Tausendsassa Joja Wendt gibt sich in Harpstedt die Ehre

Deutschlands coolster Pianist

Unvergessen: Joja Wendt (links) mit seinem schwebenden Flügel am „Boogie-Ballon“ über dem Wolfgangsee in Österreich.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Vor zwei Jahren stieg in Österreich ein Heißluftballon in den Himmel auf. Eigentlich kaum der Rede wert, wäre nicht ein Flügel samt „Mann am Klavier“ mit in die Luft gegangen.

Der Künstler, der da unerschrocken hoch über dem Wolfgangsee auf 88 Tasten virtuos musizierte, war kein Geringerer als Joja Wendt. Ihn schlicht als Pianist zu bezeichnen, käme einer groben Untertreibung gleich. Der 45-Jährige ist Kult, ein Entertainer par Excellence, ein musikalischer Grenzgänger, ja, ein echtes Phänomen. Am Freitag, 22. Oktober, 20 Uhr, gastiert er in der Harpstedter Christuskirche. Frühzeitiges Sichern von Eintrittskarten sei den Fans wärmstens empfohlen, denn es könnte richtig voll im Gotteshaus werden.

Einen gewissen Hang zum Extravaganten wird dem „Piano-Man“ sicher niemand absprechen. Er gilt als Meister der Selbstinszenierung. Das bewies er erst am vergangenen Wochenende wieder, als er vor rund 600 Gästen im beeindruckenden Rund des Berliner Olympiastadions in die Tasten griff. Der über eine Lautsprecheranlage verstärkte Flügel war für das Event auf einer blauen Tartanbahn effektvoll präsentiert worden. 2008 folgte Joja Wendt der Bitte von Fernseh-Schutzmann Jan Fedder („Großstadtrevier“), mit ihm einen komplett improvisierten Abend zu gestalten, der am Ende zu einer feucht-fröhlichen Angelegenheit geriet.

Das Publikum in seinen Konzerten liebt seine grandiosen Überraschungen. So ließ Joja Wendt einst auf der Bühne zwei Frauen Ping Pong auf dem geschlossenen Flügel spielen und so den Takt für ein jazziges Stück vorgeben. Der Maestro musizierte dazu nicht nur, sondern griff zwischenzeitlich sogar selbst zum Schläger, um das Damen-Doppel kurzzeitig in ein „gemischtes Triple“ zu verwandeln. Furore machte Wendt, als er bei anderer Gelegenheit seinen Flügel zum „Tanzen“ brachte. Er haute schon mit der Nase in die Tasten, spielte auf dem Rücken liegend oder mit verbundenen Augen, oft in rasantem Tempo.

In „Wetten, dass“ trat der Hanseat zusammen mit Jerry Lee Lewis, Chuck Berry, Fats Domino und Joe Cocker auf. Mit der Redaktion des Hamburger Abendblattes wettete er, dass er ein Stück von Vladimir Horowitz, das bis dato als nahezu unspielbar galt, aufnehmen werde. Der Tausendsassa machte das Unmögliche möglich: Ein Video zeugt davon, wie er Horowitz‘ Variationen über ein Thema aus der Bizet-Oper „Carmen“ intoniert. Das Erstaunlichste daran: Für das Werk existieren nicht einmal offizielle Noten.

Joja Wendt, dessen Vorname eigentlich Johan lautet, versteht sich gleichwohl nicht in erster Linie als extrovertierter Showman, der auf der Bühne Lichtblitze zuhauf zucken lässt, sondern als Pianist. Alte Filme zeigen, wie er schon in frühester Kindheit auf dem Klavier klimperte. Heute können dem Musikus weltweit nur wenige Pianisten das Wasser reichen. Dabei fühlt sich Wendt in der Klassik genauso zu Hause wie im Jazz, Boogie Woogie oder Blues. Ob „Hummelflug“, „Unchain my heart“, „Honky Tonk Train Blues“, „Singing in the rain“ oder „The Entertainer“ aus dem Kultfilm „Der Clou“– der Virtuose beherrscht einfach jedes Genre. In Eigenkompositionen lebt er gern seine romantische Ader aus. Für Ottos „Sieben Zwerge“-Klamaukfilme hat er die Soundtracks geschrieben, darunter melodiöse Balladen wie die „Zwergensinfonie Nr. 7“.

Live beweist der „coolste Pianist Deutschlands“, wie der glühende Verehrer des Jazz-Improvisations-Großmeisters Keith Jarrett häufig genannt wird, dass er jeden Cent des Eintrittgeldes wert ist. Seine Gastspiele dauern für gewöhnlich zweieinhalb Stunden. Hinzu kommt eine Pause, in der er Autogramme gibt und CD‘s sowie DVD‘s signiert.

Das Konzert in Harpstedt wird von der Mediengruppe Kreiszeitung präsentiert, in deren Geschäftsstellen Karten erhältlich sind, so auch bei der Wildeshauser Zeitung in der Kreisstadt.

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