Landtagsabgeordneter Ansgar Focke und Bürgermeister Herwig Wöbse besuchten „Mikado“

Anvisierte „Zivi“-Zeit viel zu kurz

Herwig Wöbse und Ansgar Focke (von links) informierten sich bei Claudia Sanner über das „Mikado“.

Oldenburg - HORSTEDT (ck) · Eigentlich hätte der CDU-Landtagsabgeordnete Ansgar Focke gestern gern mit einem jungen Menschen gesprochen, der im Horstedter Kultur- und Tagungshaus „Mikado“ sein „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ (FÖJ) absolviert. Doch auf diese Stelle hatte sich zuletzt niemand beworben, bedauerte die Geschäftsführerin des verantwortlichen „Vereins für ganzheitliches Lernen“, Claudia Sanner. „Die Damen und Herren aus dem FÖJ brauchen zwar eine aufwändigere Betreuung als Zivildienstleistende, aber sie stehen uns länger zur Verfügung“, bedauerte Sanner.

Dabei gehe es nicht nur um hausmeisterliche Dienste und Küchenarbeit im „Mikado“ auf der „Großen Höhe“, sondern auch um Einblicke in den Alltag der vereinseigenen Freinet-Kindertagesstätte „PrinzHöfte“.

Durch regelmäßige Seminare von „FÖJ-lern“ aus Niedersachsen und Bremen im „Mikado“ mit seinen 16 Gästezimmern erahnte Claudia Sanner aber den Grund des Bewerbermangels: „Junge Leute sind heute weniger flexibel. Sie könnten bei uns wohnen, wollen aber lieber abends zu Hause sein. Wenn man aber ein Auto oder Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel selbst bezahlen muss, wird es schwierig, mit dem Taschengeld über die Runden zu kommen.“

Derartige Klagen hatte Focke während seiner vorherigen Besuche bei anderen FÖJ-Stellen nicht gehört – weil diese jungen Menschen aus der Nähe ihrer Einsatzorte stammten. Aber gerade deshalb will er mit den Betroffenen sprechen, denn „Kritik kommt bei uns zu selten an“.

Nun nutzte Sanner die Gelegenheit des Austauschs mit dem Abgeordneten und Prinzhöftes Bürgermeister Herwig Wöbse, um weitere Sorgen loszuwerden: „Wenn die Zivildienstzeit von neun auf sechs Monate verkürzt wird, haben wir es schwer“, urteilte die Geschäftsführerin. „Dann kommen die jungen Männer im Herbst an, sind aber im Frühjahr wieder weg, wenn es bei uns erst richtig los geht.“

Schließlich verzeichnet das „Mikado“ zwischen April und Oktober eine 90-prozentige Auslastung ihrer Zimmer für bis zu 40 Übernachtungsgäste. Jede Woche beherbergt das Team der fünf Mitarbeiter eine Schulklasse, hinzu kommen mehrtägige Fortbildungen.

„Ich kann ebenfalls nicht nachvollziehen, warum die Bundeswehr- und damit die Zivildienstzeit so stark reduziert werden soll“, urteilte Focke. Die Idee basiere offenbar auf Hintergedanken, die Wehrpflicht stufenweise abzuschaffen. Aber unter der zeitlichen Gleichbehandlung von „Zivis“ litten viele Einrichtungen. „Hier dürfte es vom Land noch Gesprächsbedarf und Kompromissvorschläge geben.“ Die von Sanner vorgeschlagene Kombination von FÖJ und Zivildienst, der darin eingerechnet werden sollte, empfand er als guten Ansatz.

Zudem erkundigte sich Focke nach den Folgen hinsichtlich des Vorranggebiets für Sandabbau, in dem das „Mikado“ samt Wildnisschule und Kultur-Café für Tagesausflügler liege. Sanner erklärte, dass „dieses Problem schon recht nah an uns heran gerückt ist“. Sie bedauerte, dass die Entscheidung vom weiten Hannover aus gefällt worden sei, „aber bei der ,Großen Höhe‘ handelt es sich um ein ökologisches Kleinod als Geestrücken“.

Bürgermeister Wöbse fragte sich, ob angesichts der schon „Jahrzehnte alten Festsetzung“ diese Entscheidung noch zeitgemäß sei. „Und hier liegt nicht nur das ,Mikado‘, sondern ebenso das Schullandheim der Stadt Delmenhorst“.

Focke sicherte zu, sich hinsichtlich der Vorranggebietsausweisung noch einmal im Landwirtschaftsministerium auf den neuesten Stand zu bringen, vorher aber auch Harpstedts Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes zu informieren. Hinsichtlich einer von Claudia Sanner gewünschten höheren Landesförderung von Kinderkrippen konnte er jedoch wenig Hoffnung machen: „Unser Vorschlag zur Bezuschussung einer dritten Krippenkraft scheiterte an einer Ablehnung der kommunalen Spitzenverbände.“

Das hinderte Focke und Wöbse aber nicht an einem anschließenden Besuch der Tagesstätte „PrinzHöfte“.

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