Elfmeterschießen, das der SVW gewann. „Hut ab vor dem Verhalten der Hamburg-Fans nach dem Spiel! Wir dachten, die machen Randale, aber sie waren sehr freundlich“, meint der Stabsfeldwebel außer Dienst, während der Bus gegen 8.40 Uhr in Brettorf los fährt.

Als der WFC Osnabrück passiert, schiebt sich ein Bus mit Köln-Fans aus Lohne zwischen die Werder-Fahrzeuge. Die Gruppen winken sich zu. Es fällt kein böses Wort. Auch Simon (9) beteiligt sich. Er sitzt mit Freundin Vanessa (9) und seiner Mutter Martina Lehners (34) aus Dötlingen im „Sänger“-Bus. Es gibt auch noch den „Tänzer“- und den „Charly“-Bus. Das Trio fährt zum ersten Mal ins Stadion. Martina Lehners „flippt ansonsten nur auf der Couch aus“, sagt sie. Ihr Sohn hatte die Karten bei einer Verlosung des WFC gewonnen. „Er war ganz stolz“, berichtet sie. Pizarro habe er am liebsten, so der junge Werder-Fan.

Im Gegensatz zu ihm sind die Wildeshauserinnen Bärbel Weiß (68) und Sandra Wieking (44) schon ein bisschen länger dabei. Das Mutter-Tochter-Gespann fährt zum zweiten beziehungsweise vierten Mal mit. Sandra Wieking, die schon seit 30 Jahren die Daumen für Werder drückt, hatte ihre Mutter in der Saison 2007/08 zum Spiel gegen Bielefeld ins Weserstadion mitgenommen. Es setzte ein 8:1 für die Ostwestfalen. „Sie hat offensichtlich kein Unglück gebracht. Seitdem darf sie öfter mal mit“, meint Tochter Sandra Wieking und grinst. Was den Klassenerhalt angeht, ist sie bei aller Liebe etwas skeptisch. „Mit viel Kampf geht es, aber das Zusammenspiel klappt noch nicht. Wenn sie absteigen, haben sie es verdient.“

Kurz vor 13 Uhr ist Köln erreicht. Die Busse parken in der Nähe des Stadions. „Grillmeister“ Maik Höfel (36) aus Brettorf legt Würstchen auf den Rost. Dazu gibt es Brötchen, Bananen und Leberkäse – genau wie Getränke ist alles im Preis von 75 Euro für einen Erwachsenen inbegriffen. Eine Stunde später steuern die WFC-Fans in kleinen Gruppen die Spielstätte an. Sie sitzen auf der Nordtribüne, fiebern und singen mit, wenn Werder Chancen hat, und zittern, wenn der FC auf das Tor von Wiedwald schießt.

WFC-Fahrt nach Köln

Eine halbe Stunde nach Abpfiff sind die meisten Anhänger wieder beim Bus und verzehren gemütlich den Rest des Grillguts. Simon meint, das Spiel war spannend. Sein Höhepunkt war ein Hot Dog im Stadion. Ein paar Sitze weiter wird fleißig gerechnet: „Wenn Werder gegen Frankfurt unentschieden spielt, was dann?“ und „Wie viele Punkte hat Stuttgart?“ lauten die bangen Fragen.

„Siebenundzwanzig!“ – „Achtnulleins!“

Einige regen sich auf, andere können schon wieder lachen. Um 18.36 Uhr fahren die Busse wieder zur Autobahn. Und als die Schlagerbardin Anna-Maria Zimmermann „Die Tanzfläche brennt“ singt, löschen viele Fans ihren Durst und auch ein wenig den Frust mit Haake-Beck aus dem Bordkühlschrank, während der Bus Richtung Brettorf rollt. Dort verabschieden sie sich gegen 23 Uhr mit dem dreifachen Schlachtruf „Siebenundzwanzig!“ – „Achtnulleins!“ voneinander. Sie kommen vermutlich zufriedener zu Hause an als Schiri Zwayer.

Lesen Sie auch: WFC-Präsident Ingo Kläner im Interview

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