Hospizarbeit in der Samtgemeinde Harpstedt

Beistand und Trost in schwerster Stunde

Uta Reinking (3.v.l.), hier im Bild mit den Hospizhelferinnen Elke Kopmann-Cordes, Käthe Horstmann, Anke Scheele, Karin Möller, Erna Meyer, Silke Meier-Sudmann und Gabriele Proske (v.l.), steht als Vorsitzende an der Spitze des Hospizvereins.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenIm Sterben liegende Menschen, die sich auf dem letzten Abschnitt ihres Lebens Trost, Zuspruch und Kraft erhoffen, tun sich häufig schwer, die Dienste von ihnen fremden oder nur flüchtig bekannten Hospizhelfern in Anspruch zu nehmen. In der Samtgemeinde hält sich die Nachfrage nach Sterbebegleitung immer noch in eher engen Grenzen. „Es gibt gerade in ländlichen Regionen eine Hemmschwelle, die erst einmal überwunden werden will“, weiß Uta Reinking. Sie steht als Vorsitzende an der Spitze des Vereins „Hospiz Samtgemeinde Harpstedt“.

Schon vor Jahren erkannte das DRK-Seniorenzentrum den grundsätzlichen Bedarf an Sterbebegleitung. 14 Frauen durchliefen eine Ausbildung zur Hospizhelferin unter der Leitung von Dozenten des Hospizvereins Bremen-Horn.

Ziel war es von Anfang an, auch den ambulanten Bereich mit abzudecken. Einsätze im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt kämen gleichwohl häufiger vor als im häuslichen Umfeld, weiß Uta Reinking. „Aus den anderen Pflegeheimen in der Samtgemeinde haben wir bisher allerdings keine Anfragen bekommen“, fügt sie hinzu. Der Hospizverein führt eine Liste, aus der hervorgeht, welche Hospizhelferinnen sehr oft, weniger oft oder eher selten eingesetzt werden können.

Wenn im häuslichen Bereich eine Sterbebegleitung gewünscht werde, dann zumeist nicht von den Angehörigen, berichtet Hospizhelferin Erna Meyer. Für gewöhnlich kämen Aufträge über die ambulanten Pflegerinnen der Gemeinde-schwesternstation. Die mittlerweile 84-jährige Erna Meyer hat die Aufgabe, Mitmenschen in den schwersten Stunden ihres Lebens beizustehen, als etwas mitunter Belastendes, aber gepaart mit schönen Erfahrungen, erlebt: „Da kommt beides zusammen“, sagt sie. Belastend sei die Begleitung natürlich vor allem dann, wenn der oder die Sterbende aus dem Kreise der eigenen Angehörigen komme. Zu den letzten Patientinnen, die Erna Meyer betreut hat, zählte eine 97-jährige Bewohnerin des DRK-Seniorenzentrums. „Sie war im Kopf noch topfit, hat mir aber klar gesagt, dass sie nicht mehr leben wolle. Es kommt in solchen Situationen darauf an, den richtigen Ton zu finden“, weiß die Hospizhelferin. Angehörige hätten sich seinerzeit Sorgen gemacht, ob sie eine schon gebuchte Reise antreten können, seien dann aber dem Rat gefolgt, auf den Urlaub nicht zu verzichten. Die 97-Jährige, so entsinnt sich Erna Meyer, habe jeden Abend darauf bestanden, „mit mir zwei Schluck Sekt und danach etwas Rotwein“ zu trinken. „Das war unser Rhythmus.“ Eines Abends habe die im Sterben liegende Frau vor dem Schlummertrunk-Ritual erzählt, sie habe alles erledigt, was noch zu erledigen gewesen sei, und hinzugefügt: „Jetzt wird‘s Zeit.“ Am Tag darauf sei sie verstorben.

„Ihren Lebensmut habe ich ihr nicht zurückgegeben. Ich konnte ihr schließlich nicht einreden, es würde sich schon alles wieder einrenken. Wer als Hospizhelferin tätig sein will, lernt, dass die Bereitschaft zu einem ehrlichen Umgang mit den Patienten Voraussetzung ist“, erzählt Erna Meyer. Die 97-Jährige habe in ihr so etwas wie eine Freundin gesehen und sich ihre Fröhlichkeit „bis zuletzt“ bewahrt. Die Hospizhelferin ist froh, die Dame kennen gelernt und ein „tolles“ zwischenmenschliches Verhältnis erlebt zu haben. Wenn im Sterben liegende Menschen Begleitung wünschten und noch Angehörige hätten, dann seien die nächsten Verwandten für gewöhnlich auch daran interessiert, mit einbezogen zu werden, spricht die Harpstedterin aus eigener Erfahrung.

Die in der Samtgemeinde tätigen Hospizhelferinnen treffen sich an jedem ersten Dienstag im Monat um 16 Uhr im DRK-Seniorenzentrum. Dabei würden, so Uta Reinking, auch Reflexionsgespräche geführt. „Wir reden über die letzten Sterbebegleitungen und darüber, wie sie im Einzelfall erlebt und empfunden worden sind.“ Einige der Hospizhelferinnen engagierten sich zugleich im ehrenamtlichen Besuchsdienst des Seniorenzentrums und pflegten somit schon ein besonderes Vetrauensverhältnis zu den Bewohnern.

Der Hospizverein lebe von Spenden. Jeder Interessierte könne Mitglied werden, so Uta Reinking. Beträge würden nicht erhoben. Eine Vernetzung der Hospizarbeit mit der Palliativpflege werde angestrebt und sei im Aufbau begriffen. 2012 werde wohl ein weiterer Kurs für Interessierte angeboten, die eine Hospizhelfer-Ausbildung durchlaufen möchten. Unter dem Dach des Hospizvereins treffen sich auch an jedem ersten Dienstag im Monat von 20 Uhr bis 21.30 Uhr trauernde Angehörige im DRK-Seniorenzentrum Harpstedt. Die Gruppe ist offen für Interessierte.

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