Harmonische Halbjahresfeier in der Pausenhalle der Haupt- und Realschule Harpstedt mit klarer Friedensbotschaft

„Auschwitz darf nicht wieder passieren“

Als Schulband und -chor „We are the World“ anstimmten, machte sich ein großes Gemeinschaftsgefühl in der Pausenhalle breit.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Verfolgt, deportiert, ermordet: An neun jüdische Mitbürger aus Harpstedt, die in der Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten ihr Leben lassen mussten, darunter mit Marga de Vries ein achtjähriges Kind, erinnerte Rektor Wolfgang Bleyer gestern anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor genau 66 Jahren. Die Haupt- und Realschule Harpstedt feierte ihre im Dezember wetterbedingt ausgefallene Weihnachts- als Halbjahresfeier nach. Das Motto und Thema „Frieden in aller Welt“ passte hervorragend zu dem Gedenktag.

„Unsere erste Verpflichtung ist es, dafür einzutreten, dass Auschwitz nicht wieder passiert“, sagte Bleyer in der Pausenhalle. „Hier darf kein Platz für Gewalt, Diskriminierung und Bedrohung sein“, betonte er auch in Anspielung auf die besondere Verantwortung, die mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ einher geht. „Im Frieden liegt unsere Chance. Frieden müssen wir leben in Familie, Kindergarten und Schule.“

Die Breakdance-Gruppe unter der Leitung von Sascha Oltmann glänzte zur Einstimmung in den abwechslungsreichen Vormittag mit Tanzakrobatik. Schulband, -radio und -chor verliehen der Feier unter der Leitung von Frank Zimmermann eine sehr harmonische Atmosphäre. Als „We are the World“ erklang, schunkelten ganze Publikumsreihen mit und stimmten in den Refrain ein. Mit einem rasanten Schlagzeug-Duett versetzten Jannik Stiller und Christoph Wolter die Menge in Entzücken. Letzterer hat sich soeben für den Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ qualifiziert, der im März in Wolfenbüttel ausgetragen wird.

In Kurzinterviews mit Schülern berichten drei Lehrkräfte über eigene Auslandserfahrungen. Gabriele Faravashi lebte über 28 Jahre lang im Iran. Sie unterrichtete in Teheran an der deutschen Botschaftsschule. Der Schulalltag unterscheide sich gar nicht so sehr von dem in Harpstedt. Auf Persisch wünschte die Lehrerin ein frohes neues Jahr. Über 26 Jahre lang war Ägypten die Heimat von Nada Zimmermann, wo sie an der Deutschen Schule der Borromäerinnen lehrte. „Dort habe ich auch meinen Traummann gefunden“, sagte sie mit Blick auf ihren Gatten Frank. „Daher spielt diese Schule eine ganz besondere Rolle in meinem Leben.“ Angesprochen auf den Anschlag auf koptische Christen in Alexandria an Silvester, erwiderte Nada Zimmermann: „Das ist wirklich das Allerschlimmste, Menschen beim Gebet anzugreifen.“

Am Aufbau einer deutschen Schule beteiligt gewesen ist Peter Oberwandling, der von 1980 bis 1986 in China lebte. „Wir fingen mit 19 Schülern in einer kleinen Wohnung an“, erinnerte er sich – und ergänzte: „Heute ist die Schule größer als unsere.“ Land, Leute „und besonders das Essen“ habe er „kennen und lieben gelernt“. Auch Peter Oberwandling und Nada Zimmermann amüsierten die Zuhörer mit Kostproben der erlernten Landessprachen.

Ein Rückblick in – auf eine Leinwand projizierten – Bildern, begleitet von dem Udo-Jürgens-Lied „Ihr von morgen (werdet staunend rückwärts sehen)“, rief mit hohem Gänsehaut-Faktor Stationen seit Kriegsende im deutsch-deutschen und europäischen Zusammenwachsen in Erinnerung – von der Teilung Deutschlands durch die Alliierten, über Währungsreform, Wirtschaftswunder und 68-er Revolte bis hin zu Mauerfall, Wiedervereinigung, Einführung des Euro und dem Fazit, dass heute rund 500 Millionen Menschen in den 27 Ländern der Europäischen Union friedlich zusammen leben.

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