„Aktenzeichen XY ungelöst“ hat Mordfall Nicole Stindt aufgerollt / Spekulatives „Blind Date“ pietätlos dargestellt

Dichtung und Wahrheit vermischen sich

„Gewalt gegen den Hals“ vermutet die Mordkommission als Todesursache: Der Fall Nicole Stindt erweist sich für die Ermittler nach wie vor als harte Nuss.

Groß Ippener/Stuhr · Mindestens zwei Stunden muss der Mörder von Nicole Stindt gebraucht haben, um das im Frühjahr entdeckte, 85 Zentimeter tiefe Grab für sein Opfer im Buchholz bei Groß Ippener zu schaufeln – vorausgesetzt, er hatte keine Helfer. Wie konnte dies unbemerkt bleiben?

Diese und weitere Fragen geben der Mordkommission „Buchholz“ Rätsel auf. Deren Leiter Heiner Richmann stellte am Mittwochabend in einem Beitrag in der ZDF-Reihe „Aktenzeichen XY ungelöst“ eine Vermutung zum Todeszeitpunkt an: Die Ermittler schließen nicht aus, dass Nicole Stindt aus Stuhr bereits in der Nacht zum 19. August 2009 ermordet wurde – wenige Stunden nach dem Verlassen des Hundeplatzes in Bassum, wo Zeugen sie letztmalig lebend gesehen hatten. Am Morgen des 19. August war „Lana“, die Schäferhündin der Getöteten, in Dötlingen mit einem Futterbeutel entdeckt worden. Möglicherweise habe der Mörder den Vierbeiner ausgesetzt; und es könne sein, so hieß es bei „XY“ weiter, dass „Lana“ ihm eine Bisswunde zugefügt habe.

„Es gibt Schicksale, da muss man richtig schlucken“, kommentierte Moderator Rudi Cerne den Fall, der gleich zu Beginn der Sendung über den „Äther“ ging. Er spielte damit auch auf die Biografie der Ermordeten an, die im Alter von nur 38 Jahren ihr Leben lassen musste. Sie war Epileptikerin, trug eine Bandscheibenprothese, litt unter einem körperlichen Makel als Folge eines Geburtsfehlers, hatte keine geregelte Arbeit, lebte von Hartz IV und den Verkaufserlösen aus einem geerbten Haus. Sie musste sich mit Verwandten herumschlagen, die einen Pflichtteil an der Erbschaft einforderten und sogar versuchten, ihr ihren Toyota Corolla abspenstig zu machen – ein Zwangsvollstreckungstermin für das Fahrzeug war bereits anberaumt. Es gebe Hinweise darauf, dass der am 19. August 2009 am Breitenweg in Bremen – im Parkverbot – entdeckte Wagen „um den 18. August herum zum Verkauf angeboten wurde“, hieß es bei „XY“. Hatte Nicole Stindt selbst versucht, den grauen Corolla Kombi zu veräußern, um der Zwangsvollstreckung zuvorzukommen? Diese Frage blieb offen.

Die gelernte Arzthelferin lebte zuletzt zurückgezogen mit zwei Hunden in ihrer Stuhrer Wohnung, hatte kaum Freunde, trug sich mit Suizidgedanken und befand sich in psychotherapeutischer Behandlung. Über die Partnerschaftsbörse „friend-scout24“ suchte sie unter dem Pseudonym „Julchen71“ Sexualkontakte zu Männern. Mit einigen soll sie sich in ihrer Wohnung getroffen haben. „XY“ stellte ein völlig spekulatives „Blind Date“ in einem kurzen Spielfilm nach – in erschreckend pietätloser Weise: Die Zuschauer bekamen eine nachgestellte Szene zu sehen, in der sich ein Mann angeekelt abwandte von der gespielten Nicole Stindt – wegen ihres Geburtsfehlers, eines „Spalts in der Bauchdecke“. Überhaupt vermischten sich Dichtung und Wahrheit in dem Beitrag. Andrik Hackmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, gab gestern offen zu, dass er lediglich den zweiten Teil, in dem Heiner Richmann die Faktenlage schildern konnte, überzeugend fand.

Eine schon im Oktober passierte „Fernsehpanne“ hätte sich indes fast wiederholt: Die Mordkommission „Buchholz“ erhofft sich vor allem sachdienliche Hinweise zu den Chat-Partnern der Ermordeten, insbesondere zu den Identitäten, die hinter verschiedenen „Nicknames“ stecken; eine Liste mit diesen Phantasienamen ist über die Homepage http://www.polizei-diepholz.de abrufbar – der Hinweis auf diese Website war schon im „Kriminalreport“ unterblieben; „Aktenzeichen XY“ ging darauf zwar ein, aber nicht unmittelbar im Beitrag über den Mordfall Nicole Stindt, sondern erst im weiteren Verlauf der Sendung.

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