Mitarbeitervertreter üben Kritik am Diakonischen Werk

„Arbeitgeber missachten Rechte“

Oldenburg - OLDENBURG / GIFHORN (epd) · In den Verhandlungen über die Zukunft von drei insolventen Altenheimen im Oldenburger Land haben Mitarbeitervertreter harsche Kritik am Diakonischen Werk geübt.

Die Häuser in Oldenburg und Delmenhorst mit zusammen rund 220 Pflegeplätzen sollten offenbar einseitig auf Kosten der 180 Beschäftigten saniert werden, erklärten die niedersächsischen Mitarbeitervertretungen der Diakonie in Gifhorn. Das verstoße gegen ethische Grundsätze von Kirche und Diakonie.

Das Diakonische Werk Oldenburg verwies gestern darauf, dass sich die drei Einrichtungen in einer Sondersituation befänden. Die Mitarbeitervertreter erklärten, die Oldenburger Diakonie dränge die Beschäftigen dazu, auf ein Fünftel ihres Einkommens und auf Teile der Altersversorgung zu verzichten. „So verkommt das kirchliche Selbstbestimmungsrecht zum Recht des Mächtigeren gegenüber dem Schwächeren“, kritisierte Manfred Freyermuth vom Vorstand der diakonischen Mitarbeitervertretungen in Niedersachsen. Die Arbeitgeber verließen damit das kirchliche Arbeitsrecht, hebelten ausgehandelte Tarife aus und missachteten so die Rechte der Beschäftigten. „Empörend ist es, wenn die Gesetzgeber sich nicht mehr um ihre eigenen Gesetze scheren“, kritisierte Freyermuth. Die Vorgänge zeigten, dass der „Dritte Weg“, bei dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Kirche und Diakonie die Tarife in einer paritätisch besetzten Kommission aushandeln, gescheitert sei.

Das Diakonische Werk Oldenburg wollte sich zu Details nicht äußern und verwies auf das laufende Insolvenzverfahren. Herr des Verfahrens sei der Insolvenzverwalter. Dieser will ein Konzept entwickeln, um die Heime zu retten. Die drei Altenheime waren wegen drohender Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenz geraten. Die Ursache dafür sind nach Angaben des kaufmännischen Diakonie-Chefs Joachim von der Osten in erster Linie die hohen Personalkosten. Die Heimleitungen und die Beschäftigten hätten gute Arbeit geleistet. Allerdings lägen die Tarife der Diakonie rund ein Viertel über denen von Privatanbietern. Außerdem seien die Entgelte der Pflegekassen seit 2001 nicht mehr erhöht worden. Seitdem seien die Gehälter jedoch um elf Prozent gestiegen.

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