Oder: Kinder des AWO-Sprachheilkindergartens lernen Konflikte zu lösen

„Du darfst nicht mitspielen“

Oldenburg - OLDENBURG · Die Mädchen und Jungen der Bärengruppe des AWO-Sprachheilkindergartens an der Nadorster Straße in Oldenburg sitzen im Stuhlkreis und verfolgen gespannt die Geschichte von der kleinen Gans und der kleinen Ziege, die sich in der Kita gestritten haben. Nun ist beiden Tieren langweilig, weil ihnen wegen des Gezänks jeglicher Spielkamerad fehlt. Erst nachdem sie gemerkt haben, dass es doch viel schöner ist, zusammen zu spielen, gehen sie wieder aufeinander zu...

Katharina Recke und Francesca Ney, Sonderpädagogik-Studentinnen im fünften Semester an der Carl-von-Ossietzky-Universität, führen im Rahmen des Seminars „Förderdiagnostische Verfahren in schulischen und außerschulischen Anwendungsbereichen“ ein Konfliktlösungsprogramm im AWO-Sprachheilkindergarten unter Leitung von Dr. Holger Lindemann durch. Es geht zunächst darum, sich Gefühlen wie Wut, Trauer oder Glück kindgerecht bewusst zu werden, um dann zu besprechen, was der Einzelne tun kann, wenn er beispielsweise wütend ist. Etwa den Spielkameraden in den Po kneifen, wie‘s die kleine Ziege mit der Gans gemacht hat? Oder ist es nicht besser, einfach nur mit dem Fuß aufzustampfen, wie es in dem Lied vom Glücklichsein und Wütendsein am Anfang der Projektsequenz gemeinsam besungen worden ist? Die Erzieherinnen der Bärengruppe, Jasmin Wilke und Elisabeth Reiske, konnten aus dem Projekt mit den Studentinnen viele Anregungen für ihre tägliche Arbeit mitnehmen. „Das Einbinden einer Handpuppe, die sich auf die Ebene der Kinder in ihren jeweiligen Gefühlssituationen begibt, kann zum Beispiel schnell helfen, einen Konflikt zu entschärfen, weil sich die Kinder damit gut identifizieren können“, weiß Jasmin Wilke.

Streitigkeiten sind nicht nur zu Hause ein Alltagsproblem, sondern auch im Kindergarten. Meist „zoffen“ sich die Kleinen um „Eigentumsfragen“. Da geht es etwa um „mein“ oder „dein“ Spielzeug und um die Spielregeln für Spielen. Sogar die Ausgrenzung eines Sprösslings kommt vor und schmerzt den Betroffenen für gewöhnlich sehr. Die Kinder sollen lernen, in diesen Konfliktsituationen durchaus Gefühle wie Wut oder Trauer zu zeigen, aber eben nicht durch körperlichen Einsatz.

Grundvoraussetzung für die gewaltfreie Lösung von Konflikten ist verbales Ausdrucksvermögen. Kinder mit Sprachbeeinträchtigungen haben hier Nachholbedarf. Sie werden in einem Sprachheilkindergarten zielgerichtet therapiert, damit sie schnellstmöglich wieder in einen Regelkindergarten gehen können. Je früher die Behandlung beginnt, desto geringer ist die Gefahr, dass die Defizite bis in die Grundschulzeit und darüber hinaus fortbestehen.

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