Landesmuseum auf Spurensuche nach Grabungsfotos der Großsteingräber

Bombentreffer zerstörte fast alle Unterlagen

Hünengräber in Kleinenkneten: Eine Postkarte mit dem Motiv einer Anlage in Farbe aus den 1970ern (links). Archäologe Dr. Frank Both bei der Arbeit. Fotos: Landesmuseum Oldenburg

Kleinenkneten/Oldenburg – Die Hünengräber Kleinenkneten I und II sind vielen bekannt. Die historischen Hintergründe der Großsteinanlagen hingegen nur wenigen. Damit sich das ändert, erforscht Archäologe Dr. Frank Both vom Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg ihre Geheimnisse.

Ende April machte das Landesmuseum einen Aufruf öffentlich, in dem um Zusendung sehr alter Bildaufnahmen der Gräber gebeten wurde (wir berichteten). Sie sollen dreidimensional erfasst werden, um Wissenslücken zu schließen. Bisher seien zehn Kontakte eingegangen, sagt Both. „Das zeigt das Interesse der Leute vor Ort“, freut sich der Forscher. Darunter seien eine Postkarte in Farbe aus den 70er-Jahren, Zeitungsartikel, private Fotos aus den 70ern und 80ern sowie der Zeitzeugenbericht der Enkelin eines Grabungshelfers von 1934.

Als Projektkoordinator betreut Both das seit November bewilligte und auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt. Das primäre Fallbeispiel dieser Arbeit sind die Großsteingräber. Dabei beschäftigen sich die Wissenschaftler des Landesmuseums und der Jade Hochschule mit der interdisziplinären Bildrekonstruktion der Gräberanlage „Große Steine“ von Kleinenkneten I und II. Die Arbeit umfasst die Sammlung, Aufarbeitung, Auswertung und Archivierung von Erkenntnissen für die Nachwelt. Sie erforschen außerdem die Möglichkeiten der 3D-Technik. So arbeiten Professor Thomas Luhmann und Paul Kalinowski an der Modelldigitalisierung von Natur- und Kulturgut, um sie auf diese Weise zu erfassen und konservieren zu können. Die daraus entstehenden Entwicklungen und Lösungen sollen später anderen Forschungseinrichtungen angeboten werden.

Die Originalzeichnungen stammen aus den 30ern

Die Ausgrabung der Gräber begann 1933 und endete 1939. Danach wurde die Anlage Kleinenkneten I originalgetreu rekonstruiert und ist in dem damaligen Zustand heute noch erhalten. Als Ausflugsziel liegt sie seit 2009 als Station an der „Straße der Megalithen“ im Bereich des Naturparks Wildeshauser Geest im Landkreis Oldenburg und ist beliebt bei Touristen und Wanderern.

Die originalen Zeichnungen der Ausgrabung aus jener Zeit sind fast alle im Krieg zerstört worden. Eigentlich sollten 1942/43 einige Sachen aus dem Landesmuseum in den Keller der angrenzenden damaligen Bibliothek ausgelagert werden, um sie in Sicherheit zu bringen, sagt Both. Ausgerechnet dort jedoch schlug eine Bombe ein und das Gebäude, samt vieler Aufzeichnungen, brannte aus. „Die Großsteingräber wurden auch deshalb nie wirklich aufgearbeitet“, erklärt Both. Dennoch hätten etwa 100 Fotoplatten aus Glas sowie rund 400 Fotonegative die Zeit überlebt.

Weitere Fallbeispiele des Forschungsprojekts von Both sind die Erforschung von Technologie zur Konservierung der Moorleiche von Kayhausen, selbiges für den Mantel aus Robbendarm der Aleuten sowie die Forschung an der Echtheit der Weser-Runenknochen, die vermeintlich aus dem vierten Jahrhundert stammen.

Bürger können mithelfen

Das Landesmuseum bittet weiterhin um Mithilfe aus der Bevölkerung. „Es ist auch ein bürgerwissenschaftliches Projekt. Wir wollen die normale Bevölkerung einbinden“, sagt Both. Es wird nach Fotos, Filmen oder Postkarten gesucht, die Aufschluss zum damaligen Zustand der Steingräber geben können, heißt es vom Museum. Beispielsweise sind Bilder von privaten Ausflügen, auf denen die Großsteingräber zu sehen sind, sehr gewünscht. Dabei gelte: je älter, je besser. Die Aufnahmen sollen mittels moderner Verfahren helfen, die genaue Position jedes Steines zu rekonstruieren. Die Fragen der Wissenschaftler sind: Wurden die Steine von Kleinenkneten I nach der Grabung wieder in die richtige Stellung gebracht? Wie sah die Anlage Kleinenkneten II früher aus? Insbesondere der Zustand vor 1933 und der Zustand ab 1939/40 sei für die Wissenschaftler von großem Interesse. Die Bilder könnten digital oder als normales Foto im Landesmuseum vorbeigebracht oder dorthin geschickt werden. Nachdem die Aufnahmen gescannt sind, werden sie zurückgegeben.

Kontaktdaten

Die Adresse: Landesmuseum für Natur und Mensch, Damm 38-44, 26135 Oldenburg. Der Ansprechpartner ist Dr. Frank Both, zu erreichen unter Telefon 0441/40570332 oder per E-Mail f.both@landesmuseen-ol.de

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