Dr. Manfred Schwarz referierte zur Versorgung älterer Menschen im ländlichen Raum und stellte „Dötlinger Modell“ vor

„Brauchen neue Kultur des Umeinander-Kümmerns“

Der Kreisbehindertenrat mit dem Vorsitzenden Hans Sperveslage (r.) und seinem Stellvertreter Georg Meyer (l.) hatte Dr. Manfred Schwarz für den Vortrag gewinnen können.

Neerstedt - (ts) · „Wir brauchen für die Gemeinde Dötlingen eine gute Vernetzung, den strukturierten Einsatz Ehrenamtlicher, eine bessere Nutzung der Einrichtungen vor Ort, den Aufbau einer Datenbank und eine Gemeindeschwester“, fasste Dr.

Manfred Schwarz gestern am Ende seines Vortrags zusammen. Auf Einladung des Kreisbehindertenrats hatte der Neerstedter Arzt im Rathaus zum Thema „Versorgung älterer Menschen im ländlichen Raum“ referiert und das „Dötlinger Modell“ vorgestellt.

Die Verbesserung der seniorenbezogenen Infrastruktur müsse in Angriff genommen werden, um Senioren ein langes Leben in der Gemeinde, also auch zu Hause, zu ermöglichen. „Hierfür müssen wir auch neue Wege in der Pflege und der Medizin gehen“, sagte Dr. Schwarz. Die Probleme auf Gemeindeebene seien nicht nur eine wenig vorausschauende Altenhilfeplanung und mangelnde Kommunikation aller an der Versorgung Beteiligter. „Wir haben auch kaum Informationen darüber, was sich ältere Menschen wünschen.“ Hinzu komme, dass sie sich häufig nicht rechtzeitig Hilfe holten oder nicht wüssten, an wen sie sich wenden sollen.

Abhilfe könnte hier eine arztnahe Gemeindeschwester schaffen, die nicht erst die Einwohner besucht, wenn sie schon erkrankt sind, sondern auch einen präventiven Auftrag hat. „Sie würde auch erkennen, wenn sich zum Beispiel Frau Müller nicht mehr um ihren pflegebedürftigen Mann kümmern kann, und könnte Rückmeldung geben“, so Dr. Schwarz. Der Bereich „Begleitung und Beratung“ müsse intensiviert werden. „Wir brauchen eine neue Kultur des Umeinander-Kümmerns“, sagte der Neerstedter Mediziner. Die Nachbarschaftshilfe sollte wieder Einzug halten. „Wer mäht zum Beispiel bei Frau Müller den Rasen, wenn sie sich den Arm gebrochen hat?“, fragte Schwarz. Um überhaupt über derartige Angebote Bescheid zu wissen, sei der Aufbau einer Datenbank notwendig. Das sei Aufgabe der Gemeinde.

Um die Versorgung zu optimieren, komme man zudem nicht um ein gut funktionierendes Netzwerk herum. „Denn Einzelpraxen haben einfach keine Zukunft, wir benötigen hausärztliche Zentren“, so Schwarz, der offen zugab, dass er nicht glaubt, irgendwann einen Nachfolger für sich selbst zu finden. „Dann könnte in der Praxis vielleicht eine Gemeindeschwester sitzen.“ Der viel diskutierte Ärztemangel sei aber dennoch nicht das eigentliche Problem. Das liege bei den nicht vernünftig verknüpften Strukturen und zum Teil auch an Vorgaben, die die Delegation ärztlicher Leistungen, wie zum Beispiel das Verbandwechseln, nicht gestatte.

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