Ahlhorner Johanniter während der Loveparade im Einsatz

Dienst unweit des Dramas

Andreas Böden von den Ahlhorner Johannitern leistete Dienst während der Loveparade nur unweit des Dramas.

Ahlhorn - (ck) · Zum Nachdenken kam Andreas Böden am Sonnabend noch nicht. „Wir hatten genug mit den Behandlungen zu tun“, berichtet der Rettungssanitäter der Ahlhorner Johanniter von seinem ehrenamtlichen Einsatz während der Loveparade in Duisburg.

Der 29-Jährige und seine vier Kollegen aus dem Johanniter-Regionalverband Weser-Ems leisteten Dienst in ihrer Unfall-Hilfsstelle am Hauptbahnhof, zu dem die Massen nach dem Drama mit 19 Toten strömten. Am Sonntagmorgen brach Böden wieder gen Heimat auf – und informierte sich erst in Ahlhorn genauer über die Tragödie.

Direkt ins Geschehen in der Nähe des Unglückstunnels musste er nicht eingreifen, aber die Versorgung von Kreislaufpatienten oder zu sehr alkoholisierten Gästen erwies sich als anstrengend genug. Zudem stand Böden bis nach 21 Uhr in Bereitstellung – für den Fall, dass weitere Einsatzkräfte auf dem Hauptgelände mit den fast 500 Verletzten benötigt worden wären. Per Funk blieb die Reserve einigermaßen auf dem Laufenden. „Während dieser Zeit macht man sich natürlich schon mal Gedanken, was einen dort erwarten könnte“, sagte Böden gestern nach der Rückkehr in der Ahlhorner Wache. „Ausgebildet sind wir dafür, aber es ist immer schwierig, sich darauf vorzubereiten.“

Nach der Anreise am Freitag stand morgens zunächst die Begehung des Areals an, für das der Ahlhorner und seine vier Kollegen aus dem Regionalverband zuständig sein sollten. Neben ihm hatten noch zwei Delmenhorster sowie je ein Mitglied aus Oldenburg und Nordenham den Weg ins Ruhrgebiet angetreten. Erst gegen Mitternacht konnten die Johanniter das Behandlungs- und das Betreuungszelt wieder abbauen.

Zwei Stunden zuvor durfte sich Stefan Greiber als Kommunikationsreferent des Regionalverbands in Oldenburg sicher sein, dass seinen Kollegen nichts passiert war. „Wir wussten zwar ungefähr, wo sie Position bezogen hatten, aber nach dem Rückruf war ich natürlich erleichtert“, unterstrich Greiber.

Vier Wochen vor dem Mega-Techno-Ereignis hatten die Veranstalter die Gruppe des Bezirks für Duisburg angefordert – ebenso wie rund 340 weitere Johanniter und viele DRK- und Malteser-Aktive aus ganz Deutschland. Regionalbereitschaftsführer Jonathan Fischer aus Oldenburg und sein Team sorgten in Erstversorgungstrupps dafür, dass kleinere Verletzungen oder das bei derart großen Menschenereignissen durchaus mögliche Unwohlsein Einzelner nicht lange unbehandelt blieben. „Wir haben per Funk die Aufenthaltsorte erfahren und uns dann mit Rucksack und gegebenenfalls mit Trage zu Fuß auf den Weg gemacht“, skizzierte Böden den Ablauf.

Demnächst steht für den Ahlhorner und den Rest der Gruppe noch eine Einsatz-Nachbesprechung an. „Nach derartigen Ereignissen bieten wir auch eine psychosoziale Betreuung“, erläutert Greiber. Die braucht Andreas Böden jedoch nicht, wie er gestern meinte: „Von den Todesfällen habe ich ja direkt kaum etwas mitbekommen.“

Auf jeden Fall will der 29-Jährige im Fall weiterer Anforderungen wieder zu Großereignissen anrücken – wenn es der Schichtplan auf der Rettungswache zulässt. Die Anfrage für den Berlin-Marathon liegt den Ahlhornern bereits vor. „Schließlich habe ich den Beruf ja ergriffen, um anderen Menschen zu helfen.“

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