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Delmenhorster Doppelmord: Angeklagter soll nicht unter Drogen gestanden haben

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Von: Dierk Rohdenburg

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Delmenhorst Doppelmord: Die Polizei nahm mehrere Personen fest.
Delmenhorst Doppelmord: Die Polizei nahm mehrere Personen fest. © NSN

Delmenhorst/Oldenburg – Ein wegen Doppelmordes in Delmenhorst angeklagter Mann hat zur Tatzeit nicht unter Drogeneinfluss gestanden und die Taten auch nicht im Affekt begangen. Zu diesen Bewertungen kamen am Dienstag eine Haar-Analyse und ein psychiatrisches Gutachten.

In dem Prozess vor dem Oldenburger Landgericht muss sich seit Ende März ein 34-jähriger Iraker verantworten. Er soll am 3. Oktober 2021 in Delmenhorst in einer Bar einen vermeintlichen Nebenbuhler (23) erstochen haben. Anschließend soll er seine Lebensgefährtin (27) vor den Augen der gemeinsamen Tochter mit einem Messer so stark verletzt haben, dass sie zwei Tage später starb.
Beide Taten hatte er zum Prozessauftakt gestanden. Zudem gab er an, dass er in der Zeit vor der Tat verstärkt Kokain konsumiert und sich von der Familie des vermeintlichen Nebenbuhlers verfolgt gefühlt habe. Er habe paranoide Vorstellungen gehabt und auch gedacht, seine Frau sei an einem Mordkomplott gegen ihn beteiligt.
Ein Haar-Gutachten konnte nach Angaben eines Gerichtssprechers hingegen für den fraglichen Zeitraum weder Kokain- noch Cannabisspuren nachweisen.
Eine Tat im Affekt kam für den psychiatrischen Gutachter nicht in Betracht. Denn dazu brauche es einen „Black-out“, den es aber beim Angeklagten nicht gegeben habe. Der Gutachter attestierte ihm einen ausgeprägten Eifersuchtswahn, aber keine Schizophrenie. Zudem gelangte er zur Feststellung, dass er den Angeklagten weiter für gefährlich halte. Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.
Im Zusammenhang mit der Tat erhob die Staatsanwaltschaft indes Anklage gegen sechs weitere Männer, die teilweise der Familie des Angeklagten angehören. Die Ermittler werfen ihnen Beihilfe zum Mord an dem männlichen Opfer vor, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Demnach sollen sie in die Tatplanung eingebunden gewesen sein, den vermeintlichen Nebenbuhler in der Sportbar in Delmenhorst zu töten.
Vier der Angeklagten seien seit Dezember in Untersuchungshaft, hieß es. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet das Landgericht. Die Tatverdächtigen sind zwischen 30 und 48 Jahre alt.

Artikel vom 19. April: Überraschung im Delmenhorster Doppelmord-Prozess: Der Angeklagte (34) jesidischen Glaubens aus Delmenhorst soll nur vermindert schuldfähig sein und in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden.

Das ist das Ergebnis eines psychiatrischen Vorab-Gutachtens, das der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes am Dienstag bekannt gab.

Sollte es am Ende bei diesem Ergebnis bleiben, wäre eine Verurteilung wegen Doppelmordes zu zweimal lebenslanger Gefängnisstrafe wohl nicht mehr möglich. Der Angeklagte soll in Wahn getötet haben, was ihm strafrechtlich zugutekommt. Wie berichtet, hatte der Angeklagte am 3. Oktober vorigen Jahres in einer Delmenhorster Bar zunächst einen vermeintlichen Nebenbuhler (23) mit 30 Messerstichen in Brust und Bauch getötet, um dann seine Ehefrau (27) in der gemeinsamen Wohnung mit 21 Messerstichen vor den Augen der gemeinsamen achtjährigen Tochter tödlich zu verletzen.

Ziel: Familienehre wieder herstellen

Gleich zum Prozessauftakt vor wenigen Wochen hatte der Angeklagte beide Taten gestanden. Er habe zuerst den 23-jährigen Mann in einer Delmenhorster Bar mit einem Messer getötet und sei dann zu seiner Frau gefahren, sagte er. Er habe auf sie mit einem Messer eingestochen, um sie zu töten. Die 27-Jährige starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Laut ursprünglicher Anklage soll der 34-Jährige mit den grausigen Taten die Absicht verfolgt haben, die Familienehre wieder herzustellen, die er durch eine angebliche Affäre der Getöteten beschmutzt sah. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden beide Taten kurz zuvor im Familienkreis des Angeklagten beschlossen. Der Angeklagte gab beim ersten Verhandlungstermin an, dass er in der Zeit vor der Tat verstärkt Kokain konsumiert habe und sich von der Familie des vermeintlichen Nebenbuhlers verfolgt gefühlt habe. Er habe paranoide Vorstellungen gehabt und auch gedacht, seine Frau sei an einem Mordkomplott gegen ihn beteiligt.

Nach der Ermordung hatte der Angeklagte in einem Selbstvideo die Taten gepriesen und von der Wiederherstellung der beschmutzten Ehre gesprochen. Und auch auf einem anschließenden Schlichtungstreffen, an dem rund 100 Personen jesidischen Glaubens teilnahmen, soll erklärt worden sein, dass Ehebruch eine Sünde sei und Ehebrecher den Tod verdient hätten.

Nur: Es gab gar keine Affäre. Das macht die Taten noch sinnloser als ohnehin schon. Der Angeklagte indes soll in seinem Wahn eben doch von einer Affäre ausgegangen sein. Das ist aber durch nichts belegt. Der Angeklagte soll vor den Taten davon gesprochen haben, Beweise für die Affäre zu haben. Bis heute blieb er die aber schuldig. Er muss überzeugend geklungen haben, denn bei der Ermordung des 23-Jährigen sollen einige Brüder und Cousins des Angeklagten anwesend gewesen sein, wobei einer von ihnen die Tat gelobt haben soll.

Die Brüder und Cousins des Angeklagten müssen sich alsbald selbst vor Gericht verantworten – zwar wegen Beihilfe zum Mord.

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