Gestrige Suche nach weiteren Weltkriegs-Minen ergebnislos / Statt Einsatz auf See in Boden vergraben

„Deutlich brisantere Sprengkraft“

Gerd Schellberg vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (l.) und Eckard Georg von der Straßenmeisterei verfolgten die Aktion.

Hemmelsberg (ck) · Auf diese Ruhe am Rand der Bremer Straße hätten sie gern verzichtet: Zwischen zwei Polizeisperren taten die Männer des Bauunternehmens „Joh. Schröder & Sohn“ gestern das, was hier zwischen Altmoorhausen und Tweelbäke schon seit Wochen zu ihrem Alltag gehört.

Das Zwei-Mann-Team trieb die Horizontalbohrung für eine Trinkwasserleitung und ein Glasfaserkabel voran. Keine drei Kilometer weiter suchten zeitgleich Spezialisten der „KMB Kampfmittelbergung“ nach weiteren Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Bisher fanden sie „keine Punkte, die es wert wären, dafür die Straße zu öffnen“, urteilte Gerd Schellberg vom Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Oldenburg. Der Bohrtrupp war da bereits „erfolgreicher“: Wie berichtet, stießen die Männer seit Mitte August schon auf zwei Torpedo-Minen.

„Eine lag teilweise unter der Fahrbahn, die andere in der Berme“, erinnert sich ein Arbeiter, während er sich eine Zigarette gönnt. In jenen zweiten explosiven Fund war der Bohrer schon bis durch die Aluminium-Ummantelung durchgedrungen. „Aber Gott sei Dank handelte es sich um die Stelle, in der sich der Schwimmer befand – und kein Sprengmittel“, schilderte Schellberg. Er und seine Kollegen brachten beide Minen schließlich kontrolliert zur Detonation.

Aber wie kamen solche für Kriegsschiffe konzipierten Ladungen fernab der Küste ins Hinterland? „Durch die Pioniere der Wehrmacht“, berichtete Schellberg: „In den letzten Kriegstagen verminten die Deutschen diese Straße, um die Alliierten auf ihrem Weg von Bremen nach Oldenburg aufzuhalten.“ Dafür bedienten sie sich aus den Marine-Depots rund um Wilhelmshaven: Denn erstens liefen in den letzten Kriegstagen sowieso kaum noch U-Boote aus, und zweitens dürfte es im Frühjahr 1945 kaum noch anderweitigen Nachschub gegeben haben. „Die Pioniere haben also diese Torpedo-Minen verlegt, sie mit Zündern versehen, sich dann verschanzt und gewartet“, erklärte Schellberg. Wenn Panzer über die bis zum Horizont einsehbare Straße gerollt wären, hätten sie auf Sicht gezündet.

Jetzt müssen sich er und seine Mannschaft sowie das private Bergungsunternehmen KMB um das explosive Erbe kümmern. Die Firma setzte dafür ihr „Sensys“-Suchgerät ein, einen zweirädrigen Wagen, dessen drei Mess-Schleifen auch andere Metalle außer den eisenhaltigen Stoffen orten können. Zentimetergenau schob ein Fachmann den Wagen bis zu den nächsten Markierungen über den Asphalt und parallel dazu durch den Seitenbereich. Die lokalisierten Stellen zeichnet das System auf, „und hinterher sehen wir uns die Ergebnisse auf dem Notebook an“, erläuterte Schellberg. Selbstverständlich hoffte er, dass weitere Entdeckungen ausblieben. „Das Gerät arbeitet jedenfalls zuverlässig und findet alles in einer Tiefe von bis zu zwei Metern.“ Die beiden Torpedo-Minen lagen in 80 Zentimetern und 1,30 Metern.

Zuvor hatte der erfahrene Kampfmittelbeseitiger noch keine Torpedo-Mine vor sich. Doch er wusste um die größere Gefahr: „Seekampfmittel verfügen naturgemäß über eine deutlich brisantere Sprengkraft.“ Beim Inhalt dieser entschärften Körper handelte es sich um Hexanit, der die Wirkung von TNT noch deutlich übertraf.

Am frühen Nachmittag endete die Suche unter der Regie der Straßenmeisterei Oldenburg . Deren Leiter Eckhard Georg fasste die erneute Sperrung der Bremer Straße und ihrer Zufahrtswege als unproblematisch zusammen: „Die Anwohner hatten wir vorher über die Maßnahme mit Handzetteln unterrichtet, und die Zusammenarbeit mit der Polizei verlief reibungslos. Sie hat uns auch bei dieser Maßnahme super unterstützt.“

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