Verdienstmedaille des Landes für Turnlehrer Rudi Jäger

Den Beruf zum Hobby gemacht

Landrat Frank Eger (l.) überreichte Rudi Jäger (r.) Medaille, Urkunde und Blumenstrauß. Auch Anne Wilkens-Lindemann und Hartmut Post ließen Blumen sprechen.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenDÜNSEN/HARPSTEDT · „Sie sind der lebende Beweis dafür, dass Sport Körper und Geist fit hält“, sagte Landrat Frank Eger gestern Abend im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ zu Rudi Jäger, ehe er dem 86-Jährigen aus Dünsen im Namen von Ministerpräsident David McAllister die Medaille „für vorbildliche Verdienste um den Nächsten“ verlieh. Mit der Auszeichnung würdigt das Land Niedersachsen das langjährige Wirken des Kunstturntrainers im Kinder- und Jugendsport.

Ja, eigentlich könne sich Jäger „etwas zurücklehnen“, zumal er die 60 „knapp“ überschritten habe, sagte der Kreishaus-Chef. Doch die Hände einfach in den Schoß zu legen, liegt dem betagten Sportsmann fern. Er habe seinen Beruf zum Hobby gemacht, sagt der pensionierte Gymnasiallehrer, der von 1963 bis 1989 in Bremen Sportunterricht erteilte und obendrein Jahrzehnte als Vereinsturnlehrer wirkte, unter anderem in Bremen, Ingelheim am Rhein sowie in Neuenhaus an der Grenze zu den Niederlanden. Seit seiner Entlassung aus englischer Gefangenschaft (1948) brachte er ungezählten Kindern und Jugendlichen die Freude an der Bewegung und soziales Miteinander näher. Der Landrat lobte seinen „selbstlosen Einsatz für seine Mitmenschen“ und bescheinigte ihm ein „enormes Fachwissen“. Das Ehrenamt brauche Menschen wie ihn, die eine „Verpflichtung von innen heraus annehmen“.

Noch heute leitet der gebürtige Magdeburger fünfmal wöchentlich das Kunstturnen im FTSV Jahn Brinkum und begleitet Kinder und Jugendliche an Wochenenden zu Wettkämpfen. Gleich zwei Turngruppen unterschiedlicher Altersklassen will er zum Meistertitel führen. „Vor uns liegt nur noch ein Wettkampf“, verriet er am Rande der Feierstunde. Zusätzlich bildet Jäger eine Mädchenturngruppe in der Kooperativen Gesamtschule Stuhr-Brinkum für „Jugend trainiert für Olympia“ aus. Ob Rudi sein richtiger Vorname sei, wollte Eger wissen und bekam nicht nur zustimmendes Nicken zur Antwort, sondern auch eine schlagfertige Bemerkung des 86-Jährigen: „Alle, die was taugen, heißen Rudi!“ Dass der Geehrte „Jahrgang 1924 ist“, sehe man ihm nicht an, musste der Landrat zugeben: „Er könnte mein Vater sein!“

Die Medaille des Landes „für vorbildliche Verdienste um den Nächsten“ werde sehr viel seltener verliehen als das Bundesverdienstkreuz; das zeige, „wie besonders diese Ehrung ist“, so Eger.

Ulrich Jäger hatte seinen Vater Rudi für die Auszeichnung vorgeschlagen. „Von der Antragstellung bis zur Genehmigung vergingen nur wenige Monate“, sagte der Landrat. Die Ehrung sei ungewöhnlich schnell erfolgt, habe aber den Richtigen getroffen – „jemand, der ein Vorbild für andere ist“.

Dem konnte die stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann nur beipflichten: Rudi Jäger habe für Verein und Schule Großartiges geleistet, sich um die Zukunft des Sports verdient gemacht und das Motto von Turnvater Jahn beherzigt: Frisch (ans Werk), fromm (im Glauben an die Gemeinnützigkeit und Wertbeständigkeit des Schaffens), fröhlich (untereinander), frei (und offen in allem Handeln). „Lassen Sie sich heute ordentlich feiern!“, schloss Wilkens-Lindemann.

Dünsens Bürgermeister Hartmut Post bedauerte, dass er den Geehrten erst kennen gelernt hatte, als er ihn zum 80. Geburtstag besuchte. Das sei viel zu spät gewesen. „Wir hätten bestimmt eine Verwendung für Sie gehabt“, sagte Post augenzwinkernd – mit Blick auf Aufgaben im SC Dünsen.

„Ich bin überwältigt“, gestand Rudi Jäger offen ein. „Ich denke, wir sehen uns in 14 Jahren wieder“, spielte er auf sein dann 100. Wiegenfest an. Hartmut Post versprach, er werde selbstverständlich auch schon zum 90. Geburtstag kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Ausschreitungen bei Demos gegen Regierung in Kolumbien

Ausschreitungen bei Demos gegen Regierung in Kolumbien

Warum wir im Alter noch was riskieren müssen

Warum wir im Alter noch was riskieren müssen

Fiona Hill: Ukraine hat die US-Wahl 2016 nicht beeinflusst

Fiona Hill: Ukraine hat die US-Wahl 2016 nicht beeinflusst

Die Neuheiten der LA Autoshow

Die Neuheiten der LA Autoshow

Meistgelesene Artikel

Mann fährt mit Tempo 160 auf Vordermann auf – 46-Jähriger in Klinik gestorben

Mann fährt mit Tempo 160 auf Vordermann auf – 46-Jähriger in Klinik gestorben

Serie Frühgeborene: Mutter nach 28 Wochen

Serie Frühgeborene: Mutter nach 28 Wochen

Erinnerung und Mahnung zugleich

Erinnerung und Mahnung zugleich

Deutsche Meisterschaft: „Paradiesvögel“ holen den Titel

Deutsche Meisterschaft: „Paradiesvögel“ holen den Titel

Kommentare