Kamera in Wildeshauser Kanälen

„Argus“ mit 15 Metern pro Sekunde

Enrico Bader in seiner „Kommandozentrale“ an den Bildschirmen.

Wildeshausen - Von Joachim Decker· Im Volksmund ist es eine „Kanalratte“, obwohl sie dafür viel zu langsam ist. Aus diesem Grund ist es für Enrico Bader, Kanalinspekteur der Firma Meyer Städtereinigung Papenburg, schlichtweg die Kamera „Argus“, die er ferngesteuert durch die Kanäle der Kreisstadt fahren lässt, um Fehler aufzuspüren. Wir haben ihm bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut.

Am Einsatzort Richthofenstraße sind auch der Allgemeine Stellvertreter des Bürgermeisters, Jens Kura schinski, Michael Pietsch von der Kläranlage und Dennis Diekmann vom Fachbereich Bau der Stadtverwaltung. „Diese Kanalinspektionen lassen wir seit 2001 regelmäßig durchführen“, erzählt Kuraschinski. Immerhin seien je 80 Kilometer Schmutz- und Regenwasserkanal in der Stadt verlegt: „Pro Jahr werden rund 20 Kilometer Kanal und etwa 1 000 Hausanschlüsse überprüft. Dafür investieren wir rund 60 000 Euro jährlich.“

Und wie es schon der Name der Kamera sagt, sitzt Bader mit Argusaugen in seinem klimatisierten Spezialfahrzeug vor den Monitoren und schickt „Argus“ auf Reisen: „Wir befahren die Kanäle mit maximal 15 Zentimetern pro Sekunde. Das entspricht einer Tagesleistung von 800 Metern.“ Derzeit seien auf Grund der Trockenheit die Regenwasserkanäle an der Reihe: „Wenn die Wandungen trocken sind, können wir die Mängel besser orten.“ Die Schmutzwasserkanäle dürften für die Überprüfung ruhig bis zu zehn Prozent mit Wasser gefüllt sein.

Bevor „Argus“ jedoch auf Reise geht, muss der Kanal gereinigt werden. Dazu fährt eine ferngesteuerte Düse in den Kanal ein. Angetrieben durch den eigenen Wasserdruck. „Die Düse läuft mittig im Kanal, hat rundum Wasseraustritte“, sagt Bader. Nach einer vorgegebenen Strecke werde sie zurückgezogen, wobei die Düsen wie ein Hochdruckreiniger wirkten und den Dreck bis zum Schacht spülten: „Dieser wird mit dem Saugwagen aufgenommen und als Sondermüll entsorgt.“

Plötzlich zeigt Bader auf eine gelbe Leitung, die mitten durch den Kanal führt: „Ich sage mal, dass hier beim Verlegen der Gasleitung ein Volltreffer gelandet wurde. Die Gasleitungen werden durchs Erdreich geschossen.“ Sofort dokumentiert er diesen Fund mit Fotos, die er auf einem Stick speichert: „Die Stadt, für mich ist Ingenieur Jörg Dohrmann Ansprechpartner, bekommt von uns ohnehin Dokumentationen der kompletten Arbeit in Form von Fotos und Filmen auf DVD.“ Bei einem solch gravierenden Hindernis aber müsse er umgehend reagieren: „Daher schicke ich ihm diese Bilder sofort per E-Mail.“

„Hier müssen wir mit dem Versorgungsträger sprechen, der sich darum kümmern muss“, betont Kuraschinski. Immerhin sei nicht nur der Kanal beschädigt, sondern beim Reinigen des Kanals hätte auch die Gasleitung Schaden nehmen können.

Weiter steuert Bader die Kamera durch die Betonröhre: „Ich habe jetzt die große Kamera im Kanal, sie wiegt 45 Kilogramm. Wichtig ist, dass sie im Kanal genügend Gripp hat, denn sie muss ja einiges Kabel ziehen.“ Für Kanäle mit geringerem Durchmesser werde eine etwas kleinere Kamera eingesetzt: „Wichtig ist, dass sie stets in der Mitte der Röhre läuft. Nur so bekommen wir die richtigen Bilder und Filme.“ Immer wieder stoppt er die Kamera, schwenkt den Kopf, um auch alle Nahtstellen des 29 Jahre alten Kanals inspizieren zu können.

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