Neue Stroke Unit am Delmenhorster Klinikum

Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde

Thomas Vogel (l.), Gesine Kespohl und Frank Neumann zeigen einen Monitor zur Patientenüberwachung.

Delmenhorst (cs) · Eine neue Stroke Unit am Delmenhorster Klinikum soll die Versorgung von Schlaganfallpatienten verbessern. Denn bei den Betroffenen zählt vor allem eines: Zeit. Ist innerhalb von 24 Stunden eine optimale Betreuung gewährleistet, steigen die Chancen auf geringe Langzeitfolgen.

„Schlaganfallpatienten bedürfen sehr intensiver Überwachung“, weiß Dr. Frank Neumann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Die Schlaganfall-Einheit gewährleistet diese Überwachung. An vier von sechs Betten der Einheit stehen Monitore. Die Daten – beispielsweise zu Blutdruck, Körpertemperatur und Zuckerwerten – werden in einen Überwachungsraum übertragen. Sind diese auffällig, können Schwestern und Ärzte sofort reagieren.

Zur Stroke Unit gehört außerdem die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, den speziell geschulten Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und dem Sozialdienst.

„Wenn ein Logopäde Schluckschwierigkeiten feststellt, können wir die Nahrung darauf einstellen. Weitere Verschlechterungen des Zustands können so minimiert werden“, erläutert Gesine Kespohl, Bereichspflegeleiterin der Stroke Unit. Von Anfang an werden die einzelnen Partner in die Betreuung der Patienten eingebunden. Denn bei dem Schlaganfall sind die ersten 24 Stunden entscheidend. Diagnose und Behandlung innerhalb eines Tages verringern die Langzeitfolgen von Schlaganfällen. „Dank der Schlaganfall-Einheit können wir genau und frühzeitig diagnostizieren“, so Thomas Vogel, Ärztlicher Rettungsdienstleiter in Delmenhorst und Leiter der Stroke Unit. „Außerdem wird der Blick für dieses Krankheitsbild geschärft – das hilft den behandelnden Berufsgruppen bei ihrer täglichen Arbeit .“

Seit dem 1. März arbeiten die Delmenhorster mit der Stroke Unit – erfolgreich, berichtet Kespohl. „Wir können viel mehr aus den Patienten herausholen. Es bringt etwas.“ Der Meinung ist auch Neumann: „Das Defizit kann von Anfang an konsequent behandelt werden.“ Täglich würden die Patienten von den einzelnen Beteiligten behandelt, wöchentlich gebe es eine Teamsitzung, um sich über Fortschritte der Betroffenen auszutauschen. Besondere Fälle, etwa wenn das Gehirn anschwillt, werden weiterhin bei den großen Stroke Units in Oldenburg und Bremen behandelt. „Die sind personell und apparativ besser ausgestattet“, so Neumann.

Gegen ein Grundproblem kann aber auch die 150 000 Euro teure Schlaganfalleinheit nichts ausrichten. „Der Schlaganfall muss als Notfall in das Bewusstsein der Bevölkerung aufgenommen werden“, appelliert Neumann, Symptome ernst zu nehmen. Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt (Neumann: „Brustschmerzen – 112“) sollten die Menschen auf Anzeichen wie Lähmung eines Körperteils, Sprachschwierigkeiten, Sehstörungen, Bewusstlosigkeit, Übelkeit oder plötzlich auftretende, sehr starke Kopfschmerzen sofort reagieren. Schließlich ist der Schlaganfall nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

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