Besuch auf dem Friedhof / Neue Stele

„Die Leute vergeuden das Wasser“

Heiko Wittrock an der Stele im Urnengarten. Darauf ist nur noch wenig Platz.

Wildeshausen - Von Joachim Decker· Wasserverschwendung, Arbeiten in brütender Hitze und eine Stele: Jetzt, wo ganz Deutschland unter der tropischen Wärme leidet, haben wir den Wildeshauser Friedhof besucht, um zu sehen, wie sich die Trockenheit hier auswirkt. Mit dem Leiter der städtischen Außenstelle Friedhof, Heiko Wittrock, haben wir einen Rundgang gemacht.

„Eigentlich geht hier alles seinen ganz normalen Gang“, sagt der gelernte Zierpflanzengärtner, der seit 20 Jahren auf dem Friedhof tätig ist und seit 15 Jahren die Leitung inne hat. „Allerdings geht es mir immer wieder im wahrsten Sinne des Wortes auf den Keks, wenn ich sehe, wie die Leute hier das Wasser vergeuden.“ So sei es keine Seltenheit, dass die Menschen gießkannenweise das Wasser über die Gehwege gössen: „Spreche ich sie darauf an, bekomme ich zur Antwort, dass sie die Wege dann besser harken könnten, damit es besser aussehe.“ Er habe nichts dagegen, wenn die Besucher ihre Blumen ausreichend gössen, aber eine solche Verschwendung dürfe einfach nicht sein: „Immerhin verbrauchen wir hier an Sonnentagen bis zu zwölf Kubikmeter Wasser.“

Wittrock erzählt weiter, dass er nur die Hecken und frisch gepflanzten Sachen wässere: „Der Rasen wird vernachlässigt, das würde noch einmal enorm viel Wasser kosten.“ Ansonsten dürfe die Hitze bei seiner Arbeit keine Rolle spielen: „Der liebe Gott macht eben keine Pause. Wenn er einen Mitmenschen zu sich ruft, dann muss auch das Grab ausgehoben werden.“ Dann trifft Wittrock im Hochsommer im Vergleich zum Winter auf das nächste Extrem. „Vor ein paar Monaten musste ich fürs Ausheben der Gräber noch den Presslufthammer benutzen. Dafür sitze ich jetzt bei über 35 Grad in der Baggerkabine. Das ist eben der Ausgleich.“

Im Urnengarten fällt auf, dass auf der großen Stele kaum noch Platz ist für Namensschilder. „Ja“, sagt Jens Kuraschinski, Allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, „als wir den Urnengarten 2008 angelegt haben, hat keiner mit einer solch großen Resonanz gerechnet“. Damit spricht er die Tatsache an, dass auf der Fläche in den zwei Jahren bereits 70 Urnen beigesetzt wurden: „Wir hatten mit zehn bis 15 pro Jahr kalkuliert. Der Urnengarten ist für Menschen gedacht, die keine Angehörigen für die spätere Grabflege haben.“

Wittrock klärt auf, dass noch Platz für etwa 130 Urnen ist. Wichtig sei jedoch, dass jetzt eine zweite Stele angeschafft werde. „Die Ausschreibung hierfür läuft, wir mussten auf die Freigabe des Hauhalts warten“, sagt Kuraschinksi. Die neue Stele koste etwa 10 000 Euro.

Beim Verlassen des Friedhofs zeigt Wittrock auf Eichen: „Die wurden im Winter aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht beschnitten. Viele haben darüber gelacht, aber die Bäume sehen wieder sehr gut aus.“

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