16-köpfige Gruppe aus Tschernobyl verbringt drei Wochen in Dötlingen

„Das ist wie ein Märchen“

Helga Gerdes, Vorsitzende der Tschernobyl-Initiative Bremen (Mitte), und Studentin Inna Markeeva (l.) haben für die 14 Kinder der Dorfschule Rosa Luxemburg und ihre zwei Betreuer ein spannendes und erholsames Programm vorbereitet. ·

Dötlingen - Von Tanja Schneider„Dieser Aufenthalt ist für uns wie ein Märchen. Zum Abschied wird es sicherlich sehr viele Tränen geben“, sagt Larissa Leonova. „Bei uns auch“, versichert Helga Gerdes, Vorsitzender der Tschernobyl-Initiative Bremen. Der Verein ermöglicht derzeit 14 Kindern von der Dorfschule Rosa Luxemburg, die rund 50 Kilometer von Tschernobyl entfernt liegt, einen drei wöchigen Urlaub im Schul landheim Dötlingen.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen“, berichtet der weißrussische Schulleiter Alexander Leonov, der die Acht- bis 13-Jährigen gemeinsam mit seiner Frau Larissa begleitet. „Die Kinder blühen hier richtig auf, sind sehr lebensfroh – von Heimweh keine Spur.“

Während ihres Aufenthaltes soll den Kindern eine spannende und schöne Zeit bereitet werden, in der sie sich erholen können. Auch wenn die Atomkatastrophe in Tschernobyl schon 25 Jahre zurückliegt, dürfe man nicht vergessen, dass die Gegend radioaktiv verseucht ist. „Die Kinder nehmen ständig strahlenbelastete Nahrung zu sich und sind dadurch gesundheitlich beeinträchtig“, informiert Gerdes. In Dötlingen können die Mädchen und Jungen mal Abstand gewinnen, das Immunsystem soll sich erholen.

Angekommen ist die Gruppe vor knapp zwei Wochen. „Und alle sind begeistert von dem Ort und dem Schullandheim“, berichtet Gerdes, die die Gruppe gemeinsam mit Studentin Inna Markeeva, die als Übersetzerin fungiert, betreut – ehrenamtlich. Seit gut zehn Jahren ist die Initiative, die seit 2009 als gemeinnütziger Verein anerkannt ist, aktiv. „Früher haben wir die Erholungsferien in Hepstedt organisiert“, sagt Gerdes. „Das wir nun das erste Mal in Dötlingen sind, ist Zufall.“ Denn als die Tschernobyl-Initiative den Aufenthalt nach ein paar Jahren Pause wieder anbieten wollte, war die Unterkunft in Hepstedt schon ausgebucht. „Aber wir sind froh, dass wir hier gelandet sind“, betont die Vorsitzende.

Rund 24 Stunden war die Gruppe aus Weißrussland mit dem Bus unterwegs, ehe sie in Dötlingen eintraf. Neben gemeinsamen Spielen, Bastelaktionen, Spaziergängen und Erkundungstouren im Wald standen bereits Ausflüge zum Eisessen und ins Rämmi-Dämmi-Kinderland in Wildeshausen, ins Goldenstedter Moor, zum Badesee und zur „Sail“ nach Bremerhaven auf dem Programm. In den Freizeitpark Ostrittrum brachte der Dötlinger Günter Osterloh die Kinder am Donnerstag mit dem Kremser und erhielt zum Dank ein kleines Ständchen. „Egal, wo wir bisher waren, wir wurden überall gut aufgenommen und haben von vielen Leuten spontan Unterstützung erhalten“, freut sich Gerdes.

Auch Freundschaften wurden bereits geschlossen. Denn die ersten vier Tage teilte sich die Gruppe das Schullandheim mit Kindern aus Delmenhorst. „Die Mädchen und Jungen haben sofort miteinander gespielt; kommuniziert wurde mit Händen und Füßen“, so Gerdes. Dass die Kinder derzeit so glücklich und fröhlich sind, zaubert auch Schulleiter Leonov ein Lächeln ins Gesicht. Allerdings vergeht für alle die Zeit in Dötlingen viel zu schnell. „Die Kinder würden gerne noch länger bleiben“, berichtet er. „Neben der schönen Landschaft, dem tollen Erholungsprogramm und der guten Unterkunft sind wir vor allem vom Essen begeistert.“ Rund die Hälfte von dem, was in Dötlingen auf den Tisch kommt, haben die Gäste aus Weißrussland so noch nie probiert – ob Hackbraten, grüne Bohnen mit Speck oder Pizza.

Kommenden Freitag verlässt die Gruppe das Schullandheim. Dann stehen noch zwei Tage in Gastfamilien in Bremen an, ehe es am Sonntag wieder nach Hause geht. Gerdes möchte daran noch gar nicht denken. „Wir haben die Kinder sehr ins Herz geschlossen. Sie sind sehr offen, freundlich, hilfsbereit – einfach gut erzogen. Jedes Kind ist ein Juwel“, schwärmt sie.

Ob die Bremer Initiative 2012 wieder Erholungsferien für eine Gruppe aus Tschernobyl anbietet, kann Gerdes noch nicht sagen. „Das hängt immer davon ab, ob wir die Mittel bereitstellen können“, erklärt sie. „Wir sind da auf Spenden angewiesen.“ Von denen finanziert der Verein auch weitere Hilfsmaßnahmen wie das Projekt „Bodenverbesserung der Hausgärten in Rosa Luxemburg“ oder auch mobile Strahlenmessstellen, die Lebensmittel aus verstrahlten Gebieten untersuchen. Außerdem vermittelt die Initiative, deren Schirmherrin die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck ist, Patenschaften.

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